
Kahla. Die Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen steht vor dem Ende ihrer Produktion. Obwohl sich derzeit zahlreiche Kunden im Werksverkauf mit Geschirr eindecken, wird der insolvente Traditionsbetrieb zum Jahresende 2026 geschlossen. Eine monatelange Suche nach Investoren blieb erfolglos. Für die zuletzt 96 Beschäftigten bedeutet die Entscheidung den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Als wesentlichen Grund für die Schließung nennt Insolvenzverwalter Rolf Rombach die hohen Energiekosten, die eine wirtschaftliche Fortführung unmöglich machen.
Die angekündigte Schließung hat die Nachfrage nach Porzellan aus Kahla deutlich steigen lassen. Wie der MDR am Donnerstag, 15. Oktober 2026, berichtete, kommen derzeit zahlreiche Kunden in den Werksverkauf, um sich vor dem endgültigen Produktionsende noch mit Geschirr des Herstellers einzudecken.
Bereits in der vergangenen Woche hatte die hohe Nachfrage für Probleme beim Onlineverkauf gesorgt. Am 8. Oktober war der Onlineshop nach MDR-Angaben zeitweise überlastet. Gleichzeitig gingen beim Unternehmen weitere größere Bestellungen ein.
Die gestiegene Nachfrage kommt allerdings zu spät, um die wirtschaftlichen Probleme des Unternehmens zu lösen. Der Betrieb soll bis zum Jahresende schrittweise eingestellt werden. Bestehende Aufträge sollen nach Möglichkeit noch abgearbeitet werden.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten von Kahla-Porzellan reichen deutlich weiter zurück. Bereits im März 2026 hatte das Unternehmen einen Insolvenzantrag gestellt. Damals wurden eine schwächere Auftragslage, die Kaufzurückhaltung im Gastronomiebereich und hohe Energiekosten als wesentliche Belastungen genannt.
Besonders die energieintensive Herstellung des Porzellans entwickelte sich zum Problem. Nach Angaben des Insolvenzverwalters lagen die monatlichen Gaskosten zuletzt zwischen 150.000 und 180.000 Euro. Diese Ausgaben konnten nicht mehr dauerhaft durch die Geschäftstätigkeit gedeckt werden.
Zugleich ließen sich höhere Verkaufspreise am Markt nur eingeschränkt durchsetzen. Damit fehlte die wirtschaftliche Grundlage für eine dauerhafte Fortführung der Produktion.
Seit März wurden Gespräche mit zahlreichen möglichen Investoren geführt. Zuletzt verhandelte die Insolvenzverwaltung intensiv mit einem Interessenten aus der Türkei. Auch diese Gespräche führten jedoch zu keiner Übernahme.
Besonders schwer trifft die Schließung die Beschäftigten. Während bei der Insolvenzanmeldung im Frühjahr noch rund 120 Menschen für das Unternehmen arbeiteten, waren zuletzt 96 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen.
Die Produktion wird nicht an einem einzigen Tag beendet, sondern in mehreren Etappen zurückgefahren. Nach Angaben des Insolvenzverwalters sollen deshalb nicht sämtliche Arbeitsverhältnisse sofort beendet werden.
Rombach würdigte ausdrücklich den Einsatz der Belegschaft. Die Beschäftigten hätten den laufenden Geschäftsbetrieb auch während des Insolvenzverfahrens zuverlässig unterstützt und ihre Bereitschaft erklärt, bis zum Ende weiterzuarbeiten.
Auch das Land Thüringen war in die Bemühungen um den Erhalt des Unternehmens eingebunden. Das Wirtschaftsministerium und die Staatskanzlei begleiteten die Suche nach einer Lösung. Eine wirtschaftlich tragfähige Übernahme kam dennoch nicht zustande.
Mit der Schließung endet eine mehr als 180 Jahre alte industrielle Tradition. Im Jahr 1844 gründete Christian Eckardt die Porzellanfabrik Kahla. Aus dem damaligen Betrieb entwickelte sich einer der bekanntesten deutschen Porzellanhersteller.
In der DDR gehörte Kahla zu den bedeutenden Standorten der keramischen Industrie. Der dort ansässige VEB Feinkeramik umfasste zeitweise 17 Betriebe mit insgesamt rund 18.000 Beschäftigten.
Nach der deutschen Wiedervereinigung geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Auf Privatisierung und Konkurs folgte 1994 eine Neugründung. Kahla setzte anschließend verstärkt auf modernes Design sowie Geschirr für private Haushalte, Hotels und Restaurants.
Bereits 2020 musste das Unternehmen erneut Insolvenz anmelden. Nach einer Übernahme konnte die Produktion damals fortgesetzt werden. Die erneute Insolvenz im Jahr 2026 führte nun zur Entscheidung, den Geschäftsbetrieb vollständig einzustellen.
Während das Ende der laufenden Produktion feststeht, ist die weitere Zukunft der Marke Kahla noch nicht abschließend geklärt. Eine bestätigte Vereinbarung über die Übernahme der Markenrechte oder eine Fortführung durch einen anderen Hersteller lag zunächst nicht vor.
Fest steht dagegen, dass die bisherige Porzellanproduktion am Standort Kahla über den Jahreswechsel hinaus nicht fortgesetzt werden soll. Der Insolvenzverwalter hat die geordnete Abwicklung des Geschäftsbetriebs angekündigt.
Bis dahin steht die Bearbeitung noch offener Aufträge im Mittelpunkt. Der ursprünglich für den 7. November geplante Kahlaer Porzellanmarkt wurde bereits abgesagt.
Damit entsteht eine ungewöhnliche Situation: Während der traditionsreiche Hersteller seine Produktion beendet, möchten zahlreiche Kunden noch einmal Porzellan aus Kahla erwerben.
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