
Wenige Wochen vor den amerikanischen Kongresswahlen am 3. November 2026 verbessern sich die Aussichten der Demokraten deutlich. Neue Umfragen zeigen einen Vorsprung gegenüber den Republikanern, während Präsident Donald Trump mit niedrigen Zustimmungswerten zu kämpfen hat. Eine aktuelle Wahlanalyse sieht die Demokraten inzwischen auf Kurs, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückzugewinnen. Auch im Senat zeichnen sich mehrere enge Entscheidungen ab.
Die US-Zwischenwahlen 2026 könnten das politische Kräfteverhältnis in Washington verändern. Am Freitag, 9. Oktober, stufte das unabhängige Cook Political Report die Aussichten der Demokraten in 18 Wahlkreisen des Repräsentantenhauses besser ein. Betroffen sind unter anderem Wahlkreise in Iowa und Pennsylvania, die bislang von Republikanern vertreten werden.
Nach der neuen Einschätzung könnten die Demokraten bei der Wahl zwischen neun und 19 Sitze hinzugewinnen. Damit würden sie voraussichtlich auf 224 bis 234 Mandate kommen. Für eine Mehrheit im Repräsentantenhaus sind 218 Sitze erforderlich.
Es handelt sich allerdings um eine Wahlprognose und nicht um ein bereits feststehendes Ergebnis. Grundlage sind unter anderem die politische Ausgangslage in den Wahlkreisen, die Kandidaten und die Entwicklung der Umfragen.
Auch landesweite Befragungen sprechen für eine Verschiebung der politischen Stimmung. In einer zwischen dem 2. und 5. Oktober durchgeführten Umfrage von Economist und YouGov lagen die demokratischen Kandidaten bei registrierten Wählern acht Prozentpunkte vor den Republikanern.
Unter den registrierten Wählern, die angaben, sicher zur Wahl zu gehen oder bereits abgestimmt zu haben, erreichten die Demokraten 52 Prozent. Die Republikaner kamen auf 40 Prozent. Je nach Definition der voraussichtlichen Wähler ergab sich ein Vorsprung der Demokraten zwischen zehn und zwölf Prozentpunkten.
Die Befragung umfasste 1.513 erwachsene US-Staatsbürger. Für die untersuchten registrierten beziehungsweise bis zum Wahltag zur Registrierung entschlossenen Wähler gab YouGov eine statistische Fehlermarge von rund 3,4 Prozentpunkten an.
Landesweite Umfragen liefern allerdings keine unmittelbare Sitzprognose. Die 435 Mandate des Repräsentantenhauses werden in einzelnen Wahlkreisen vergeben. Entscheidend ist deshalb nicht allein der landesweite Stimmenanteil, sondern auch die Verteilung der Stimmen und die tatsächliche Wahlbeteiligung.
Die Umfragen zeigen zugleich eine schwierige Ausgangslage für Präsident Donald Trump. In der Economist/YouGov-Erhebung von Anfang Oktober äußerten sich 35 Prozent der Befragten zufrieden mit seiner Amtsführung. 60 Prozent waren unzufrieden.
Eine frühere Reuters/Ipsos-Befragung vom September hatte sogar nur 32 Prozent Zustimmung ergeben. Damals war dies der niedrigste Wert, den das Institut für Trump in seiner politischen Laufbahn gemessen hatte.
Besonders kritisch beurteilen viele Amerikaner die wirtschaftliche Entwicklung. In einer am 9. Oktober veröffentlichten Reuters/Ipsos-Auswertung machten 78 Prozent der Befragten die Politik des Weißen Hauses zumindest teilweise für gestiegene Lebenshaltungskosten verantwortlich. Selbst unter republikanischen Anhängern lag dieser Anteil bei 64 Prozent.
Zu den wichtigsten Belastungen gehören die hohen Energiepreise, die Inflation und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges mit dem Iran. Die Regierung verweist dagegen auf ihre Steuerpolitik und Maßnahmen zur wirtschaftlichen Entlastung.
Derzeit kontrollieren die Republikaner beide Kammern des US-Kongresses. Besonders knapp sind die Kräfteverhältnisse im Repräsentantenhaus.
