Deutsche Exporte sollen 2026 stärker wachsen als gedacht

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen hat seine Erwartungen für den deutschen Außenhandel im laufenden Jahr angehoben. Der BGA rechnet für 2026 nun mit einem Wachstum der Exporte um 1,0 Prozent. Zuvor hatte der Verband lediglich 0,6 Prozent erwartet. Bei den Importen bleibt die Prognose unverändert bei einem Plus von 3 Prozent. Die Exportprognose des BGA für 2026 fällt damit günstiger aus als noch zu Jahresbeginn, eine nachhaltige Trendwende sieht der Verband jedoch nicht.

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BGA hebt Prognose von 0,6 auf 1,0 Prozent an

Nach Einschätzung des BGA könnten deutsche Unternehmen 2026 Waren im Wert von rund 1,58 Billionen Euro ins Ausland verkaufen. Das entspräche einem nominalen Anstieg um etwa 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die bisherige Prognose hatte lediglich ein Wachstum von 0,6 Prozent vorgesehen. Reuters bestätigte die Anhebung am Mittwoch unter Berufung auf den Verband. Für die Einfuhren hält der BGA dagegen an seiner bisherigen Erwartung fest. Sie sollen 2026 um rund 3 Prozent zulegen. Damit würden die Importe deutlich stärker wachsen als die Exporte.

Aus den Prognosen ergibt sich nach Berechnungen des Verbands für das Gesamtjahr ein erwarteter Exportüberschuss von rund 177 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 hatte der unbereinigte deutsche Außenhandelsüberschuss nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch bei rund 200 Milliarden Euro gelegen. Deutschland exportierte damals Waren im Wert von etwa 1,563 Billionen Euro und importierte Waren für rund 1,363 Billionen Euro.

Starkes erstes Halbjahr verbessert die Ausgangslage

Hinter der angehobenen Prognose steht vor allem die unerwartet robuste Entwicklung im ersten Halbjahr. Nach Angaben des BGA beliefen sich die deutschen Warenausfuhren in den ersten sechs Monaten auf rund 818 Milliarden Euro und lagen damit um etwa 3,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die Importe erreichten demnach rund 712 Milliarden Euro und nahmen um 4,7 Prozent zu. Reuters nennt als wichtigen Faktor eine vergleichsweise kräftige Nachfrage aus europäischen Märkten.

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Das Statistische Bundesamt kommt bei den kalender- und saisonbereinigten Halbjahreswerten methodisch bedingt auf leicht andere Größen. Destatis weist für Januar bis Juni 2026 Exporte von 816,6 Milliarden Euro und Importe von 711,6 Milliarden Euro aus. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 stiegen die bereinigten Ausfuhren um 3,7 Prozent und die Einfuhren um 4,4 Prozent.

Stimmung verbessert sich, aber keine Trendwende

Auch unter den vom BGA befragten Außenhandelsunternehmen hat sich die Stimmung verbessert. Der Außenhandels-Klimaindikator des Verbands stieg von 73 auf 87,3 Punkte. Der Verband wertet dies als Zeichen einer Stabilisierung, sieht darin aber noch keine dauerhafte Wende. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und Belastungen für Unternehmen am Standort Deutschland blieben nach Einschätzung des BGA erheblich.

Hinzu kommt, dass nominal steigende Exportwerte nicht automatisch bedeuten, dass entsprechend mehr Waren verkauft werden. Der BGA hatte bereits bei früheren Außenhandelszahlen darauf hingewiesen, dass Preissteigerungen einen Teil des nominalen Wachstums erklären können. Auch bei der aktuellen Jahresprognose bezeichnet der Verband die verbesserte Entwicklung deshalb ausdrücklich als Stabilisierung und nicht als Rückkehr zu früheren Wachstumsraten.

