Reiche gibt beim Gas Entwarnung, doch die Speicher bleiben niedrig

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erwartet für Deutschland im kommenden Winter keine Gasmangellage. Trotz der vergleichsweise niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher hält die CDU-Politikerin die Versorgung auch bei einem kalten Winter für gesichert. Gleichzeitig drängt die Bundesregierung auf zusätzliche Einspeicherungen. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage ebenfalls als stabil, während die Speicherbranche für einen außergewöhnlich kalten Winter weiterhin Risiken sieht.

Reiche sagte der Bild am Sonntag, die Versorgung könne auch für einen kalten Winter als gesichert angenommen werden. Zugleich müssten die Speicher weiter befüllt werden, damit auch längere Kälteperioden bewältigt werden könnten. Als zusätzliche Stütze verwies die Ministerin auf die LNG-Importkapazitäten an den deutschen Küsten.

Deutsche Gasspeicher zu 58 Prozent gefüllt

Nach der jüngsten Lagebewertung der Bundesnetzagentur lagen die deutschen Gasspeicher am 2. Oktober bei 58 Prozent. Das entsprach rund 143,5 Terawattstunden Gas. Der Füllstand ist damit deutlich niedriger als in vergleichbaren Zeiträumen der vergangenen Jahre. Die Behörde bewertet die niedrigen Einspeicherungen jedoch derzeit nicht als kritisch für die Versorgungssicherheit.

Zum Vergleich: Nach Daten von Gas Infrastructure Europe lag der deutsche Speicherstand am 2. Oktober 2026 bei rund 58,5 Prozent. Kein anderer 2. Oktober seit Beginn der dort verfügbaren Zeitreihe 2011 wies einen niedrigeren Wert auf. Im Vorjahr waren die Speicher zu diesem Zeitpunkt zu gut 76 Prozent gefüllt.

Auch im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit niedrig. Die EU-Gasspeicher waren im September insgesamt zu rund 68 Prozent gefüllt. Deutschland verfügt allerdings über besonders große Speicherkapazitäten und gehört gemeinsam mit Italien, Frankreich, den Niederlanden und Österreich zu den Ländern, in denen ein großer Teil der europäischen Gasreserven liegt.

Bundesnetzagentur sieht Versorgung derzeit als stabil an

Die Bundesnetzagentur hält einen einzelnen Speicherstand nicht für ausreichend, um die Versorgungssicherheit zu beurteilen. Entscheidend sei das Zusammenspiel aus Pipelineimporten, LNG-Lieferungen, Speichern, vorhandener Infrastruktur und Gasnachfrage.

In der Lagebewertung vom 2. Oktober bezeichnete die Behörde die Gasimporte als stabil. Vom 24. bis 30. September wurden demnach 15,1 Terawattstunden Gas über Pipelines nach Deutschland importiert. Weitere 2,2 Terawattstunden kamen über deutsche LNG-Terminals. Die Bundesnetzagentur erklärte, auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar und Deutschland verfüge über ausreichende Importmöglichkeiten. Die Gefahr einer angespannten Versorgung werde nach aktuellem Stand weiterhin als gering eingeschätzt.

Diese Bewertung deckt sich mit der Einschätzung auf europäischer Ebene. Die Gas Coordination Group der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten bestätigte Ende September trotz niedrigerer Speicherstände eine stabile europäische Gasversorgung. Für besonders geschützte Kunden wie Haushalte und wichtige Einrichtungen gelten zudem europäische Vorgaben zur Absicherung der Versorgung.

Regierung lässt zusätzlich acht Terawattstunden einspeichern

Trotz dieser Einschätzung greift die Bundesregierung inzwischen direkt ein. Das staatliche Energieunternehmen Sefe soll bis zum 15. Dezember zusätzliche acht Terawattstunden Erdgas beschaffen und speichern. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte die Vorgabe in der Regierungspressekonferenz am 30. September. Sefe kann selbst entscheiden, zu welchen Zeitpunkten innerhalb dieses Rahmens Gas gekauft und eingespeichert wird.

Reiche weist die Darstellung zurück, die Anweisung sei ein Zeichen dafür, dass die Lage zuvor unterschätzt worden sei. Sie verweist unter anderem auf den im Vergleich zu früheren Jahren gesunkenen Gasverbrauch und darauf, dass staatliche Vorsorge auch gegen wirtschaftliche Kosten abgewogen werden müsse.

Die Bundesnetzagentur sieht die Verantwortung für die Wintervorsorge grundsätzlich weiterhin bei Gashändlern und Lieferanten. Diese müssen ihre Kundenverpflichtungen mit einer Kombination aus Pipelinegas, LNG und gespeicherten Mengen absichern.

Speicherbranche warnt vor einem extrem kalten Winter

Vorsichtiger fällt die Einschätzung der Initiative Energien Speichern, kurz INES, aus. Der Verband hatte Anfang September darauf hingewiesen, dass die deutschen Speicher mit rund 53 Prozent so niedrig gefüllt waren wie zu diesem Zeitpunkt seit Beginn seiner Aufzeichnungen vor 15 Jahren nicht mehr.

Nach den damaligen Modellrechnungen könnte ein Speicherstand von rund 77 Prozent zum 1. November bei normalen Wintertemperaturen für eine vollständige Versorgung ausreichen. Für einen außergewöhnlich kalten Winter wäre dieser Stand nach dem INES-Szenario dagegen nicht ausreichend. Die Modellierung beschreibt dabei ein Risikoszenario und keine Prognose für den tatsächlichen Winterverlauf.

Auch der Energieversorger VNG hält die deutsche Versorgung grundsätzlich für sicher. Unternehmenschef Ulf Heitmüller verwies Ende September auf ein deutlich breiter aufgestelltes Importportfolio als während der Energiekrise 2022. Neben Pipelinegas aus Norwegen stehen inzwischen zusätzliche Bezugsquellen und größere LNG-Kapazitäten zur Verfügung. Risiken könnten nach seiner Einschätzung insbesondere bei globalen Lieferengpässen, Infrastrukturproblemen oder außergewöhnlich niedrigen Temperaturen entstehen.

Deutschland ist weniger abhängig von einzelnen Lieferwegen

Die Ausgangslage unterscheidet sich deutlich von der Situation im Jahr 2022. Damals war Deutschland stark von russischem Pipelinegas abhängig. Inzwischen kommt ein großer Teil des Pipelinegases aus Norwegen. Der norwegische Netzbetreiber Gassco erklärte Anfang Oktober, die Infrastruktur sei nach Wartungsarbeiten auf eine hohe europäische Winternachfrage vorbereitet. Norwegen deckt inzwischen rund 30 Prozent des Gasbedarfs von EU und Großbritannien.

Zusätzlich verfügt Deutschland über schwimmende LNG-Terminals. Auch andere europäische Staaten haben ihre Importmöglichkeiten für Flüssigerdgas seit 2022 deutlich ausgebaut. Dadurch lässt sich ein niedrigerer Speicherstand teilweise durch laufende Importe kompensieren.

Die EU-Kommission sieht das europäische System deshalb als widerstandsfähiger als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig bleiben die internationalen LNG-Märkte entscheidend. Europa konkurriert dort unter anderem mit asiatischen Käufern um verfügbare Mengen.

Gaspreise bleiben das größere Risiko für Verbraucher

Eine stabile Versorgung bedeutet deshalb nicht automatisch niedrige Preise. Die Bundesnetzagentur weist ausdrücklich darauf hin, dass die internationalen Entwicklungen weiterhin auf die europäischen Großhandelspreise wirken. Ob höhere Einkaufskosten bei Haushalten ankommen, hängt von der Beschaffungsstrategie der Versorger sowie von Laufzeiten und Preisbindungen der jeweiligen Verträge ab.

Die europäischen Großhandelspreise für Gas sind 2026 deutlich gestiegen. Ende September lagen sie nach Reuters-Angaben mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn. Ursache waren unter anderem Einschränkungen auf dem globalen LNG-Markt und geopolitische Spannungen im Nahen Osten.

Für Haushalte bedeutet das: Eine unmittelbare Mangellage ist derzeit nicht absehbar, steigende oder stark schwankende Gaspreise bleiben aber möglich. Die Bundesnetzagentur empfiehlt angesichts des weiterhin erhöhten Preisniveaus weiterhin einen sparsamen Umgang mit Erdgas.

Wie stark die Speicher während des Winters tatsächlich beansprucht werden, hängt vor allem von Temperaturen, Verbrauch und den laufenden Importmengen ab. Bei normalen Bedingungen sehen Bundesregierung und Bundesnetzagentur Deutschland derzeit gut genug aufgestellt. Ein ungewöhnlich kalter Winter oder größere Ausfälle auf internationalen Lieferwegen könnten die Lage jedoch verschärfen. Die kommenden Wochen bleiben deshalb für die weitere Befüllung der deutschen Gasspeicher wichtig.

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