VW will Milliarden sparen, doch der Konzernumbau könnte teuer werden

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Volkswagen steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Der Konzern will seine Kosten deutlich senken, zusätzliche Arbeitsplätze abbauen und seine Produktionsstandorte neu ausrichten. Doch die geplanten Einsparungen könnten zunächst erhebliche Ausgaben verursachen. Zugleich verschärft sich der Konflikt mit Betriebsrat und IG Metall über Arbeitsbedingungen und die Zukunft mehrerer deutscher Werke.

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Bis zu 16 Milliarden Euro für Stellenabbau und mögliche Werksschließungen

Der Konzernumbau bei Volkswagen könnte nach internen Kalkulationen bis zu 16 Milliarden Euro kosten. Darüber hatten das Nachrichtenmagazin Spiegel und das Handelsblatt am 10. September unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet. Die Nachrichtenagentur Reuters bestätigte die Größenordnung durch eine mit dem Vorgang vertraute Person. Volkswagen selbst kommentierte die vertraulichen Berechnungen nicht.

Demnach könnten bis zu zehn Milliarden Euro für den Personalabbau benötigt werden. Dazu zählen insbesondere Abfindungen, Altersteilzeitregelungen und Sozialpläne. Weitere sechs Milliarden Euro wären nach den Berechnungen für ein mögliches Ende der Fahrzeugproduktion an vier deutschen Standorten vorgesehen.

Für Emden und Zwickau wird demnach jeweils mit rund einer Milliarde Euro gerechnet. Auf Hannover und das Audi-Werk Neckarsulm würden jeweils etwa zwei Milliarden Euro entfallen. Die Beträge sind Schätzungen für mögliche Maßnahmen, keine bestätigten tatsächlichen Ausgaben. Auch eine vollständige Bildung entsprechender Rückstellungen ist damit nicht belegt.

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Volkswagen plant weiteren Abbau von 50.000 Stellen

Anfang September hatte der Volkswagen-Aufsichtsrat dem umfassenden Zukunftsplan 2030 zugestimmt. Das Programm soll die Strukturen des Konzerns vereinfachen, Produktionskosten reduzieren und die Ertragskraft verbessern. Bis 2030 strebt Volkswagen eine operative Umsatzrendite von neun Prozent an.

Dafür sieht das Konzept über bereits bestehende Sparprogramme hinaus einen rechnerischen zusätzlichen Personalabbau von rund 50.000 Stellen weltweit vor, einschließlich Managementpositionen. Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung könnte etwa die Hälfte dieser Größenordnung auf Deutschland entfallen.

Ein konkreter Beschluss über den Abbau sämtlicher 50.000 Arbeitsplätze liegt allerdings nicht vor. Die Verteilung auf einzelne Marken, Gesellschaften und Standorte ist noch nicht festgelegt. Über notwendige Maßnahmen müssen die jeweils zuständigen Gremien und Arbeitnehmervertretungen verhandeln.

Vier deutsche Werke ohne gesicherte langfristige Produktion

Besonders unsicher sind die Perspektiven der Werke Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Nach der derzeitigen Unternehmensplanung ist für diese Standorte ab den Jahren 2031 bis 2034 keine wettbewerbsfähige Folgebelegung mit neuen Fahrzeugmodellen gewährleistet.

Der Konzern verweist auf Überkapazitäten von rund 500.000 Fahrzeugen in Europa. Bis Ende Juni 2027 soll ein Konzept für eine wirtschaftlich tragfähige europäische Produktionsstruktur erarbeitet werden. Parallel werden alternative Nutzungsmöglichkeiten für die betroffenen Standorte geprüft.

Eine Schließung der vier Werke wurde bislang nicht beschlossen. Der Aufsichtsrat nahm die fehlenden Folgebelegungen zur Kenntnis, ohne damit einer Aufgabe der Standorte zuzustimmen. Betriebsrat und IG Metall verlangen weiterhin konkrete Zusagen zu Produkten, Investitionen und Arbeitsplätzen.

Zehn Tarifverträge gekündigt, Beschäftigungssicherung bleibt

Parallel zum Konzernumbau hat Volkswagen am 30. September zehn Regelungen des Haustarifwerks zum Jahresende gekündigt. Betroffen sind unter anderem der Entgelttarifvertrag, der Manteltarifvertrag, tarifliche Zulagen und bestimmte Vorschriften zur Übernahme von Auszubildenden.

Damit stehen grundlegende Arbeitsbedingungen zur Verhandlung. Dazu gehören Arbeitszeiten, Vergütung, zusätzliche freie Tage und Schutzregelungen für Beschäftigte.

Die Kündigungen sollen zum 31. Dezember 2026 wirksam werden. Für bestehende Arbeitsverhältnisse wirken die bisherigen Bestimmungen nach Maßgabe des Tarifvertragsgesetzes grundsätzlich weiter, bis neue Vereinbarungen getroffen werden. Für Neueinstellungen können andere rechtliche Folgen entstehen.

Ausdrücklich ausgenommen ist der Zukunftstarifvertrag mit seiner Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Nach Angaben der IG Metall bleiben damit betriebsbedingte Kündigungen im geschützten Bereich der Volkswagen AG bis zu diesem Zeitpunkt ausgeschlossen. Die Regelung gilt nicht automatisch für sämtliche Konzerngesellschaften.

IG Metall und Betriebsrat lehnen weitere Einschnitte ab

Die Tarifkündigungen haben den Konflikt zwischen Konzernführung und Arbeitnehmervertretung verschärft. IG Metall und Gesamtbetriebsrat werfen Volkswagen vor, bereits vereinbarte Beiträge der Beschäftigten nicht ausreichend zu berücksichtigen.

Im Tarifkompromiss von 2024 hatte die Belegschaft finanzielle Einschnitte akzeptiert. Nach Berechnungen der Gewerkschaft entlasten diese den Konzern jährlich um rund 1,5 Milliarden Euro.

IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger bezeichnete die Kündigungen als „übles Foul an der Belegschaft“. Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo erklärte, die Arbeitnehmerseite werde weitere Einschnitte in bisherigem Umfang nicht akzeptieren. Die Gewerkschaft kündigte Widerstand gegen die Pläne an.

Volkswagen begründet seinen Kurs dagegen mit dem verschärften internationalen Wettbewerb, Handelsbarrieren und dem wirtschaftlichen Druck auf die Automobilindustrie. Die Forderung der IG Metall nach fünf Prozent mehr Entgelt lehnt das Unternehmen angesichts seiner Lage ab.

Gewinnprognose gesenkt, weitere Verhandlungen im Oktober

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten schlagen sich bereits in der Finanzplanung nieder. Am 18. September senkte Volkswagen seine Prognose für die operative Umsatzrendite im Geschäftsjahr 2026 von ursprünglich vier bis 5,5 Prozent auf höchstens ein Prozent.

Der Konzern erwartet für das laufende Jahr Sonderbelastungen von insgesamt rund zehn Milliarden Euro. Dazu zählen insbesondere Wertberichtigungen bei Porsche sowie weitere Restrukturierungsaufwendungen. Diese offiziell genannten Sonderbelastungen sind nicht mit der gesonderten Schätzung von bis zu 16 Milliarden Euro für den größeren Konzernumbau gleichzusetzen.

Volkswagen und IG Metall wollen ihre Gespräche in der zweiten Oktoberhälfte fortsetzen. Dabei geht es sowohl um die Umsetzung des Zukunftsplans als auch um die tariflichen Bedingungen. Für die langfristige Auslastung der gefährdeten Standorte fehlen weiterhin verbindliche Lösungen.

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu