
Washington. US-Präsident Donald Trump hat nach einem Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin umfangreiche Diesellieferungen aus Russland angekündigt. Mehr als 300.000 Tonnen sollen kurzfristig für den amerikanischen und internationalen Markt bereitgestellt werden. Weitere Lieferungen sind für November und die darauffolgende Zeit vorgesehen. Gleichzeitig hat das US-Finanzministerium eine befristete Ausnahme von bestehenden Russland-Sanktionen beschlossen. Der Schritt soll die hohen Dieselpreise senken, stößt aber wegen des anhaltenden Krieges in der Ukraine auf Kritik.
Die Ankündigung veröffentlichte Trump am Freitag, 9. Oktober 2026, auf seiner Plattform Truth Social. Nach seinen Angaben verständigten sich die beiden Präsidenten darauf, kurzfristig mehr als 300.000 Tonnen Dieselkraftstoff auf den amerikanischen und weltweiten Markt zu bringen.
Im November sollen weitere 500.000 Tonnen folgen. Anschließend ist die Bereitstellung von einer Million Tonnen vorgesehen. Darüber hinaus stellte Trump zusätzliche drei Millionen Tonnen in Aussicht, deren Verfügbarkeit vom Zustand der russischen Raffinerien abhänge. Insgesamt geht es damit um ein angekündigtes Volumen von rund 4,8 Millionen Tonnen.
Konkrete Einzelheiten zu den Lieferverträgen, den beteiligten Unternehmen und den vereinbarten Preisen wurden zunächst nicht veröffentlicht. Auch blieb offen, welcher Anteil tatsächlich in die Vereinigten Staaten gelangen und welche Mengen an andere Abnehmer verkauft werden sollen.
Russlands Sondergesandter Kirill Dmitrijew begrüßte die Zusammenarbeit beider Länder im Energiebereich. Auch aus Moskau gab es eine Bestätigung der grundsätzlichen Lieferbereitschaft. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP erklärte Putin, Russland sei bereit, Öl und Ölprodukte für den amerikanischen und internationalen Markt bereitzustellen.
Die Ankündigung hat unmittelbare Folgen für die amerikanische Sanktionspolitik. Das Office of Foreign Assets Control, die für Finanzsanktionen zuständige Behörde des US-Finanzministeriums, veröffentlichte am Freitag die Generallizenz 135.
Diese erlaubt bestimmte Geschäfte im Zusammenhang mit dem Verkauf, der Lieferung, der Entladung und der Einfuhr von Diesel aus Russland. Ausdrücklich eingeschlossen sind Importe in die Vereinigten Staaten. Die Genehmigung gilt bis zum 7. April 2027.
Die Ausnahme betrifft Transaktionen, die ansonsten aufgrund bestimmter amerikanischer Russland-Sanktionen untersagt wären. Sie bedeutet keine vollständige Aufhebung der Sanktionen gegen Moskau. So bleiben bestimmte Geschäfte mit Konten der russischen Zentralbank, des Nationalen Wohlstandsfonds und des russischen Finanzministeriums ausdrücklich ausgeschlossen.
Damit schafft Washington allerdings eine rechtliche Grundlage für den Handel mit russischem Diesel, der durch die bisherigen Beschränkungen erheblich erschwert war. Die Entscheidung folgt auf eine Phase verschärften amerikanischen Drucks gegen Russlands Energieunternehmen und Finanzsektor.
Die Annäherung im Energiehandel ist politisch besonders umstritten. Russland führt seit Februar 2022 einen groß angelegten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Partner hatten darauf unter anderem mit Sanktionen gegen den russischen Energiesektor reagiert.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisierte die angekündigte Vereinbarung scharf. Nach seiner Darstellung würden zusätzliche Einnahmen aus russischen Energieexporten Moskau ermöglichen, den Krieg länger fortzuführen. Er bezeichnete den Schritt als Zugeständnis an Putin.
Auch in den Vereinigten Staaten kam Kritik auf. Der demokratische Kongressabgeordnete Don Beyer wandte sich gegen die Entscheidung, den Handel mit russischen fossilen Energieträgern wieder zu erleichtern. Er verwies auf die bisherige amerikanische Sanktionspolitik.
Erst im September hatte Trump ein Gesetz unterzeichnet, das zusätzliche wirtschaftliche Beschränkungen gegen Russland vorsieht. Die neue Ausnahmegenehmigung für Diesel steht damit im Spannungsverhältnis zur bisherigen Strategie, Russlands Einnahmen aus Energieexporten zu begrenzen.
Hinter der Entscheidung steht eine angespannte Lage auf dem internationalen Kraftstoffmarkt. Diesel ist insbesondere für den Güterverkehr, die Landwirtschaft und Teile der Industrie von großer Bedeutung. Steigende Preise erhöhen deshalb nicht nur die unmittelbaren Transportkosten, sondern können sich auch auf zahlreiche Warenpreise auswirken.
Nach Angaben des amerikanischen Automobilclubs AAA kostete eine Gallone Diesel in den Vereinigten Staaten am Donnerstag durchschnittlich 6,28 Dollar. Das entspricht rund 3,79 Litern. Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran sind die amerikanischen Dieselpreise nach Berechnungen von Reuters um etwa 70 Prozent gestiegen.
Der Konflikt im Nahen Osten belastet die internationalen Energiehandelswege. Gleichzeitig haben Angriffe auf russische Raffinerien und Einschränkungen der dortigen Kraftstoffproduktion das Angebot zusätzlich beeinflusst.
Trump hatte bereits zuvor Maßnahmen zur Entlastung des Kraftstoffmarktes angekündigt. Dazu gehörten Bemühungen um die Freigabe strategischer Ölreserven und Erleichterungen bei der Verwendung bestimmter Dieselsorten. Eine deutliche Entspannung der Verbraucherpreise war dadurch zunächst nicht erreicht worden.
An den Rohstoffmärkten zeigte sich nach Trumps Erklärung eine unmittelbare Reaktion. Der Preis für amerikanische Diesel-Futures ging zeitweise um rund 4,5 Prozent auf etwa 4,67 Dollar je Gallone zurück. Dabei handelt es sich um einen Börsenpreis und nicht um den durchschnittlichen Verkaufspreis an Tankstellen.
Ob die angekündigten zusätzlichen Mengen die Versorgung dauerhaft verbessern, hängt von ihrer tatsächlichen Verfügbarkeit ab. Entscheidend sind dabei die Produktionskapazitäten der russischen Raffinerien, mögliche Transportbeschränkungen und die Nachfrage anderer Abnehmer.
Unklar blieb zunächst, wann die ersten Lieferungen ihre Bestimmungsorte erreichen sollen. Auch eine unabhängige Bestätigung dafür, dass die angekündigten Mengen bereits vollständig für den Export bereitstehen, lag zunächst nicht vor.
Für Europa hat die amerikanische Entscheidung eine andere Bedeutung als für die Vereinigten Staaten. Die Europäische Union hatte bereits 2022 ein weitreichendes Einfuhrverbot für russisches Erdöl und raffinierte Ölprodukte beschlossen. Die Beschränkungen für raffinierte Erdölprodukte gelten seit dem 5. Februar 2023.
Die neue amerikanische Generallizenz hebt diese europäischen Verbote nicht auf. Unternehmen innerhalb der EU bleiben an die geltenden europäischen Sanktionsvorschriften gebunden. Ungeachtet dessen kann zusätzliches russisches Dieselangebot auf dem internationalen Markt Auswirkungen auf die weltweiten Handelsströme und Großhandelspreise haben.
Für die Vereinigten Staaten steht dagegen die unmittelbare Entlastung der Kraftstoffversorgung im Vordergrund. Am 3. November finden dort die Kongresswahlen statt. Die hohen Energiepreise sind dabei auch ein innenpolitisches Thema.
Mit der Vereinbarung zwischen Trump und Putin verbindet sich deshalb eine wirtschaftliche und außenpolitische Veränderung: Washington ermöglicht vorübergehend zusätzliche Geschäfte mit russischem Diesel, obwohl die amerikanische Regierung gleichzeitig andere Sanktionen gegen Russland aufrechterhält. Wie groß die tatsächlichen Liefermengen ausfallen und welche Wirkung sie auf die Verbraucherpreise entfalten, war am Freitag noch offen.
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