Pfand auf Gurken, Senf und Konserven: Das soll sich im Supermarkt ändern

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Gewürzgurken, Senf, eingelegtes Gemüse und Obstkonserven werden in Deutschland überwiegend in Einweggläsern verkauft. Nach dem Verbrauch landen die Verpackungen gewöhnlich im Altglascontainer. Mehrere große Lebensmittelhersteller wollen dieses Prinzip verändern. Statt neue Gläser für jede Abfüllung zu verwenden, sollen künftig standardisierte Mehrwegverpackungen eingesetzt werden, die Kunden gegen Pfand zurückgeben können.

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Die Herstellerallianz „Glas kann mehrWeg“ zählt nach eigenen Angaben inzwischen 26 Hersteller und Marken. Organisiert wird das Vorhaben vom Berliner Unternehmen Dotch, das bereits Mehrwegflaschen für Speiseöle betreut. Für Konservengläser ist eine Einführung noch im Jahr 2026 vorgesehen. Wann die neuen Verpackungen in welchen Supermärkten erhältlich sein werden, steht allerdings noch nicht flächendeckend fest.

Diese Lebensmittelhersteller beteiligen sich am Mehrwegsystem

Zu den Unternehmen, die sich der Initiative angeschlossen haben, gehören bekannte Produzenten wie Carl Kühne, Develey, Feinkost Dittmann, Andros und Werder Feinkost. Auch Alfred Paulsen, Marschland und Bauck Mühle zählen zu den Unterstützern aus dem Bereich der verarbeiteten Lebensmittel.

Weitere Beteiligte kommen aus der Produktion von Speiseölen, Essig und Sirup. Dazu gehören unter anderem Bio Planète, die Allgäuer Ölmühle, die Teutoburger Ölmühle, Brändle, Brökelmann und Monin.

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Bei der Vorstellung der Allianz Anfang Juni 2026 war zunächst von 24 Herstellern und Marken die Rede. Inzwischen nennt die Initiative 26 Beteiligte. Ziel des Zusammenschlusses ist ein gemeinsames Verpackungssystem, das mehrere Unternehmen nutzen können, anstatt jeweils eigene Rücknahmeverfahren aufzubauen.

Die Teilnahme bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Produkte dieser Unternehmen künftig ausschließlich in Mehrweggläsern verkauft werden. Welche Sorten und Verpackungsgrößen tatsächlich umgestellt werden, hängt von der Einführung des Systems und den Vereinbarungen mit dem Einzelhandel ab.

Mehrweggläser für Gurken und Konserven sollen 2026 kommen

Für Lebensmittelkonserven hat Dotch eine eigene Serie standardisierter Schraubgläser entwickelt. Vorgesehen sind drei Größen mit 375, 580 und 720 Millilitern. Die Behälter sollen für unterschiedliche süße und saure Konserven geeignet sein.

Damit kommen beispielsweise Produkte wie eingelegtes Gemüse, Gurken, Saucen und Obstzubereitungen infrage. Auch Rotkohl und Obst im Glas gehören grundsätzlich zu den Warengruppen, für die solche Mehrwegverpackungen interessant sein können. Eine flächendeckende Umstellung einzelner Sortimente ist damit aber noch nicht angekündigt.

Auf seiner Internetseite nennt Dotch das Jahr 2026 als geplanten Einführungszeitraum für die neuen Standardgläser. Ein bundesweit verbindlicher Starttermin oder ein vollständiges Verzeichnis teilnehmender Supermärkte wird dort bislang nicht angegeben.

Bei Speiseölen ist die Entwicklung bereits weiter. Standardisierte Mehrwegflaschen werden nach Angaben des Systemanbieters in mehr als 1.800 Märkten des Biofachhandels in Deutschland und Österreich zurückgenommen. Dort ist das Verfahren somit bereits im regulären Verkauf angekommen.

25 Cent Pfand pro Glas und 50 Cent für Flaschen

Für Verbraucher dürfte vor allem die Pfandhöhe interessant sein. Bei den vorgesehenen Mehrwegverpackungen gelten zwei unterschiedliche Beträge.

Für Schraubgläser mit Lebensmitteln sind 25 Cent Pfand vorgesehen. Bei den Mehrwegflaschen für Speiseöl werden 50 Cent erhoben. Diese Beträge ergeben sich aus dem Verpackungssystem des Anbieters und sind keine neue gesetzliche Einwegpfandpflicht.

Wer beispielsweise vier Lebensmittel in bepfandeten Schraubgläsern kauft, würde an der Kasse zusätzlich einen Euro Pfand bezahlen. Nach der Rückgabe aller vier Gläser wird dieser Betrag erstattet.

Das Pfand ist deshalb nicht mit einer dauerhaften Verteuerung des Lebensmittels gleichzusetzen. Allerdings müssen Kunden den Betrag zunächst beim Einkauf bezahlen. Wie sich die Umstellung auf die eigentlichen Verkaufspreise der Produkte auswirkt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen herkömmlichen Einweggläsern und neuen Mehrwegverpackungen. Ein bisher pfandfreies Gurkenglas erhält nicht nachträglich einen Pfandwert. Entscheidend ist, ob die Verpackung ausdrücklich zum entsprechenden Mehrwegsystem gehört.

