
Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler kommt bei seinem umfangreichen Sparprogramm schneller voran als ursprünglich geplant. Von den angekündigten 4.700 Stellen sind bereits 3.715 weggefallen. Die vollständige Umsetzung soll nun ein Jahr früher erfolgen. Gleichzeitig rechnet der Konzern mit höheren Einsparungen als bisher vorgesehen. An der Börse reagierten Anleger zunächst positiv auf die Nachricht.
Wie der Konzern am Montag, 12. Oktober 2026, mitteilte, waren bis Ende September bereits 3.715 der geplanten 4.700 Stellen abgebaut. Das entspricht rund 79 Prozent des ursprünglichen Ziels. Für die verbleibenden 985 Stellen liegen nach Unternehmensangaben bereits vertragliche Vereinbarungen vor.
Damit geht Schaeffler davon aus, den Personalabbau bis Ende 2028 vollständig umzusetzen. Ursprünglich war dafür das Jahr 2029 vorgesehen. Das Unternehmen hatte die Maßnahmen im November 2024 angekündigt, um seine Kostenstruktur zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Der beschleunigte Umbau wirkt sich auch auf die finanziellen Erwartungen aus. Ursprünglich hatte Schaeffler durch die strukturellen Maßnahmen jährliche Einsparungen von rund 290 Millionen Euro ab 2029 eingeplant. Diese Zielgröße soll nach aktueller Prognose um mehr als 20 Prozent übertroffen werden.
Zudem fallen die einmaligen Kosten für den Stellenabbau niedriger aus als zunächst kalkuliert. Deshalb konnte Schaeffler zum 30. September nicht mehr benötigte Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen in Höhe von rund 84 Millionen Euro auflösen. Die finanziellen Verbesserungen sollen die Profitabilität des Unternehmens stärken.
Die Nachricht sorgte am Montag auch am Aktienmarkt für Bewegung. Die Schaeffler-Aktie legte im Xetra-Handel zu und notierte am 12. Oktober 2026 um 14:47 Uhr bei 6,11 Euro. Das entsprach einem Anstieg von 3,91 Prozent gegenüber dem vorherigen Handelsschluss. Die Angaben stammen von Investing.com (Stand: 14:47:51 Uhr, zeitverzögerte Kursdaten).
Für Anleger stehen vor allem die Aussicht auf höhere Einsparungen und die geringeren Restrukturierungskosten im Mittelpunkt. Die angekündigten Verbesserungen könnten das Unternehmen bei der Finanzierung des weiteren Konzernumbaus entlasten. Die Kursentwicklung beschreibt allerdings nur die zwischenzeitliche Börsenreaktion und keinen Schlusskurs.
Zusätzlich zum bestehenden Sparprogramm hat Schaeffler neue Vereinbarungen zur Altersteilzeit geschlossen. Bis zum 5. Oktober wurden nach Unternehmensangaben 1.768 entsprechende Verträge abgeschlossen. Zunächst hatte der Konzern mit rund 1.300 Beschäftigten gerechnet.
Die Modelle richten sich an Beschäftigte bestimmter Altersjahrgänge und ermöglichen einen schrittweisen Übergang in den Ruhestand. Die Vertragslaufzeiten reichen von zwei bis acht Jahren. Schaeffler erwartet dadurch bereits 2027 positive Auswirkungen auf den Geldfluss. Für 2029 prognostiziert das Unternehmen einen zusätzlichen positiven Ergebniseffekt von rund 55 Millionen Euro.
Allerdings sind mit den Vereinbarungen auch Aufwendungen verbunden. Bis 2030 sollen zusätzliche Rückstellungen von rund 70 Millionen Euro für Einmalzahlungen gebildet werden. Die neuen Altersteilzeitverträge sind nach Konzernangaben eine zusätzliche Maßnahme und nicht mit den ursprünglich angekündigten 4.700 Stellen gleichzusetzen.
Hintergrund des Stellenabbaus ist ein grundlegender Umbau des Schaeffler-Konzerns. Nach dem Zusammenschluss mit dem Antriebsspezialisten Vitesco Technologies sollen unter anderem doppelte Strukturen reduziert und Produktionskapazitäten angepasst werden.
Von den 4.700 ursprünglich zum Abbau vorgesehenen Stellen entfallen rund 2.800 auf Deutschland. Das Programm betrifft mehrere europäische Standorte. Durch geplante Verlagerungen hatte Schaeffler den europaweiten Nettoabbau ursprünglich auf rund 3.700 Stellen beziffert.
Neben den Synergien aus der Vitesco-Integration spielen die schwächere Nachfrage in Teilen der Automobilindustrie und der technologische Wandel eine wichtige Rolle. Besonders die Veränderungen bei Verbrennungsmotoren und Elektroantrieben stellen Zulieferer vor wirtschaftliche Herausforderungen.
Der Stellenabbau bei Schaeffler ist Teil einer umfassenderen Entwicklung in der deutschen Automobilindustrie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Ende Juni 2026 insgesamt rund 691.500 Menschen in der Branche beschäftigt. Das waren 42.300 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Bei den Herstellern von Autoteilen und Zubehör sank die Beschäftigtenzahl innerhalb eines Jahres sogar um 7,6 Prozent auf rund 219.500. Damit gehörten die Zulieferer zu den besonders stark betroffenen Bereichen der Branche.
Schaeffler selbst hatte im ersten Halbjahr 2026 trotz schwieriger Marktbedingungen einen Umsatz von rund 11,7 Milliarden Euro erzielt. Die operative Marge vor Sondereffekten verbesserte sich von 4,1 auf 4,7 Prozent. Der Konzern versucht damit, durch Kostensenkungen und Investitionen in neue Technologien seine Position im internationalen Wettbewerb zu sichern.
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