Autozulieferer OPmobility plant Abbau von rund 770 Stellen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der französische Autozulieferer OPmobility verschärft seinen Sparkurs in Europa. Das früher unter dem Namen Plastic Omnium bekannte Unternehmen hat seine Finanzziele für 2026 gesenkt und Maßnahmen angekündigt, die in Deutschland und Frankreich insgesamt rund 770 Stellen betreffen sollen. Allein in Deutschland geht es um etwa 460 Positionen. Gleichzeitig reagiert der Konzern auf eine schwächere Automobilproduktion, geringere Aktivitäten wichtiger Kunden in Europa und Verzögerungen im Wasserstoffgeschäft. OPmobility senkt Finanzziele damit nur wenige Monate nach der Bestätigung seiner bisherigen Jahresziele deutlich.

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Neue Prognose liegt unter den Ergebnissen von 2025

Für 2026 erwartet OPmobility nun eine operative Marge zwischen 430 und 450 Millionen Euro. Der freie Cashflow soll bei mehr als 220 Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: 2025 hatte der Konzern eine operative Marge von 490 Millionen Euro und einen freien Cashflow von 297 Millionen Euro erzielt. Noch bei der Vorlage der Halbjahreszahlen im Juli hatte OPmobility das Ziel bekräftigt, beide Kennzahlen 2026 gegenüber dem Vorjahr zu verbessern. Dieses Ziel ist damit aufgegeben. An der Absicht, die Nettoverschuldung bis zum Jahresende gegenüber Ende 2025 zu reduzieren, hält das Unternehmen dagegen fest.

Für die geplanten Anpassungen und Restrukturierungen rechnet der Konzern allein 2026 mit Kosten von 120 bis 130 Millionen Euro. OPmobility will damit Produktionskapazitäten stärker an die Nachfrage anpassen, die Auslastung seiner Werke verbessern und seine Forschungsaktivitäten neu ordnen.

Rund 460 Stellen in Deutschland betroffen

Besonders umfangreich fallen die Pläne in Deutschland aus. OPmobility erwägt, die Produktion seines Werks für Karosserieaußenteile in Sterbfritz in Hessen an andere deutsche Standorte zu verlagern. Als Begründung nennt der Konzern industrielle Überkapazitäten und einen deutlichen Rückgang der Automobilproduktion. Zusammen mit weiteren Anpassungen würden die vorgesehenen Maßnahmen nach Unternehmensangaben zu einer Verringerung um rund 460 Stellen in Deutschland führen.

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Die Produktion in Sterbfritz soll demnach nicht einfach durch eine gleich große neue Kapazität ersetzt werden, sondern innerhalb des bestehenden deutschen Produktionsnetzes neu verteilt werden. Die Umsetzung steht zudem unter den jeweils geltenden arbeitsrechtlichen Verfahren und Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern. Eine bereits abgeschlossene Stilllegung des Standorts beschreibt OPmobility in seiner offiziellen Mitteilung nicht.

Auch Standorte in Frankreich sollen angepasst werden

Weitere rund 310 Stellen sind nach den derzeitigen Planungen in Frankreich betroffen. Dort will OPmobility seine Forschungsorganisation an den Standorten Alphatech in Venette im Département Oise und Labège nahe Toulouse verändern. Kompetenzen sollen stärker am Standort Lachelle gebündelt werden. Die beiden Forschungszentren Sigmatech und Lachelle sollen nach Angaben des Konzerns eine zentrale Rolle im französischen Entwicklungsnetz behalten.

Zusätzlich soll die Produktionskapazität im Werk Flers-en-Escrebieux im Norden Frankreichs an das niedrigere Aktivitätsniveau der Kunden angepasst werden. Hintergrund der Veränderungen in der Forschung sind laut OPmobility unter anderem eine geringere Entwicklungstätigkeit der Kunden im Antriebsbereich sowie Verzögerungen auf dem Markt für Wasserstoffmobilität. Mehrere Wasserstoffprojekte in Europa und den USA seien gestrichen worden.