Supermärkte und Discounter spielen eine entscheidende Rolle

Die technische Grundlage für das neue System ist nach Angaben von Dotch bereits vorhanden. Die standardisierten Gläser sollen über bestehende Leergutautomaten angenommen werden können. Anschließend werden die Verpackungen gesammelt, sortiert, industriell gereinigt und für eine erneute Befüllung bereitgestellt.

Dotch übernimmt dabei nach eigener Darstellung die Organisation der Rücktransporte, die Reinigung und die Abrechnung der Pfandbeträge zwischen den beteiligten Unternehmen.

Damit das Verfahren im Alltag funktioniert, müssen sich allerdings auch die Einzelhändler beteiligen. Supermärkte benötigen entsprechende Abläufe für die Lagerung und Abholung der zurückgegebenen Gläser.

Im September erklärte Dotch-Mitgründerin Veronika Pfender in einem Interview mit ntv, dass das Unternehmen mit Handelsunternehmen über die Umsetzung spreche. Die Zusammenarbeit mit dem Handel sei notwendig, damit weitere Lebensmittelhersteller ihre Produkte auf Mehrweg umstellen könnten.

Eine allgemeine Zusage, dass sämtliche Filialen von Rewe, Edeka, Aldi oder Lidl künftig solche Gläser annehmen, gibt es bislang nicht.

Hinzu kommt eine rechtliche Besonderheit: Für Mehrwegverpackungen gelten andere Rücknahmeregeln als für pfandpflichtige Einweggetränkeverpackungen. Nach den Erläuterungen des Bundesumweltministeriums müssen Händler insbesondere Mehrwegverpackungen der entsprechenden Art, Form und Größe zurücknehmen, soweit die Voraussetzungen der gesetzlichen Rücknahmepflicht erfüllt sind. Eine uneingeschränkte Annahme sämtlicher Mehrweggläser durch jeden Supermarkt ist damit nicht verbunden.

Warum Lebensmittelhersteller auf Mehrweg setzen wollen

Hinter dem Vorhaben stehen sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Überlegungen. Die Herstellung neuer Glasverpackungen benötigt erhebliche Energiemengen. Auch beim Recycling von Altglas müssen die Glasscherben erneut eingeschmolzen werden.

Die beteiligten Hersteller verweisen außerdem auf gestiegene Energiekosten, höhere Aufwendungen für Verpackungen und zusätzliche wirtschaftliche Risiken durch schwankende Rohstoffpreise.

Beim Mehrwegsystem entfällt die erneute Glasherstellung nach jeder Nutzung. Stattdessen werden die Behälter gereinigt und wieder befüllt. Der zusätzliche Aufwand für Transport, Sortierung und Reinigung muss dabei ebenfalls berücksichtigt werden.

Wie groß die Umweltentlastung tatsächlich ausfällt, hängt unter anderem von der Zahl der Wiederbefüllungen und den Transportwegen ab.

Eine Untersuchung im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe und des Mehrwegverbandes Deutschland beziffert das theoretische Einsparpotenzial für verschiedene Lebensmittelverpackungen auf bis zu 710.000 Tonnen Verpackungsabfall und 409.000 Tonnen CO₂ jährlich. Die Berechnung bezieht sich auf einen weitreichenden Umstieg in ausgewählten Produktgruppen, darunter Obst- und Gemüsekonserven, Speiseöl, Essig und Wein. Es handelt sich nicht um bereits erzielte Einsparungen der Herstellerallianz.

EU-Verpackungsverordnung fördert wiederverwendbare Verpackungen

Zusätzliche Bedeutung erhält das Vorhaben durch die europäische Verpackungspolitik. Seit dem 12. August 2026 gelten erste Bestimmungen der neuen EU-Verpackungsverordnung. Sie soll Verpackungsabfälle reduzieren und die Wiederverwendung sowie das Recycling von Verpackungsmaterialien stärken.

Weitere Vorgaben werden schrittweise eingeführt. Dazu gehören spätere Wiederverwendungsziele und einheitlichere Kennzeichnungsvorschriften.

Eine unmittelbare gesetzliche Verpflichtung, sämtliche Gurken-, Senf- oder Rotkohlgläser mit Pfand zu versehen, ergibt sich daraus allerdings nicht. Die geplante Umstellung der Hersteller ist zunächst eine Initiative der beteiligten Unternehmen.

Was Verbraucher beim Einkauf künftig beachten müssen

Für Kunden wird die Unterscheidung zwischen Einweg- und Mehrwegglas wichtiger. Während herkömmliche Konservengläser weiterhin in den Altglascontainer gehören, müssen entsprechend gekennzeichnete Mehrwegverpackungen nach der Nutzung zurück in den Handel.

Die vorgesehenen Behälter können dort gemeinsam mit anderem geeigneten Leergut abgegeben werden, sofern der jeweilige Markt am Rücknahmesystem teilnimmt. Das Pfand wird anschließend erstattet.

Ob sich das Verfahren über den Biofachhandel hinaus im gesamten Lebensmitteleinzelhandel durchsetzt, hängt nun vor allem von den Vereinbarungen zwischen Herstellern, Systemanbieter und Handelsketten ab.

Für 2026 ist der Beginn der neuen Konservenglaslösung geplant. Ein feststehender Termin für die bundesweite Einführung bei Gurken, Rotkohl und Obst im Glas liegt dagegen noch nicht vor. Bis dahin bleiben die meisten dieser Verpackungen weiterhin Einwegglas.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu