
Die Zusammenarbeit zwischen jungen Unternehmen und der etablierten Wirtschaft verliert in Deutschland weiter an Reichweite. Nach dem Deutschen Startup Monitor 2026 kooperieren noch 54,1 Prozent der befragten Start-ups mit etablierten Unternehmen. Ein Jahr zuvor waren es 56,0 Prozent, 2024 noch 61,9 Prozent. Im Jahr 2020 hatte der Anteil bei 71,8 Prozent gelegen. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits seit mehreren Jahren zu beobachten ist.
Der Rückgang fällt in eine Phase, in der viele Start-ups ihre Produkte vor allem an andere Unternehmen verkaufen. 76,5 Prozent ihrer Umsätze werden nach den Daten des Startup Monitors inzwischen im Geschäft mit Unternehmenskunden erzielt. Das ist ein neuer Höchstwert. Gerade für Start-ups in Deutschland sind Mittelständler und größere Unternehmen damit nicht nur potenzielle Kooperationspartner, sondern ein zentraler Absatzmarkt.
Der geringere Anteil an Kooperationen steht auffällig neben den Erfahrungen jener Start-ups, die bereits mit etablierten Unternehmen zusammenarbeiten. 74,2 Prozent bewerten den Return on Investment ihrer Kooperation positiv oder eher positiv. Bei der Frage, ob sich ein Pilotprojekt zu einer längerfristigen Partnerschaft entwickelt, fällt die Bewertung bei 67,5 Prozent positiv oder eher positiv aus.
Schwächer schneiden dagegen die Abläufe ab. Nur 44,6 Prozent beurteilen die Geschwindigkeit der Prozesse in der Zusammenarbeit positiv oder eher positiv. Die Daten liefern damit Hinweise darauf, an welchen Stellen Kooperationen funktionieren und wo Schwierigkeiten wahrgenommen werden. Einen einzelnen Grund für den langfristigen Rückgang der Kooperationsquote weist die Erhebung jedoch nicht nach.
Auch bei der grundsätzlichen Bereitschaft etablierter Unternehmen fällt die Wahrnehmung der Start-up-Seite zurückhaltend aus. Lediglich rund 16 Prozent der Befragten bewerten die Kooperationsbereitschaft der etablierten Wirtschaft als hoch. Dabei handelt es sich um die Einschätzung der befragten Gründerinnen, Gründer und Geschäftsführenden, nicht um eine direkte Befragung der etablierten Unternehmen selbst.
Die Entwicklung ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Geschäftsmodelle vieler Start-ups stark auf Unternehmenskunden konzentrieren. Mit einem B2B-Umsatzanteil von 76,5 Prozent erreicht dieser Bereich 2026 den höchsten Wert der aktuellen Erhebung. Kooperation und klassisches Kundenverhältnis sind dabei nicht dasselbe. Dennoch verdeutlichen die Zahlen, wie eng das Wachstum vieler junger Unternehmen mit Aufträgen, Pilotprojekten und längerfristigen Geschäftsbeziehungen in der etablierten Wirtschaft verbunden ist.
Hinzu kommt die wachsende Bedeutung neuer Technologien. Für 53,3 Prozent der befragten Start-ups steht künstliche Intelligenz inzwischen im Zentrum des eigenen Produkts. 2025 waren es 45,1 Prozent, 2024 noch 39 Prozent. Damit steigt die Zahl junger Unternehmen, die technologische Lösungen entwickeln, während der gemessene Anteil formeller Kooperationen mit etablierten Firmen gleichzeitig zurückgeht.
Für den Industriestandort Deutschland ist diese Entwicklung besonders relevant. Junge Technologieunternehmen können etablierten Firmen Zugang zu neuen Softwarelösungen, künstlicher Intelligenz oder spezialisierten Technologien bieten. Umgekehrt verfügen größere Unternehmen häufig über bestehende Kundenbeziehungen, Produktionskapazitäten, Vertriebsstrukturen und Möglichkeiten für größere Aufträge. Ob und in welchem Umfang solche Potenziale tatsächlich genutzt werden, hängt jedoch von der konkreten Branche und der Form der Zusammenarbeit ab.
Der Blick auf die längerfristige Entwicklung zeigt, dass es sich nicht nur um eine Veränderung innerhalb eines Jahres handelt. 2020 arbeiteten laut Startup Monitor noch 71,8 Prozent der Start-ups mit etablierten Unternehmen zusammen. 2024 waren es 61,9 Prozent, 2025 noch 56,0 Prozent und 2026 nun 54,1 Prozent. Gegenüber 2020 entspricht das einem Rückgang um 17,7 Prozentpunkte.
Auch eine separate Untersuchung zu den Innovationsprogrammen größerer Unternehmen weist auf Veränderungen hin. Der Startup- und Innovationsmonitor 2026 von valantic zählt 114 unternehmenseigene Programme und damit 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig gewinnen Programme relativ an Bedeutung, an denen mehrere Unternehmen gemeinsam beteiligt sind. Diese Erhebung betrachtet jedoch einen anderen Ausschnitt des Marktes und ist deshalb nicht direkt mit der Kooperationsquote des Deutschen Startup Monitors vergleichbar.
Für den Deutschen Startup Monitor 2026 wurden zwischen dem 15. Juni und dem 31. August insgesamt 1.803 Datensätze von Gründerinnen, Gründern und Geschäftsführenden deutscher Start-ups erhoben. Als Start-ups gelten dabei Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, innovative Produkte oder Geschäftsmodelle anbieten und ausgeprägte Wachstumsambitionen verfolgen. Ergänzend verwendet die Untersuchung Daten unter anderem von Dealroom und startupdetector.
Das Gesamtbild der Studie fällt dabei keineswegs ausschließlich negativ aus. Bis Ende September waren nach den ausgewerteten Daten bereits acht Milliarden Euro Wagniskapital in deutsche Start-ups geflossen. Zudem meldet der Monitor einen Rekord bei der Zahl der sogenannten Unicorns und eine weiter zunehmende Bedeutung künstlicher Intelligenz. Gerade vor diesem Hintergrund fällt der längerfristige Rückgang der Kooperationen mit der etablierten Wirtschaft besonders auf. Wachstum und technologische Dynamik bei jungen Unternehmen führen demnach nicht automatisch dazu, dass auch die Zusammenarbeit mit bestehenden Unternehmen zunimmt.






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