Schwächere Autonachfrage trifft europäisches Geschäft

OPmobility begründet die niedrigeren Ziele mit einer stärkeren Verschlechterung des Marktumfelds als bislang angenommen. Prognosen für die weltweite Fahrzeugproduktion seien nach unten korrigiert worden, besonders für China. Gleichzeitig passten mehrere Kunden ihre Produktion vor allem in Europa weiter an. Hinzu kommen laut Konzern weiterhin erhöhte Kosten und Schwankungen bei Preisen für Rohstoffe und bestimmte Komponenten.

Europa ist für OPmobility besonders relevant. Die Region steht nach Angaben des Unternehmens für nahezu die Hälfte des Umsatzes. Gleichzeitig baut der Konzern Kapazitäten vor allem in Nordamerika und Asien aus. 2025 erreichte OPmobility einen wirtschaftlichen Umsatz von rund 11,5 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit rund 38.100 Menschen an 152 Produktionsstandorten und 40 Forschungszentren.

Aktie schloss vor Veröffentlichung der neuen Ziele im Plus

Eine unmittelbare Reaktion der Pariser Börse auf die Prognosesenkung ließ sich am Mittwochabend noch nicht aus dem regulären Handel ablesen. Nach den historischen Kursdaten von Investing.com schloss die OPmobility-Aktie am 7. Oktober bei 12,44 Euro und damit 1,72 Prozent über dem Vortagesschluss. Im Tagesverlauf hatte sie bis zu 12,95 Euro erreicht.

Entscheidend für die zeitliche Einordnung ist der Veröffentlichungszeitpunkt. OPmobility stellte die neue Prognose um 17.45 Uhr Pariser Zeit bereit. Die reguläre Schlussauktion für Euronext-Aktien findet bereits um 17.35 Uhr statt. Der Kursanstieg vom Mittwoch kann deshalb nicht als Reaktion auf den Stellenabbau und die gesenkten Finanzziele gewertet werden. Eine reguläre Börsenreaktion auf die Nachricht ist erst mit dem nächsten Handelstag erkennbar.

Zuliefererbranche baut seit Jahren Stellen ab

Die Maßnahmen bei OPmobility reihen sich in einen länger anhaltenden Umbau der europäischen Autozulieferindustrie ein. Nach Angaben des europäischen Zulieferverbands CLEPA kündigten Unternehmen der Branche allein im ersten Halbjahr 2026 rund 18.900 Stellenstreichungen an. Gleichzeitig wurden deutlich weniger neue Arbeitsplätze angekündigt. In einer Verbandsumfrage vom Frühjahr rechneten 24 Prozent der teilnehmenden Zulieferer für 2026 mit einer negativen Profitabilität.

Auch große Wettbewerber haben umfangreiche Sparprogramme aufgelegt. Bosch plant nach Reuters-Angaben den Abbau von bis zu 13.000 Stellen in seiner Autosparte bis zum Ende des Jahrzehnts. Forvia will im Rahmen seines europäischen Restrukturierungsprogramms bis 2028 insgesamt 10.000 Stellen abbauen. Die Unternehmen reagieren unter anderem auf schwache Produktionsvolumen, hohe Kosten, den technologischen Umbau der Fahrzeugindustrie und den zunehmenden Wettbewerb durch chinesische Hersteller.

Für OPmobility bedeutet die neue Planung damit eine deutliche Verschiebung der Prioritäten. Während in Teilen Europas Kapazitäten reduziert werden sollen, will das Unternehmen seine Investitionen stärker auf Regionen und Geschäftsfelder mit höheren Wachstumsaussichten konzentrieren. Dazu zählen vor allem Nordamerika und Asien. Gleichzeitig hält der Konzern an seiner internationalen Expansion fest und hatte erst Ende September eine Vereinbarung zur Übernahme des Beleuchtungsgeschäfts von Hyundai Mobis geschlossen.

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