United Internet baut Konzern um: Rund 800 Stellen sollen wegfallen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Internetkonzern United Internet treibt den Umbau seiner Tochterunternehmen 1&1 und Ionos voran. Insgesamt sollen rund 800 Arbeitsplätze wegfallen. Während bei der Geschäftskundentochter 1&1 Versatel die Organisation verschlankt werden soll, plant Ionos Veränderungen an seinen internationalen Strukturen und einen stärkeren Einsatz künstlicher Intelligenz. Die Personalmaßnahmen wurden bereits im September angekündigt. Anfang Oktober folgte eine Kapitalmaßnahme bei 1&1 im Umfang von rund 850 Millionen Euro, zu der am 8. Oktober eine weitere Pflichtmitteilung veröffentlicht wurde. Zugleich wächst bei Beschäftigten der internationalen Ionos-Gruppe die Sorge über die Auswirkungen des Stellenabbaus.

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United Internet bringt Forderung über 850 Millionen Euro bei 1&1 ein

Eine aktuelle Veränderung betrifft die Finanzierung der 1&1 AG. Am 5. Oktober beschloss das Unternehmen mit Zustimmung seines Aufsichtsrats eine Kapitalerhöhung um 20 Prozent. United Internet beteiligt sich daran, indem der Konzern eine Darlehensforderung gegen 1&1 Versatel im Wert von rund 850,2 Millionen Euro einbringt. Im Gegenzug erhält United Internet insgesamt 35.352.929 neue Aktien zu einem rechnerischen Ausgabepreis von jeweils 24,05 Euro.

Das Geschäft wurde am 8. Oktober in einer weiteren Kapitalmarktmitteilung bekannt gemacht. Durch die Transaktion soll der Anteil von United Internet an 1&1 auf rund 89,32 Prozent steigen. Neues Bargeld fließt dabei nicht an das Unternehmen. Stattdessen wird die konzerninterne Finanzierungsstruktur verändert und die Eigenkapitalbasis von 1&1 gestärkt.

Bei 1&1 Versatel sollen rund 350 Stellen entfallen

Der Stellenabbau bei United Internet betrifft unter anderem die Geschäftskundentochter 1&1 Versatel. Das Unternehmen betreibt Telekommunikationsinfrastruktur und bietet Firmenkunden unter anderem Glasfaseranschlüsse sowie Daten- und Kommunikationsdienste an.

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Nach den im September beschlossenen Plänen soll die Zahl der Vollzeitkräfte von etwa 1.350 auf rund 1.000 sinken. Damit würden rechnerisch ungefähr 350 Stellen wegfallen. Gleichzeitig will das Unternehmen Führungsstrukturen vereinfachen, Hierarchieebenen reduzieren und interne Abläufe effizienter gestalten.

Die Personalmaßnahmen sollen möglichst sozialverträglich erfolgen. Neben bereits bestehenden Altersteilzeitvereinbarungen sind Gespräche über ein Freiwilligenprogramm vorgesehen. Wie viele Beschäftigte solche Angebote annehmen werden, ist bislang nicht bekannt. Auch ein verbindlicher Abschlusszeitpunkt für den gesamten Personalumbau wurde in der Ankündigung nicht genannt.

Ionos plant Abbau von weiteren 450 Arbeitsplätzen

Auch die international tätige Ionos Group soll deutlich kleiner werden. Das Unternehmen bietet unter anderem Webhosting, Domains, Cloudinfrastruktur und digitale Dienstleistungen an. Seine Kunden befinden sich in Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern.

Ionos will die Zahl seiner Vollzeitkräfte von rund 3.800 auf etwa 3.350 reduzieren. Das entspricht einem geplanten Abbau von ungefähr 450 Stellen. Etwa die Hälfte davon soll auf Deutschland entfallen, die andere Hälfte auf internationale Standorte.

Parallel dazu sollen technische Plattformen zusammengeführt und interne Prozesse vereinheitlicht werden. Einen besonderen Schwerpunkt legt Ionos auf den Einsatz künstlicher Intelligenz in betrieblichen Abläufen.

Die Personalanpassungen sollen überwiegend auf freiwilliger Basis erfolgen. Welche einzelnen Standorte oder Abteilungen betroffen sein werden, ist damit noch nicht abschließend geklärt.

Beschäftigtenvertretung in Spanien fordert Klarheit

Die internationalen Auswirkungen der Ionos-Pläne beschäftigen inzwischen auch Arbeitnehmervertretungen außerhalb Deutschlands. Bei der spanischen Konzerntochter Arsys in Logroño wurde für den 7. Oktober eine Protestaktion angekündigt.

