
Wer derzeit einen PC zusammenstellt, seinen Rechner aufrüsten oder ein neues Notebook kaufen will, muss beim Arbeitsspeicher deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor der aktuellen Speicherknappheit. Eine neue Marktprognose zum Start des vierten Quartals 2026 deutet darauf hin, dass eine schnelle Entspannung nicht bevorsteht. Die Preise für klassische DRAM-Speicherchips sollen zwischen Oktober und Dezember erneut steigen.
Für Verbraucher sind damit nicht nur einzelne RAM-Riegel betroffen. Höhere Speicherpreise können sich auch auf Komplett-PCs, Notebooks und andere Elektronikprodukte auswirken. Besonders deutlich wird der Druck bei DDR5, dem aktuellen Arbeitsspeicherstandard vieler neuer Desktop- und Notebookplattformen.
Das Marktforschungsunternehmen TrendForce erwartet für konventionellen DRAM im vierten Quartal 2026 einen Anstieg der Vertragspreise um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem dritten Quartal. Damit würde sich die seit längerer Zeit angespannte Preisentwicklung fortsetzen, auch wenn sich die Geschwindigkeit der Verteuerung gegenüber früheren Phasen abschwächen kann.
Diese Vertragspreise entsprechen nicht unmittelbar den Preisen, die Verbraucher im deutschen Einzelhandel bezahlen. Sie sind jedoch ein wichtiger Kostenfaktor für Hersteller von Speichermodulen, PCs und Notebooks. Veränderungen auf dieser Ebene können deshalb mit Verzögerung im Handel ankommen.
Die RAM-Preise in Deutschland befinden sich bereits auf einem hohen Niveau. Am 1. Oktober wurde beispielsweise ein 32-GB-Kit aus zwei DDR5-6000-Modulen mit CL30 bei einem deutschen Preisvergleich ab rund 478 Euro geführt. Einzelne Angebote und Modelle können davon deutlich abweichen. Der Preis eines bestimmten Kits eignet sich deshalb nicht als Durchschnittswert für den gesamten Markt.
Hinter der Entwicklung steht vor allem eine Verschiebung innerhalb der weltweiten Speicherindustrie. Die großen Hersteller verkaufen zunehmend Speicher für Server und Rechenzentren. Besonders gefragt sind leistungsfähige Speicherprodukte für KI-Systeme sowie High Bandwidth Memory, kurz HBM.
Diese Produkte konkurrieren teilweise um Produktionskapazitäten und Investitionen mit klassischem Speicher für PCs und andere Verbrauchergeräte. TrendForce beschreibt die Versorgung mit PC-DRAM deshalb als angespannt. Hersteller aus Südkorea und Taiwan hätten Produktionskapazitäten stärker auf Serveranwendungen verlagert.
Auch die Lagerbestände auf Herstellerseite befinden sich nach Angaben der Marktbeobachter auf einem niedrigen Niveau. Gleichzeitig sichern sich PC-Hersteller zusätzliche Mengen, um mögliche Lieferengpässe und weitere Kostensteigerungen abzufedern.
Für Verbraucher entsteht dadurch eine ungewöhnliche Situation: Eine schwächere Nachfrage nach klassischen PCs führt nicht automatisch zu sinkenden Speicherpreisen, weil gleichzeitig das Geschäft mit Rechenzentren große Teile der verfügbaren Kapazitäten bindet.
Besonders spürbar ist die Entwicklung für Nutzer, die ihren Desktop-PC selbst bauen oder aufrüsten. Noch vor einigen Jahren gehörte ein Arbeitsspeicher-Upgrade zu den vergleichsweise günstigen Möglichkeiten, einen Rechner leistungsfähiger auszustatten. Bei heutigen DDR5-Preisen kann der Speicher dagegen einen erheblichen Anteil am Gesamtpreis eines Systems ausmachen.
Wer bereits einen funktionierenden Rechner besitzt, sollte deshalb zunächst prüfen, ob eine Erweiterung tatsächlich notwendig ist. Bei vielen Alltagsanwendungen reichen 16 GB weiterhin aus. Für anspruchsvolles Multitasking, professionelle Anwendungen, virtuelle Maschinen oder bestimmte Spiele können dagegen 32 GB oder mehr sinnvoll sein.
Auch beim Neukauf eines PCs gewinnt die ab Werk eingebaute Speichermenge an Bedeutung. Eine später geplante Erweiterung kann deutlich teurer werden als früher. Gleichzeitig unterscheiden sich die Preise einzelner Taktstufen, Latenzen und Hersteller erheblich.
Der Preisdruck beschränkt sich nicht auf einzeln verkaufte Arbeitsspeichermodule. Hersteller von Computern kaufen DRAM ebenfalls zu den gestiegenen Großhandelspreisen ein. Höhere Komponentenkosten können deshalb in die Kalkulation neuer Geräte einfließen.
Das muss nicht zwingend bedeuten, dass jedes Notebook oder jeder Komplett-PC unmittelbar teurer wird. Hersteller können Kosten teilweise über andere Komponenten, geringere Speicherausstattungen, Rabattaktionen oder ihre Margen ausgleichen. Der Spielraum dafür wird jedoch kleiner, wenn wichtige Komponenten über längere Zeit teuer bleiben.
Für Käufer lohnt sich deshalb stärker als zuvor der Blick auf die konkrete Ausstattung. Zwei ähnlich teure Notebooks können sich beispielsweise bei Arbeitsspeicher und SSD-Kapazität erheblich unterscheiden. Fest verlöteter Speicher erschwert zudem eine spätere Aufrüstung oder macht sie vollständig unmöglich.
Die aktuellen Marktdaten sprechen zum Beginn des vierten Quartals nicht für einen kurzfristigen Preisrückgang. TrendForce erwartet weiterhin eine knappe Versorgung und steigende Vertragspreise. Hinzu kommt die anhaltend hohe Nachfrage nach Speicher für KI-Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur.
Neue Produktionskapazitäten können das Angebot langfristig erhöhen. Der Aufbau neuer Halbleiterfabriken und zusätzlicher Fertigungslinien benötigt jedoch viel Zeit und hohe Investitionen. Kurzfristig bleibt entscheidend, wie die Hersteller ihre vorhandene Kapazität zwischen HBM, Server-Speicher und klassischen Produkten für PCs und andere Geräte verteilen.
Für Verbraucher in Deutschland bedeutet das vorerst vor allem eines: Bei Arbeitsspeicher ist derzeit nicht mit einer raschen Rückkehr zu früheren Niedrigpreisen zu rechnen. Wer einen neuen Rechner benötigt, sollte deshalb stärker den Gesamtpreis des Systems betrachten und unterschiedliche Speicherbestückungen vergleichen, statt allein auf einzelne vermeintliche Schnäppchen zu setzen.






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