Nach Angaben der offiziellen Parlamentsverwaltung vom 9. Oktober verteilen sich die Mandate dort folgendermaßen:
Im Senat verfügen die Republikaner über 53 der insgesamt 100 Sitze. Den Demokraten gehören 45 Senatoren an. Hinzu kommen zwei unabhängige Senatoren, die sich der demokratischen Fraktion angeschlossen haben.
Am 3. November werden sämtliche 435 Sitze des Repräsentantenhauses sowie 35 Senatssitze neu vergeben. Präsident Trump selbst steht nicht zur Wahl. Die Abstimmung findet ungefähr zur Hälfte seiner zweiten Amtszeit statt.
Für die Demokraten ist die Übernahme des Senats schwieriger als der Gewinn des Repräsentantenhauses. Sie benötigen einen Nettozuwachs von vier Mandaten, um gemeinsam mit den beiden Unabhängigen eine Mehrheit zu erreichen.
Das Cook Political Report korrigierte am 6. Oktober auch mehrere Prognosen für Senatswahlen zugunsten der Demokraten. Besonders auffällig ist Kansas. Dort gilt das Rennen inzwischen als offen, obwohl der Bundesstaat traditionell republikanisch wählt.
In New Hampshire und North Carolina verbesserten sich die Bewertungen ebenfalls zugunsten demokratischer Kandidaten. Insgesamt hält das Cook Political Report einen Zugewinn von zwei bis sechs Senatssitzen für die Demokraten für möglich.
Auch in Texas, Ohio und Michigan zeigen aktuelle Erhebungen umkämpfte Wahlentscheidungen. YouGov veröffentlichte am 7. Oktober Umfragen aus sieben Bundesstaaten. In mehreren dieser Staaten lagen demokratische Senatskandidaten vorn. Einzelne Vorsprünge bewegen sich allerdings innerhalb oder nahe der jeweiligen Fehlermargen.
Im Mittelpunkt des Wahlkampfs steht zunehmend die Frage, wie die amerikanische Regierung mit den steigenden Lebenshaltungskosten umgeht. Hohe Benzinpreise, Lebensmittelpreise und Wohnkosten beschäftigen zahlreiche Wähler.
Die Demokraten versuchen, die wirtschaftliche Unzufriedenheit in zusätzliche Stimmen umzuwandeln. Sie treten inzwischen auch in Wahlkreisen angriffslustiger auf, die bei vergangenen Abstimmungen deutlich republikanisch gewählt haben.
Trump wiederum unterstützt republikanische Kandidaten persönlich. Anfang Oktober trat er unter anderem in Texas auf, wo sich ein zuvor als sicher republikanisch geltender Senatssitz zu einem umkämpften Rennen entwickelt hat.
Der Ausgang der Zwischenwahlen entscheidet darüber, welche politischen Vorhaben Trump in den verbleibenden zwei Jahren seiner Präsidentschaft durch den Kongress bringen kann.
Sollten die Demokraten das Repräsentantenhaus übernehmen, könnten sie Gesetzesvorhaben der Regierung blockieren, eigene politische Prioritäten setzen und parlamentarische Untersuchungen stärker vorantreiben. Auch bei Haushaltsentscheidungen müsste Trump dann mit einer oppositionellen Mehrheit verhandeln.
Eine zusätzliche demokratische Mehrheit im Senat hätte weitreichende Folgen. Die Kammer spielt unter anderem bei der Bestätigung wichtiger Regierungsmitglieder und Bundesrichter eine entscheidende Rolle.
Trotz der derzeit günstigen Umfragen für die Demokraten ist der Wahlausgang offen. Insbesondere die Beteiligung republikanischer Anhänger und die Ergebnisse in umkämpften Wahlkreisen können darüber entscheiden, ob die Republikaner ihre Mehrheiten verteidigen oder zumindest eine der beiden Kammern verlieren.
Am 3. November bestimmen die amerikanischen Wähler damit nicht nur die Zusammensetzung des Kongresses, sondern auch die politischen Handlungsmöglichkeiten des Präsidenten bis zum Ende seiner zweiten Amtszeit.
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