
Der britische Onlinehändler Zavvi ist insolvent und hat seinen Geschäftsbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Seit dem 12. Oktober 2026 befindet sich die Betreibergesellschaft ZavviGroup Ltd in einem britischen Insolvenzverfahren. Offene Bestellungen und Vorbestellungen werden nicht mehr ausgeliefert. Davon können auch Kunden in Deutschland betroffen sein, die bereits für ihre Einkäufe bezahlt haben.
Am Montag, 12. Oktober 2026, wurden Chris Skey und Kerry Bailey von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO LLP als gemeinsame Insolvenzverwalter eingesetzt. Sie sind für die Verwaltung des Unternehmens und seines Vermögens verantwortlich.
Zavvi hat den Verkauf eingestellt. Auf der deutschen Website erscheint ebenfalls die Mitteilung zum Insolvenzverfahren. Neue Bestellungen sollen nicht mehr aufgegeben werden. Auch Rücksendungen nimmt das Unternehmen derzeit nicht an.
Wie viele Kunden noch auf ihre Waren warten und welche Beträge bereits bezahlt wurden, ist bislang nicht bekannt. Die genauen wirtschaftlichen Ursachen der Insolvenz wurden zunächst nicht erläutert.
Für Kunden mit offenen Bestellungen ist entscheidend, wie sie bezahlt haben. Die Insolvenzverwalter empfehlen, sich möglichst schnell an die eigene Bank, den Kartenanbieter oder den verwendeten Zahlungsdienstleister zu wenden.
Bei Kreditkartenzahlungen und bestimmten Debitkarten kann ein sogenanntes Chargeback-Verfahren infrage kommen. Dabei wird eine bereits erfolgte Zahlung wegen einer ausgebliebenen Lieferung beanstandet. Die Erfolgsaussichten hängen von den Bedingungen des Kartenanbieters und den Umständen des Kaufs ab. Häufig gelten Fristen von bis zu 120 Tagen.
Wer über PayPal bezahlt hat, kann unter den Voraussetzungen des Käuferschutzes einen Konflikt wegen nicht erhaltener Ware melden. PayPal sieht dafür grundsätzlich eine Frist von 180 Tagen nach der Zahlung vor. Wird innerhalb von 20 Tagen keine Lösung erzielt, muss der Konflikt rechtzeitig zu einem Käuferschutzantrag eskaliert werden.
Eine Erstattung ist in keinem dieser Verfahren automatisch garantiert. Kunden sollten Bestellbestätigungen, Zahlungsnachweise und bisherige Korrespondenz aufbewahren.
Die Insolvenzverwalter haben unter [email protected] eine E-Mail-Adresse für Kundenanfragen eingerichtet. Wer sich dorthin wendet, erhält automatisch Informationen zu häufigen Fragen und zur Anmeldung möglicher Forderungen im Insolvenzverfahren.
Eine individuelle Beantwortung bereits erläuterter Fragen ist angesichts der zahlreichen Anfragen grundsätzlich nicht vorgesehen. Weitere Informationen zum Verfahren sollen auf der Unternehmenswebsite veröffentlicht werden.
Zavvi gehörte über viele Jahre zu den bekannten britischen Anbietern für Filme, Musik, Videospiele und Fanartikel. Besonders Sammlerausgaben von Blu-rays, DVDs und 4K-Filmen sowie Merchandise und Spielwaren gehörten zum Sortiment.
Die Marke entstand 2007 aus dem britischen Geschäft von Virgin Megastores. Bereits Ende 2008 geriet die damalige Einzelhandelskette in ein Insolvenzverfahren. Die Hut Group, heute THG, übernahm 2009 das Onlinegeschäft und führte die Marke als Internetversandhandel weiter.
Im Juli 2023 wurde das Geschäft im Rahmen eines Management-Buyouts aus dem THG-Konzern herausgelöst. Die Finanzierung unterstützte das Investmentunternehmen Gordon Brothers. Die heutige Betreibergesellschaft ZavviGroup Ltd wurde im Mai 2023 gegründet.
Mit der erneuten Insolvenz endet nun auch der laufende Onlinehandel unter der Marke Zavvi. Für Kunden mit bereits bezahlten, aber nicht gelieferten Produkten steht zunächst die mögliche Rückforderung ihres Geldes im Vordergrund.
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