
Deutschland startet mit vergleichsweise niedrigen Gasreserven in die Heizsaison. Die unterirdischen Gasspeicher sind derzeit nur zu knapp 60 Prozent gefüllt und damit erheblich weniger als im vergangenen Jahr. Dennoch sieht die Bundesnetzagentur aktuell keine größere Gefahr für die Versorgungssicherheit. Für Haushalte bleibt neben der Entwicklung der Speicherstände vor allem die Frage nach den Heizkosten wichtig.
Nach den vorläufigen Daten der europäischen Transparenzplattform AGSI+ lag der Füllstand der deutschen Gasspeicher am 9. Oktober 2026 bei rund 59,8 Prozent. Eingelagert waren damit etwa 147,9 Terawattstunden Erdgas. In ihrer jüngsten Lagebewertung vom 9. Oktober hatte die Bundesnetzagentur noch einen etwas älteren Datenstand von 59,4 Prozent beziehungsweise 147 Terawattstunden ausgewiesen.
Der Vergleich mit dem Vorjahr verdeutlicht den Unterschied. Am 8. Oktober 2025 waren die deutschen Speicher zu rund 76 Prozent gefüllt. Am gleichen Tag dieses Jahres lag der Wert lediglich bei 59,6 Prozent. Damit lagen die Reserven etwa 16,4 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau.
Die Gasspeicher werden normalerweise während der wärmeren Monate befüllt. In der Heizperiode gleichen sie den steigenden Verbrauch aus. Die aktuelle Entwicklung bedeutet deshalb, dass Deutschland mit einer deutlich kleineren gespeicherten Gasmenge in die verbrauchsintensive Jahreszeit geht.
Trotz der niedrigen Füllstände bewertet die Bundesnetzagentur die Versorgungslage weiterhin als stabil. In ihrer Einschätzung vom 9. Oktober bezeichnet sie die Versorgungssicherheit als gewährleistet. Das Risiko einer angespannten Gasversorgung sei nach aktuellem Kenntnisstand gering.
Entscheidend ist, dass Deutschland seinen Gasbedarf nicht ausschließlich aus Speichern deckt. Erdgas wird weiterhin über internationale Pipelines eingeführt. Hinzu kommen Lieferungen von Flüssigerdgas über die deutschen LNG-Terminals. Zwischen dem 30. September und dem 6. Oktober wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 15,2 Terawattstunden Erdgas über Pipelines importiert. Weitere 1,9 Terawattstunden kamen über LNG-Terminals ins Land.
Die Bundesnetzagentur verweist darauf, dass ausreichend Gas auf dem Weltmarkt und entsprechende Importmöglichkeiten verfügbar seien. Die Speicher dienen insbesondere dazu, Schwankungen zwischen dem laufenden Angebot und dem im Winter höheren Verbrauch auszugleichen.
Seit dem 1. Juli 2025 gilt in Deutschland die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. Die zuvor bestehende Alarmstufe wurde aufgehoben.
Für die deutschen Gasspeicher gelten gesetzliche Vorgaben. Nach der derzeit gültigen Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen die meisten Anlagen am 1. November einen Füllstand von 80 Prozent erreichen. Für sechs bestimmte Speicher, darunter Rehden und Frankenthal, gilt eine niedrigere Vorgabe von 45 Prozent.
Die Bundesnetzagentur hält es allerdings nicht für zwingend erforderlich, dass sämtliche Füllstandsziele erreicht werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dafür komme es auf das Zusammenspiel von Importen, vorhandenen Gasreserven, Leitungsinfrastruktur und Nachfrage an.
Die Behörde beobachtet die Entwicklung dennoch aufmerksam. Sie rechnet bereits damit, dass die deutschen Speicher am Ende des kommenden Winters vergleichsweise niedrige Füllstände aufweisen könnten.
Während die Gasspeicher niedriger gefüllt sind, haben sich die Preise für Haushaltskunden zuletzt rückläufig entwickelt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 30. September zahlten private Haushalte im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 11,58 Cent je Kilowattstunde Erdgas.
Das waren 5,3 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025 und 4,5 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Zur Entlastung trug unter anderem die Abschaffung der Gasspeicherumlage bei.
Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2021 bleibt Erdgas allerdings erheblich teurer. Gegenüber dem damaligen Niveau mussten Haushalte im Durchschnitt 80,7 Prozent mehr bezahlen.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die internationale Energiepreisentwicklung. Die Bundesnetzagentur beobachtet insbesondere die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten auf die Großhandelsmärkte. Ob höhere Einkaufspreise später bei privaten Haushalten ankommen, hängt unter anderem von der Beschaffungspolitik der Gasversorger und den jeweiligen Verträgen ab.
Für Haushalte bedeutet die aktuelle Versorgungslage zunächst keine unmittelbare Einschränkung der Gaslieferungen. Die Bundesnetzagentur empfiehlt dennoch weiterhin einen sparsamen Umgang mit Erdgas, auch wegen des im längerfristigen Vergleich hohen Preisniveaus.
Verbraucher können ihre bestehenden Gastarife überprüfen und mit anderen Angeboten vergleichen. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass gerade Kunden in der Grundversorgung häufig durch einen Wechsel sparen können. Dabei sollten neben dem Arbeitspreis auch Grundgebühren, Vertragslaufzeiten, mögliche Bonuszahlungen und die Bedingungen einer Preisgarantie berücksichtigt werden.
Wer sich in der Grundversorgung befindet, kann den Vertrag grundsätzlich mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Bei Preiserhöhungen besteht unter bestimmten Voraussetzungen ein Sonderkündigungsrecht.
Für den kommenden Winter bleibt damit vor allem die Entwicklung der internationalen Gaspreise und des tatsächlichen Verbrauchs entscheidend. Die vergleichsweise niedrigen Speicherstände allein sind nach Einschätzung der Bundesnetzagentur derzeit kein Anzeichen für einen bevorstehenden Versorgungsengpass.
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