Nach Angaben des regionalen Nachrichtenportals NueveCuatroUno hatte die Beschäftigtenvertretung zu einer Kundgebung vor dem Unternehmenssitz aufgerufen. Unterstützt wurde die Mobilisierung von der Gewerkschaft CCOO. Die Vertreter der Beschäftigten kritisieren insbesondere die fehlende Klarheit über mögliche Auswirkungen auf die spanischen Arbeitsplätze.

Ionos hatte angekündigt, dass ungefähr 225 Stellen außerhalb Deutschlands entfallen sollen. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, wie viele Arbeitsplätze bei Arsys konkret betroffen sein könnten.

Nach Darstellung der Beschäftigtenvertretung gab es bereits Gespräche mit der Personalabteilung. Konkrete Angaben zu betroffenen Bereichen und zur Verteilung der geplanten Einschnitte fehlten zunächst.

Restrukturierung kostet den Konzern 95 Millionen Euro

Der geplante Personalabbau verursacht zunächst zusätzliche Kosten. Für die beiden Restrukturierungsprogramme kalkuliert United Internet mit einmaligen Aufwendungen von insgesamt rund 95 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2026.

Davon entfallen etwa 60 Millionen Euro auf 1&1 und rund 35 Millionen Euro auf Ionos. Die Aufwendungen entstehen insbesondere durch geplante Personalmaßnahmen und weitere Kosten der organisatorischen Neuaufstellung.

Bei 1&1 wurde deshalb die Prognose für das ausgewiesene operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kurz EBITDA, auf ungefähr 740 Millionen Euro angepasst. Ohne die einmaligen Restrukturierungskosten erwartet das Unternehmen weiterhin rund 800 Millionen Euro.

Ionos hält an seiner Prognose für ein bereinigtes EBITDA von 530 Millionen Euro fest. Die dortigen Restrukturierungskosten sollen überwiegend im vierten Quartal 2026 anfallen.

Einsparungen sollen in Cloudgeschäft und KI fließen

Mittelfristig rechnet United Internet mit deutlichen finanziellen Verbesserungen durch den Umbau. Insgesamt erwartet der Konzern nach Umsetzung der Programme jährliche Einsparungen von ungefähr 55 Millionen Euro.

Bei Ionos sollen bereits ab 2027 Einsparungen von bis zu 30 Millionen Euro pro Jahr möglich werden. Wie hoch sie tatsächlich ausfallen, hängt unter anderem davon ab, wie viele Beschäftigte die geplanten Freiwilligenprogramme nutzen.

Für 1&1 erwartet der Konzern nach vollständiger Umsetzung ab 2028 einen jährlichen positiven Ergebnisbeitrag von rund 25 Millionen Euro.

Die zusätzlichen finanziellen Mittel sollen für die weitere Unternehmensentwicklung eingesetzt werden. Ionos nennt insbesondere Investitionen in neue Anwendungen mit künstlicher Intelligenz und den Ausbau seiner Cloudangebote. Der Konzern verbindet den Personalumbau damit ausdrücklich mit einer stärkeren Ausrichtung auf künftige Geschäftsfelder.

Konzernprognose bleibt trotz Umbaukosten bestehen

Auf Konzernebene hält United Internet an seiner operativen Prognose für 2026 fest. Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA soll weiterhin bei ungefähr 1,45 Milliarden Euro liegen. Für den Jahresumsatz erwartet das Unternehmen rund 6,25 Milliarden Euro. Diese Umsatzangabe hatte United Internet am 11. September in einer berichtigten Kapitalmarktmitteilung klargestellt.

Auch die erwarteten zahlungswirksamen Investitionen von 600 bis 650 Millionen Euro bleiben unverändert.

Für die Beschäftigten sind dagegen wesentliche Einzelheiten der Umstrukturierung weiterhin offen. Dazu gehören die konkrete Verteilung des Stellenabbaus auf Abteilungen und Standorte sowie die Ausgestaltung der freiwilligen Programme.

Fest steht bislang die angestrebte Verringerung der Personalstärke um insgesamt rund 800 Vollzeitstellen. Wie viele Arbeitsverhältnisse tatsächlich beendet werden und in welchem Zeitraum die einzelnen Maßnahmen abgeschlossen sein sollen, lässt sich aus den bisherigen Unternehmensangaben noch nicht abschließend bestimmen.

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