Brasilien wählt: Lula und Flávio Bolsonaro prägen enges Rennen

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Symbolbild mit KI erstellt

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Brasilien entscheidet am Sonntag, 4. Oktober 2026, über das Präsidentenamt und zahlreiche weitere politische Ämter. Im Mittelpunkt der Präsidentschaftswahl in Brasilien stehen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva von der Arbeiterpartei PT und Senator Flávio Bolsonaro von der rechtsgerichteten Partido Liberal. Sie liegen in den jüngsten Umfragen deutlich vor den übrigen Bewerbern. Insgesamt treten zwölf Kandidatinnen und Kandidaten für das Präsidentenamt an.

Nach Angaben des Obersten Wahlgerichts TSE sind 158.765.543 Menschen zur Wahl aufgerufen. Die Wahllokale öffnen landesweit um 8 Uhr und schließen um 17 Uhr nach der offiziellen Zeit von Brasília. Erhält niemand im ersten Wahlgang mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, findet am 25. Oktober eine Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten statt.

Lula liegt in mehreren Umfragen knapp vor Bolsonaro

Kurz vor der Abstimmung zeigen die Erhebungen ein enges Rennen. Datafolha ermittelte zwischen dem 29. September und dem 1. Oktober 42 Prozent für Lula und 38 Prozent für Flávio Bolsonaro im ersten Wahlgang. Augusto Cury kam auf vier Prozent, Ronaldo Caiado und Renan Santos jeweils auf drei Prozent. Datafolha befragte 2.506 Menschen, die Fehlertoleranz liegt bei zwei Prozentpunkten.

In einer von Datafolha simulierten Stichwahl erreichte Lula 48 Prozent und Bolsonaro 45 Prozent. Wegen der Fehlertoleranz wertete das Institut dieses Ergebnis als statistisch nicht eindeutigen Abstand. Eine AtlasIntel/Bloomberg-Erhebung von Ende September kam im ersten Wahlgang auf 45,3 Prozent für Lula und 42,2 Prozent für Bolsonaro. In deren Stichwahlszenario lagen Bolsonaro mit 47,7 und Lula mit 47,6 Prozent praktisch gleichauf. Unterschiedliche Institute und Erhebungsmethoden liefern damit leicht unterschiedliche Zahlen, ohne einen eindeutigen Ausgang vorzugeben.

Am Samstag ist zudem eine weitere Datafolha-Erhebung angekündigt. Sie soll nach Angaben des Instituts erst am Abend veröffentlicht werden und lag am Samstagmorgen daher noch nicht vor. Die neue Befragung umfasst nach den angekündigten Angaben 4.006 Personen und ist beim TSE unter der Nummer BR-01708/2026 registriert.

Haushalt und Wirtschaft trennen die Lager

Ein zentraler Unterschied liegt in der Finanzpolitik. Beide führenden Kandidaten versprechen, die Staatsfinanzen zu stabilisieren, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Lulas wirtschaftspolitisches Lager verfolgt einen schrittweisen Konsolidierungskurs und nennt als Ziel einen Primärüberschuss von rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2030. Gleichzeitig sollen soziale Programme geschützt und staatliche Investitionen fortgesetzt werden. Sein beim TSE hinterlegtes Programm nennt unter anderem die geltenden Fiskalregeln, Infrastrukturinvestitionen, Industriepolitik, die Aufwertung des Mindestlohns und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit.

Bolsonaros Berater haben dagegen eine schnellere Haushaltskorrektur im Umfang von rund 1,5 Prozent des BIP innerhalb von 18 Monaten angekündigt. Sein Wahlprogramm nennt eine Reform der Fiskalregeln, Steuersenkungen, Privatisierungen, Verwaltungsreformen und eine Begrenzung staatlicher Ausgaben. Beide Konzepte stehen vor demselben strukturellen Problem: Ein großer Teil des brasilianischen Haushalts ist durch Renten, Sozialleistungen und andere gesetzlich gebundene Ausgaben festgelegt.

