Auto1-Aktie rutscht ab: JPMorgan senkt Erwartungen bis 2028

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Auto1-Aktie ist zum Ende der Handelswoche deutlich unter Druck geraten. Am Freitag, 2. Oktober 2026, fiel das Papier des Berliner Gebrauchtwagenhändlers im Tagesverlauf zeitweise um mehr als acht Prozent auf 15,85 Euro. Damit erreichte die Aktie den niedrigsten Stand seit April. Im Xetra-Handel erholte sich der Kurs anschließend etwas und schloss bei 16,47 Euro. Gegenüber dem Vortag entsprach das einem Minus von 4,8 Prozent.

Auslöser für die Neubewertung am Markt waren neue Einschätzungen vor den Zahlen zum dritten Quartal. Die US-Bank JPMorgan reduzierte ihre Erwartungen an Auto1 und senkte ihre Prognosen für das operative Ergebnis bis 2028. Die Auto1-Aktie unter Druck geriet damit nach einer Phase ohnehin rückläufiger Kurse erneut stärker in den Fokus der Anleger.

JPMorgan senkt EBITDA-Schätzungen um bis zu 16 Prozent

JPMorgan-Analyst Marcus Diebel reduzierte nach jüngsten Signalen des Unternehmens seine Schätzungen für das Absatzvolumen und den Bruttogewinn je verkauftem Fahrzeug im dritten Quartal. Gleichzeitig wurden die Prognosen für das EBITDA bis einschließlich 2028 um bis zu 16 Prozent gesenkt. Die Bank nahm außerdem ihr Kursziel für die Auto1-Aktie von 37 auf 34 Euro zurück. Die Einstufung blieb allerdings bei Overweight.

Die Analystenbewertung fiel damit differenziert aus. JPMorgan rechnet kurzfristig mit schwächeren Kennzahlen als zuvor angenommen, hält die Aktie relativ zu den von der Bank beobachteten Vergleichswerten aber weiterhin für überdurchschnittlich positioniert. Ein Kursziel ist eine Einschätzung eines Analystenhauses und keine Prognose darüber, welchen Wert eine Aktie tatsächlich erreichen wird.

Als Belastungsfaktor führte Diebel unter anderem den auf Wachstum und Skalierung ausgerichteten Ansatz von Auto1 an. Dieser habe kurzfristig offenbar zu einem gedämpften Ankauf von Gebrauchtwagen geführt. Die Entwicklung sei nach dem jüngsten Austausch mit dem Unternehmen deutlicher ausgefallen, als zuvor erwartet worden sei.

Aktie fällt zeitweise auf 15,85 Euro

Der Kurs reagierte am Freitag deutlich. Im Xetra-Handel startete die Aktie bei 17,44 Euro und fiel bis auf ein Tagestief von 15,72 Euro. Der Schlusskurs lag bei 16,47 Euro nach 17,30 Euro am Donnerstag. Rund 1,46 Millionen Aktien wechselten den Besitzer. Das Handelsvolumen lag damit erheblich über dem der unmittelbar vorausgegangenen Handelstage.

Eine Momentaufnahme während des Handelstages zeigte die Aktie bei 15,85 Euro und damit mehr als acht Prozent im Minus. Die zwischenzeitliche Kursbewegung war somit deutlich stärker als das letztlich verbliebene Minus zum Xetra-Schluss. Da Sonntag, der 4. Oktober, kein regulärer Börsenhandelstag ist, bildet der Schlusskurs vom Freitag den jüngsten regulären Xetra-Schlusskurs ab.

Bereits vor dem Freitag war der Kurs zurückgegangen. Am 28. September hatte Auto1 noch bei 18,18 Euro geschlossen, am 30. September bei 17,66 Euro und am 1. Oktober bei 17,30 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs vom 28. September summierte sich der Rückgang damit bis Freitag auf rund 9,4 Prozent.

Auto1 hatte zuletzt deutliches Wachstum gemeldet

Die vorsichtigere JPMorgan-Prognose trifft auf ein Unternehmen, das für das zweite Quartal noch kräftiges Wachstum ausgewiesen hatte. Auto1 verkaufte von April bis Juni 240.298 Fahrzeuge und damit 19,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg um 23,4 Prozent auf rund 2,43 Milliarden Euro. Der Bruttogewinn erhöhte sich um 21,4 Prozent auf 280,7 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 38,4 Prozent auf 58,6 Millionen Euro.

Ende Juli bestätigte der Vorstand zudem seine Prognose für das Gesamtjahr 2026. Auto1 rechnete zu diesem Zeitpunkt mit insgesamt 940.000 bis einer Million verkauften Fahrzeugen, einem Bruttogewinn zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro sowie einem bereinigten EBITDA von 250 bis 275 Millionen Euro.

Auch langfristig hat der Konzern hohe Wachstumsziele formuliert. Beim Kapitalmarkttag im Juni nannte Auto1 für das Merchant-Geschäft einen langfristigen Wachstumskorridor von zehn bis 15 Prozent pro Jahr. Für das Retail-Geschäft mit Autohero sieht das Unternehmen langfristig ein jährliches Absatzwachstum von 20 bis 40 Prozent vor.

Finanzchef hatte Auto1 im September verlassen

Zusätzlich belastet wurde die Wahrnehmung der Aktie zuletzt durch einen Wechsel an der Unternehmensspitze. Finanzvorstand Christian Wallentin legte sein Amt am 9. September nieder. Auto1 gab familiäre Gründe als Anlass an. Wallentin steht dem Unternehmen weiterhin als Senior Advisor zur Verfügung. Bis zur Neubesetzung hat Vorstandschef und Mitgründer Christian Bertermann die Verantwortung für die Finanzorganisation übernommen. Der Aufsichtsrat erklärte im September, die Suche nach einem Nachfolger sei bereits weit fortgeschritten.

JPMorgan verwies im Zusammenhang mit seiner Einschätzung darauf, dass nach dem unerwarteten CFO-Wechsel Zeit nötig sei, um Vertrauen am Kapitalmarkt wieder aufzubauen. Diese Aussage ist die Bewertung des Analystenhauses und keine Feststellung des Unternehmens selbst.

Quartalszahlen dürften nächsten wichtigen Impuls liefern

Der nächste reguläre Prüfstein sind die Zahlen für das dritte Quartal. Auto1 hat die Veröffentlichung des Trading Updates und der Finanzergebnisse für den 4. November 2026 angesetzt. Dann wird sich zeigen, wie sich Absatz, Bruttogewinn je Fahrzeug und Profitabilität tatsächlich im dritten Quartal entwickelt haben.

Bis dahin stehen sich zwei Entwicklungen gegenüber: Auto1 hatte zuletzt steigende Fahrzeugverkäufe und ein deutlich höheres bereinigtes EBITDA gemeldet, während JPMorgan seine kurzfristigen Annahmen und die Ergebnisprognosen bis 2028 nun nach unten angepasst hat. Die Bank hält trotz der Kürzungen an ihrer positiven relativen Einstufung fest.

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