Ukraine meldet neue Rückeroberungen bei Lyman in Donezk

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Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben weitere Gebiete im Norden der ostukrainischen Region Donezk zurückerobert. Das 3. Armeekorps meldete am Montag, 28. September 2026, die Einnahme von drei Ortschaften sowie die Wiederherstellung der ukrainischen Kontrolle über zwei weitere Dörfer. Die jüngste Phase der von der Einheit als Operation Vivaldi bezeichneten Gegenoffensive habe einen Geländegewinn von 51 Quadratkilometern gebracht. Insgesamt beziffert das Korps die seit Beginn der Operation zurückgewonnene Fläche auf 176 Quadratkilometer.

Die neuen Angaben betreffen den Raum um Lyman im Norden der Region Donezk. Dort versucht die Ukraine seit Monaten, russische Vorstöße zurückzudrängen und die Annäherung an mehrere wichtige Städte im noch von Kiew kontrollierten Teil des Gebiets zu erschweren.

Drei weitere Dörfer nach ukrainischen Angaben zurückerobert

Nach Angaben des Kommandeurs des 3. Armeekorps, Brigadegeneral Andrii Biletskyi, nahmen ukrainische Kräfte Nove, Ridkodub und Katerynivka ein. Zudem sei die vollständige Kontrolle über Karpivka und Novomykhailivka wiederhergestellt worden. Reuters berichtete ebenfalls über die Angaben des Kommandeurs und nannte für die jüngste Operationsphase einen Geländegewinn von 51 Quadratkilometern.

Eine vollständige unabhängige Überprüfung der aktuellen Frontlinie war zunächst nicht möglich. Kampfhandlungen in diesem Gebiet werden stark durch Drohnen geprägt, und zwischen bestätigten Stellungen beider Seiten können breite, nicht dauerhaft kontrollierte Bereiche liegen. Die konkreten Ortsangaben und Flächenzahlen gehen daher zunächst auf das ukrainische Militär zurück.

Das ukrainische Korps beziffert den Gesamtumfang der seit Beginn der Operation zurückgewonnenen Gebiete inzwischen auf 176 Quadratkilometer. Die Operation war von ukrainischer Seite erst Mitte September öffentlich gemacht worden, obwohl Kampfbewegungen in dem Gebiet bereits zuvor beobachtet worden waren.

Gegenoffensive soll russischen Vorstoß bei Lyman stören

Das Institute for the Study of War hatte bereits Mitte September ukrainische Gegenangriffe im Raum nördlich von Lyman bestätigt. Nach Einschätzung des US-Instituts zielte die Operation darauf, einen russischen Frontvorsprung zurückzudrängen und damit einen Ansatz für eine weiterreichende Umfassung der ukrainisch gehaltenen Städte im nördlichen Donezk zu beeinträchtigen.

Lyman liegt nordöstlich von Slowjansk und gehört seit Jahren zu den umkämpften Abschnitten der Ostfront. Weiter südlich und westlich befinden sich mit Slowjansk, Kramatorsk, Druschkiwka und Kostjantyniwka mehrere wichtige ukrainische Städte. Russland beansprucht die gesamte Region Donezk, kontrolliert sie jedoch weiterhin nicht vollständig. Reuters zufolge befanden sich zuletzt noch rund 20 Prozent der Region unter ukrainischer Kontrolle.

Russische Kräfte hatten im Verlauf des Krieges wiederholt versucht, ihre Stellungen in Richtung dieser Städte auszubauen. Gleichzeitig verlangsamten sich die russischen Geländegewinne 2026 insgesamt. An anderen Teilen der Donezk-Front, insbesondere bei Kostjantyniwka, hielt der russische Druck jedoch an.

Bodendrohnen und schwere Fluggeräte bei Operation Vivaldi

Besondere Aufmerksamkeit erhält die Operation wegen des von ukrainischer Seite beschriebenen Einsatzes unbemannter Systeme. Das 3. Armeekorps erklärte in den vergangenen Tagen, schwere Drohnen hätten kleine unbemannte Bodenfahrzeuge hinter russische Stellungen transportiert. Diese ferngesteuerten Systeme seien anschließend unter anderem gegen militärische Ziele eingesetzt worden. Die Einheit sprach von Einsätzen mehr als zehn Kilometer hinter russisch kontrollierten Linien.

Das ukrainische Militär bezeichnete diese Kombination aus schweren Flug- und Bodendrohnen als neuartige Taktik. Eine unabhängige Bestätigung der behaupteten Reichweite und der konkreten Wirkung dieser Einsätze lag zunächst nicht vor. Auch die ukrainische Darstellung, es habe sich um einen weltweit erstmaligen Einsatz dieser Art gehandelt, lässt sich derzeit nicht unabhängig belegen.

Unbemannte Bodenfahrzeuge wurden den ukrainischen Angaben zufolge außerdem zum Räumen von Minen und für logistische Aufgaben eingesetzt. Das 3. Armeekorps erklärte, solche Systeme hätten im Abschnitt bei Shandryholove rund 30 Kilometer an Wegen geräumt. ISW griff diese Angaben in seiner Lageanalyse vom 24. September auf und bestätigte zugleich ukrainische Gegenangriffe in diesem Frontabschnitt.

In der am Montag bekannt gegebenen jüngsten Phase sollen nach Angaben des Korps außerdem umgebaute sowjetische Schützenpanzer vom Typ BTR-60 als ferngesteuerte Fahrzeuge gegen befestigte russische Stellungen eingesetzt worden sein. Auch diese Detailangabe stammt vom ukrainischen Militär.

Angaben zu russischen Verlusten nicht unabhängig bestätigt

Das 3. Armeekorps erklärte am Montag zudem, russische Einheiten hätten während der jüngsten Phase etwa 2.000 Mann verloren. Mehr als 250 russische Soldaten seien gefangen genommen worden. Zu den genannten Verlustzahlen lag zunächst keine unabhängige Bestätigung vor.

Verlustangaben der Kriegsparteien sind während laufender Gefechte grundsätzlich nur eingeschränkt überprüfbar. Auch eine detaillierte russische Stellungnahme zu den am 28. September bekannt gegebenen ukrainischen Geländegewinnen lag zunächst nicht vor.

Die territoriale Entwicklung im Raum Lyman fügt sich in mehrere ukrainische Gegenangriffe des Jahres 2026 ein. Bereits zuvor hatte Kiew größere Geländegewinne im Südosten des Landes gemeldet. Reuters bezifferte diese früheren ukrainischen Angaben auf mehr als 700 Quadratkilometer.

Für die weitere Entwicklung der Kämpfe ist vor allem entscheidend, ob die Ukraine ihre neu erreichten Positionen im Norden von Donezk halten kann und ob sich dadurch russische Kräfte binden lassen, die andernfalls für Angriffe auf die weiter westlich gelegenen Städte eingesetzt werden könnten. Die bislang bekannten Angaben zeigen jedenfalls, dass sich die Front in diesem Abschnitt im September zugunsten der Ukraine verschoben hat, auch wenn Ausmaß und dauerhafte militärische Wirkung der jüngsten Geländegewinne noch nicht vollständig feststehen.

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