
Das US-Militär hat erneut ein ziviles Frachtschiff im Golf von Oman angegriffen. Ein amerikanisches Kampfflugzeug traf am Samstag, 10. Oktober 2026, ein Handelsschiff unter panamaischer Flagge am Heck und setzte nach Angaben des zuständigen US-Regionalkommandos Centcom dessen Antrieb außer Betrieb. Das Schiff hatte zuvor einen iranischen Hafen verlassen. Washington begründet den Angriff mit einem angeblichen Verstoß gegen die bestehende US-Seeblockade gegen Iran.
Bei dem angegriffenen Schiff handelt es sich um die „M/V Ocean Molica“, die auch unter dem Namen „Arika Sun“ bekannt ist. Nach Darstellung von Centcom hatte die Besatzung wiederholte Warnungen amerikanischer Streitkräfte missachtet und versucht, die Seeblockade zu durchbrechen.
Daraufhin setzte ein US-Kampfflugzeug eine präzisionsgelenkte Waffe gegen das Heck des Frachters ein. Der Treffer legte den Antrieb nach Angaben des Militärkommandos vollständig lahm. Besatzungsmitglieder seien bei dem Angriff nicht verletzt worden.
Welchen iranischen Hafen das Schiff zuvor verlassen hatte, welche Ladung es transportierte und welchen Zielhafen es ansteuerte, ging aus der Erklärung nicht hervor. Auch zur weiteren Versorgung des Schiffes und seiner Besatzung machte Centcom zunächst keine Angaben. Der genaue Ablauf des Vorfalls und die Angaben zu möglichen Verletzten waren zunächst nicht unabhängig bestätigt.
Die Vereinigten Staaten hatten ihre Seeblockade gegen iranische Häfen am 14. Juli 2026 wieder aufgenommen. Bereits vom 13. April bis zum 18. Juni war eine entsprechende Blockade in Kraft gewesen. Die amerikanischen Streitkräfte wollen damit nach eigenen Angaben den Schiffsverkehr von und zu iranischen Häfen unterbinden. Betroffen sind Handelsschiffe unabhängig von ihrem jeweiligen Flaggenstaat.
Centcom veröffentlichte im Zusammenhang mit dem jüngsten Angriff neue Zahlen zur Durchsetzung der Blockade. Seit Mitte Juli seien vier zivile Handelsschiffe außer Gefecht gesetzt und 135 weitere Schiffe zur Umkehr gezwungen worden.
Zusätzlich hätten amerikanische Streitkräfte zehn Tanker zerstört, die das Kommando einem Schifffahrtsnetzwerk der iranischen Revolutionsgarden zurechnet. Eine unabhängige Bestätigung dieser Gesamtzahlen lag zunächst nicht vor.
Das US-Militär forderte die Handelsschifffahrt erneut auf, seine Warnungen zu beachten. Kapitäne sollen aktuelle nautische Sicherheitshinweise verfolgen und in den betroffenen Gewässern über den internationalen UKW-Seefunkkanal 16 Kontakt zu amerikanischen Marineeinheiten halten.
Der Angriff ereignete sich in einer Region, die für die weltweite Energieversorgung von erheblicher Bedeutung ist. Der Golf von Oman verbindet das Arabische Meer mit der Straße von Hormus und damit mit dem Persischen Golf. Über diese Verbindung werden große Mengen Erdöl aus den Förderstaaten der Golfregion transportiert.
Vor Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran Ende Februar 2026 entsprach die durch die Straße von Hormus transportierte Erdölmenge ungefähr einem Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs.
Der Schiffsverkehr ist durch die militärischen Auseinandersetzungen und wiederholte Angriffe auf Handelsschiffe erheblich beeinträchtigt. Nach Daten des Schifffahrtsanalysedienstes Kpler passierten am Dienstag, 6. Oktober, lediglich sieben Güterschiffe mit Rohstoffladungen die Meerenge. Das war der niedrigste Stand seit mehr als zwei Monaten.
Neben der amerikanischen Blockade iranischer Häfen beansprucht auch Iran die Kontrolle über die Schifffahrt in der Straße von Hormus. Damit treffen in der Region unterschiedliche militärische Maßnahmen aufeinander, die den internationalen Seehandel unmittelbar betreffen.
Für die „Ocean Molica“ war nach dem amerikanischen Angriff zunächst nicht bekannt, ob eine Bergung oder ein Abschleppen organisiert wurde. Auch Angaben zu Schäden außerhalb des Antriebssystems lagen zunächst nicht vor.
Der neuerliche Einsatz eines Kampfflugzeugs gegen ein ziviles Handelsschiff verdeutlicht, dass die USA ihre Seeblockade weiterhin auch mit militärischer Gewalt durchsetzen.
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