thyssenkrupp nach kräftigem Kursanstieg wieder unter Druck

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die thyssenkrupp-Aktie hat seit dem Frühjahr 2026 zeitweise erheblich an Wert gewonnen. Zuletzt geriet der Kurs allerdings unter Druck. Während der Industriekonzern seine Aufspaltung vorantreibt und für das Stahlgeschäft höhere Gewinne anstrebt, stehen wichtige Entscheidungen noch aus. Besonders die geplante Börsennotierung des Werkstoffhandels und die veränderten Handelsbedingungen in Europa prägen die Entwicklung.

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thyssenkrupp-Aktie verliert nach starker Erholung an Wert

An der Börse ist die Entwicklung von thyssenkrupp derzeit von deutlichen Kursschwankungen geprägt. Nach historischen Xetra-Daten von Yahoo Finance lag die Aktie am 31. März 2026 zum Handelsschluss bei 7,41 Euro. Am 25. September erreichte sie laut den historischen Kursdaten von finanzen.net einen Xetra-Schlusskurs von 15,36 Euro. Innerhalb dieses Zeitraums hatte sich der Kurs damit mehr als verdoppelt.

Anschließend folgten spürbare Verluste. Am Donnerstag, 8. Oktober 2026, schloss die Aktie im Xetra-Handel bei 12,84 Euro, wie die Kursübersichten von onvista und finanzen.net ausweisen. Gegenüber dem Vortag mit 13,42 Euro entspricht das einem Rückgang von rund 4,3 Prozent. Damit lag die Aktie deutlich unter ihrem Niveau von Ende September.

Börsenabspaltung von tk accelis rückt näher

Ein wichtiger Bestandteil der Neuausrichtung ist die geplante Verselbstständigung des Werkstoffhandels. Die bisherige Sparte Materials Services tritt inzwischen unter dem Namen tk accelis auf. Das Unternehmen verbindet den Handel mit Stahl und anderen Werkstoffen mit Dienstleistungen rund um Verarbeitung, Logistik und Lieferketten.

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Die Aktionäre von thyssenkrupp stimmten am 7. August 2026 der Abspaltung zu. Vorgesehen ist, 49 Prozent der Anteile auf die bisherigen Aktionäre zu übertragen. Für jeweils 20 thyssenkrupp-Aktien sollen sie eine Aktie von tk accelis erhalten. Der Mutterkonzern behält mit 51 Prozent die Mehrheit.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters vom 5. Oktober strebt thyssenkrupp für die Börsennotierung den 28. Oktober 2026 an. Reuters berief sich dabei auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das Unternehmen bestätigte diesen konkreten Termin nicht und verwies auf die geplante Notierung bis Ende 2026.

Stahlgeschäft soll deutlich profitabler werden

Auch die Entwicklung von thyssenkrupp Steel Europe steht im Mittelpunkt der Konzernstrategie. Am 28. September stellte das Unternehmen auf einem Kapitalmarkttag neue mittelfristige Finanzziele vor.

Der Stahlhersteller strebt ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von mindestens 1,2 Milliarden Euro an. Die entsprechende Gewinnmarge soll mindestens elf Prozent erreichen. Zusätzlich ist ein positiver freier Cashflow vorgesehen.

Ein wesentlicher Teil der Verbesserungen soll aus eigenen Restrukturierungsmaßnahmen kommen. Das Unternehmen erwartet daraus einen Ergebnisbeitrag von mehr als 800 Millionen Euro.

Die Umstrukturierung hat zugleich erhebliche Folgen für die Beschäftigten. Von der vorgesehenen Reduzierung um rund 11.000 Stellen waren nach Unternehmensangaben vom 28. September bereits etwa 4.000 umgesetzt. Die weiteren Veränderungen bleiben Bestandteil des laufenden Sanierungsprogramms.

Neue EU-Regeln verändern den europäischen Stahlmarkt

Neben dem Konzernumbau beeinflusst die europäische Handelspolitik die Perspektiven der Stahlindustrie. Seit dem 1. Juli 2026 gelten neue Schutzmaßnahmen gegen die Folgen weltweiter Überkapazitäten.

Die Europäische Union begrenzt die zollfreien Einfuhren bestimmter Stahlprodukte auf insgesamt rund 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Werden die festgelegten Kontingente überschritten, greift grundsätzlich ein Zollsatz von 50 Prozent. Die Regelungen sollen europäischen Herstellern gegenüber übermäßiger Importkonkurrenz helfen.

thyssenkrupp Steel bezeichnete die veränderten Handelsbedingungen Ende September als Unterstützung für die eigene Geschäftsentwicklung. Der Konzern sieht darin die Möglichkeit für stabilere Preise und eine bessere Ertragslage.