China bleibt ein zentraler Risikofaktor

Besonders deutlich zeigt sich die schwierige Lage im China-Geschäft. Nach BGA-Angaben gingen die deutschen Exporte nach China im ersten Halbjahr 2026 um 13,5 Prozent zurück. Gleichzeitig erhöhten sich die Importe aus China um 8,8 Prozent. Mehr als die Hälfte der Unternehmen in der aktuellen BGA-Befragung gab dem Verband zufolge an, direkt oder indirekt stark oder sehr stark von China abhängig zu sein.

Der Verband plädiert deshalb für stärker diversifizierte Lieferketten und zusätzliche Absatzmärkte, spricht sich aber gegen eine umfassende wirtschaftliche Abkopplung von China aus. Gleichzeitig fordert er einen besseren Marktzugang für europäische Unternehmen. China war 2025 gemessen am gesamten Warenverkehr wieder Deutschlands wichtigster Handelspartner und lag damit vor den Vereinigten Staaten.

Zölle und schwächeres US-Geschäft belasten den Handel

Auch die Entwicklung des Geschäfts mit den Vereinigten Staaten bleibt nach Einschätzung des BGA unsicher. Die deutschen Exporte in die USA gingen in den ersten sechs Monaten 2026 laut Verband um 6,1 Prozent zurück. Zwar kam es im Juli zu einer deutlichen Gegenbewegung, der BGA sieht darin jedoch noch keine stabile Aufwärtsentwicklung.

Zugleich warnt der Verband vor einer weiteren Ausweitung von Handelsbarrieren. Neue Zölle, Vorgaben für lokale Produktionsanteile und zusätzliche Herkunftsnachweise könnten Importe verteuern und damit auch die Kosten europäischer Unternehmen erhöhen. Der BGA spricht sich zwar für Gegenmaßnahmen bei nachweislich unfairen Wettbewerbsbedingungen aus, warnt jedoch davor, Handelsschutz an die Stelle einer Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit zu setzen.

Nahost-Konflikt bleibt Risiko für Energie und Handelswege

Neben den Handelskonflikten bleiben geopolitische Risiken ein Unsicherheitsfaktor für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Der BGA fasst diese in seiner aktuellen Prognose unter geopolitischen Spannungen zusammen. Im Verlauf des Jahres hatte der Verband insbesondere die Folgen des Iran- und Golfkonflikts für Energiepreise, Transportkosten und zentrale Handelsrouten wie die Straße von Hormus hervorgehoben.

Auch die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute sehen den Konflikt weiterhin als Belastung. In ihrer Herbstdiagnose vom September erklärten sie, dass der dadurch ausgelöste Energiepreisschock die deutsche Konjunktur gebremst habe. Zugleich entwickelten sich Weltwirtschaft und deutsche Exporte im ersten Halbjahr robuster als zunächst angenommen. Die angehobene BGA-Prognose bleibt deshalb eine Erwartung für das Gesamtjahr und keine Aussage darüber, dass das Wachstum bereits erreicht ist.

BGA setzt auf mehr Handelspartner statt Abschottung

Als Konsequenz aus den zunehmenden geopolitischen und handelspolitischen Spannungen fordert der BGA eine stärkere Diversifizierung der deutschen und europäischen Außenwirtschaft. Der Verband bringt unter anderem eine engere Zusammenarbeit der Europäischen Union mit den Mitgliedstaaten des transpazifischen Handelsabkommens CPTPP ins Gespräch. Zu diesem Wirtschaftsraum gehören unter anderem Japan, Kanada, Australien, Großbritannien, Mexiko und Singapur.

Das Ziel besteht aus Sicht des Verbands darin, die Abhängigkeit von einzelnen großen Absatz- und Beschaffungsmärkten zu reduzieren. Die günstigere Exportprognose für 2026 ändert an dieser grundsätzlichen Einschätzung nichts. Mit einem erwarteten Plus von 1 Prozent würde der deutsche Außenhandel zwar besser abschneiden als noch zu Jahresbeginn angenommen, das Wachstum bliebe jedoch vergleichsweise gering und von erheblichen internationalen Risiken abhängig.

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