Innere Sicherheit gehört zu den wichtigsten Konfliktthemen

Auch bei der Kriminalitätsbekämpfung setzen die Kandidaten unterschiedliche Akzente. Öffentliche Sicherheit gehört in Umfragen und im Wahlkampf zu den besonders wichtigen Themen. Flávio Bolsonaro wirbt für einen härteren Kurs gegen organisierte Kriminalität. Sein offizielles Programm enthält unter anderem strengere Regeln bei schweren Straftaten, Maßnahmen gegen kriminelle Organisationen, stärkere Grenzkontrollen, zusätzliche Investitionen in Sicherheitsbehörden und Gesichtserkennung.

Lulas Programm setzt stärker auf eine größere Rolle der Bundesregierung sowie die Zusammenarbeit zwischen Bundesbehörden und den Bundesstaaten. Vorgesehen sind unter anderem ein eigenes Ministerium für öffentliche Sicherheit, eine stärkere Nutzung von Nachrichtendiensten, Maßnahmen gegen die Finanzstrukturen organisierter Kriminalität sowie eine stärkere Kontrolle von Schusswaffen. Die Regierung hatte zuletzt zudem ihre Zusammenarbeit mit den Behörden in Rio de Janeiro beim Vorgehen gegen organisierte Kriminalität ausgebaut.

Amazonas und Klimapolitik markieren weitere Unterschiede

Internationale Bedeutung besitzt die Wahl auch wegen des Amazonasgebiets. Unter Lula sank die Entwaldung nach offiziellen Daten deutlich gegenüber dem Niveau während der Präsidentschaft seines Vorgängers Jair Bolsonaro. Lulas Wahlprogramm nennt als Ziel eine Netto-Entwaldung von null bis 2030, den Ausbau des Klimafonds, den Emissionshandel und eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien.

Flávio Bolsonaro hat angekündigt, illegale Entwaldung bis 2029 beenden zu wollen. Sein Programm enthält ebenfalls Maßnahmen zu Waldschutz, Bioökonomie, Emissionshandel und Umweltkontrollen, verbindet diese aber stärker mit Eigentumsrechten, wirtschaftlicher Nutzung und landwirtschaftlicher Entwicklung. Bolsonaro hatte im August zugleich erklärt, er glaube nicht an den Klimawandel als solchen, sondern an zyklisch auftretende Extremwetterereignisse.

Wahl entscheidet auch über Einfluss auf zentrale Institutionen

Die Bedeutung der Abstimmung reicht über die unmittelbare Regierungspolitik hinaus. Der nächste Präsident dürfte während seiner Amtszeit über mehrere wichtige Personalentscheidungen beim Obersten Gerichtshof, der Zentralbank und wirtschaftlichen Regulierungsbehörden mitentscheiden. Gleichzeitig werden am Sonntag sämtliche 513 Sitze des Abgeordnetenhauses und zwei Drittel des Senats neu gewählt.

Das Verhältnis zwischen Präsident und Kongress ist dabei besonders relevant. Das Parlament hat in den vergangenen Jahren größeren Einfluss auf Haushaltsmittel und Personalentscheidungen gewonnen. Welche politischen Vorhaben der nächste Präsident tatsächlich umsetzen kann, hängt deshalb auch stark von den Mehrheiten im neu gewählten Kongress ab.

International wird die Abstimmung zudem wegen Brasiliens Gewicht in Südamerika, seiner Rolle im BRICS-Verbund, seiner Bedeutung für den globalen Klimaschutz und seiner Beziehungen zu den USA verfolgt. Lula setzt in seinem Programm auf multilaterale Organisationen, BRICS und engere südamerikanische Zusammenarbeit. Flávio Bolsonaros Programm betont unter anderem Handelsöffnung, internationale Wertschöpfungsketten, nationale Souveränität und einen möglichen OECD-Beitritt.

Damit treffen am 4. Oktober nicht nur zwei bekannte politische Lager aufeinander. Die Wahl betrifft zugleich die künftige Finanzpolitik, den Umgang mit organisierter Kriminalität, den Schutz des Amazonas, Brasiliens internationale Ausrichtung und die Machtverteilung zwischen Präsident, Kongress und wichtigen staatlichen Institutionen. Welche Kandidaten in einen möglichen zweiten Wahlgang einziehen, entscheidet allein das Ergebnis des ersten Wahlgangs am Sonntag.

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