Allerdings bleiben die internationalen Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Die Stahlbranche ist von Energiepreisen, Rohstoffkosten, industrieller Nachfrage und weltweiten Produktionskapazitäten abhängig. Höhere Handelsschranken allein sichern deshalb noch keine dauerhaft steigenden Gewinne.

Gespräche mit Jindal bleiben ausgesetzt

Die Eigenständigkeit der Stahlsparte ist weiterhin ein strategisches Ziel von thyssenkrupp. Ein möglicher Einstieg eines externen Partners war zuletzt jedoch nicht weiterverfolgt worden.

Am 2. Mai 2026 erklärte thyssenkrupp, dass die Gespräche mit Jindal International Steel über eine Beteiligung an Steel Europe im gegenseitigen Einvernehmen ausgesetzt worden seien. Als Hintergrund nannte der Konzern veränderte wirtschaftliche und regulatorische Voraussetzungen sowie Fortschritte bei der eigenen Restrukturierung.

Damit ist die künftige Eigentümerstruktur des Stahlgeschäfts noch nicht abschließend festgelegt. Nach den Angaben vom September bleibt die Verselbstständigung von Steel Europe das erklärte Ziel. Für thyssenkrupp selbst kommt dabei auch eine künftige Minderheitsbeteiligung infrage. Einen verbindlichen Zeitplan für diesen Schritt legte das Unternehmen nicht vor.

Quartalszahlen zeigen Fortschritte und verbleibende Belastungen

Bei der operativen Geschäftsentwicklung hatte thyssenkrupp zuletzt Verbesserungen gemeldet. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 8,8 Milliarden Euro.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern erhöhte sich von 155 Millionen auf 183 Millionen Euro. Verbesserungen verzeichneten insbesondere das Stahlgeschäft, der Werkstoffhandel und die Marinesparte.

Dennoch erwartet thyssenkrupp für das gesamte Geschäftsjahr weiterhin einen Konzernverlust. Nach der im August präzisierten Prognose soll der Jahresüberschuss zwischen minus 700 und minus 400 Millionen Euro liegen. Das bereinigte operative Ergebnis wird zwischen 600 und 900 Millionen Euro erwartet.

Die unterschiedlichen Kennzahlen verdeutlichen, dass Verbesserungen im laufenden Geschäft noch nicht automatisch zu einem positiven Jahresergebnis führen.

Konzernumbau reicht über die Stahlindustrie hinaus

thyssenkrupp will sich langfristig zu einer Finanzholding mit eigenständigen Beteiligungsunternehmen entwickeln. Ein wesentlicher Schritt erfolgte bereits im Oktober 2025 mit der Börsennotierung der Marinesparte TKMS. An dem inzwischen eigenständig börsennotierten Unternehmen hält thyssenkrupp weiterhin 51 Prozent.

Auch außerhalb des Stahlgeschäfts werden die Aktivitäten angepasst. Am 8. Oktober 2026 eröffnete thyssenkrupp Automotive Technology ein neues Entwicklungszentrum im indischen Pune. Dort arbeiten nach Unternehmensangaben bereits mehr als 120 Ingenieurinnen und Ingenieure an Fahrwerksystemen sowie Software- und Hardwarelösungen. Das Team soll in den kommenden Jahren auf mehr als 300 Beschäftigte wachsen.

Die geplanten Abspaltungen verändern zugleich die Bedeutung des Aktienkurses. Werden Konzernteile ausgegliedert und deren Aktien an bisherige Anteilseigner übertragen, muss die Wertentwicklung unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Beteiligungen betrachtet werden. Ein Vergleich des Aktienkurses allein bildet dann nicht zwangsläufig die gesamte Entwicklung des Aktionärsvermögens ab.

Weitere Entwicklung hängt von der Umsetzung der Konzernpläne ab

Für die kommenden Monate stehen bei thyssenkrupp mehrere wichtige Schritte an. Dazu gehören die geplante Börsennotierung von tk accelis, die Umsetzung des Sanierungsprogramms bei Steel Europe und die weitere Verbesserung der operativen Ergebnisse.

Am 8. Dezember 2026 will der Konzern seinen Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025/2026 veröffentlichen. Dann dürften auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der laufenden Veränderungen deutlicher werden.

Die jüngsten Kursverluste zeigen, dass die kräftige Erholung der thyssenkrupp-Aktie nicht ohne Rückschläge verläuft. Während die Neuordnung der Geschäftsbereiche voranschreitet, bleiben die wirtschaftlichen Folgen der Restrukturierung und die künftige Profitabilität des Stahlgeschäfts entscheidende Faktoren für die Bewertung des Konzerns.

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