
Washington. Eine zeitweise Einschränkung des US-Satellitendienstes Starshield hat militärische Drohneneinsätze der Ukraine beeinträchtigt. Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass eine entsprechende Anweisung aus dem Weißen Haus gekommen sein könnte. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen mehrere Regierungsvertreter entsprechende Angaben gemacht haben. Offiziell bestätigt ist die Verantwortung der US-Regierung allerdings nicht. Zudem widerspricht ein ranghoher US-Vertreter der Darstellung, Präsident Donald Trump habe persönlich eine solche Beschränkung angeordnet.
Die Probleme traten in der Nacht zum 14. Oktober 2026 auf. Ukrainische Militärangehörige meldeten Verbindungsabbrüche bei Satellitenterminals, die auf schnell bewegten Geräten wie Drohnen installiert sind. Nach Angaben ukrainischer Stellen funktionierten die Verbindungen teilweise nicht mehr, sobald die Geräte eine Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde überschritten. Vereinzelt soll es bereits bei niedrigeren Geschwindigkeiten zu Ausfällen gekommen sein.
Die Einschränkungen wirkten sich auf unterschiedliche militärische Aufgaben aus. Betroffen waren nach ukrainischen Angaben sowohl Angriffe auf russische Stellungen und Nachschubwege als auch Drohnen, die zur Abwehr russischer Luftangriffe eingesetzt werden. Gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press berichtete ein ukrainischer Drohnenkommandeur von gescheiterten Einsätzen und verlorenen Fluggeräten infolge unterbrochener Kommunikationsverbindungen.
Am Donnerstag, 15. Oktober, meldeten ukrainische Stellen eine deutliche Verbesserung. Nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium funktionierte die Satellitenverbindung während der Bewegung wieder. Auch einzelne Militäreinheiten bestätigten die Wiederherstellung ihrer Kommunikationsmöglichkeiten. Zuvor waren weiterhin Geschwindigkeitsbeschränkungen von etwa 160 Kilometern pro Stunde gemeldet worden.
Neue Informationen zur möglichen Herkunft der Beschränkungen veröffentlichte Reuters am Donnerstag. Zwei US-Regierungsvertreter und ein weiterer informierter westlicher Regierungsvertreter erklärten demnach, die Anweisung sei innerhalb des Weißen Hauses entstanden.
Die Leitung des amerikanischen Verteidigungsministeriums soll eine entsprechende Mitteilung erhalten haben. Darin sei gefordert worden, die Nutzung des Satellitendienstes Starshield durch das ukrainische Militär einzuschränken. Wer die Entscheidung tatsächlich traf und wer sie technisch umsetzte, konnten die anonymen Regierungsvertreter nicht benennen.
Ein ranghoher US-Regierungsvertreter bestritt gegenüber Reuters ausdrücklich, dass Trump selbst eine solche Anweisung gegeben habe. Auf die Frage, ob andere Mitarbeiter des Weißen Hauses verantwortlich gewesen sein könnten, erhielt die Nachrichtenagentur keine Antwort. Auch das Pentagon gab zunächst keine entsprechende Erklärung ab.
US-Vertreter hatten zuvor gegenüber Axios auf eine mögliche technische Störung verwiesen. Die genaue Ursache der Einschränkungen blieb damit umstritten.
SpaceX-Chef Elon Musk äußerte sich am Mittwoch über seine Plattform X zur Zuständigkeit für das militärische Satellitensystem. Nach seiner Darstellung befinden sich die betreffenden Starshield-Systeme im Besitz und unter der Kontrolle der US-Regierung. Entscheidungen über Nutzungsbeschränkungen und Geschwindigkeitsgrenzen lägen beim amerikanischen Militär und letztlich beim Präsidenten.
Dabei unterscheidet Musk zwischen dem kommerziellen Satelliteninternet Starlink und dem für staatliche sowie militärische Aufgaben entwickelten System Starshield. Beide Angebote nutzen Technologien von SpaceX, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Einsatzbereiche und vertraglichen Bedingungen.
Starshield wurde insbesondere für staatliche Sicherheitsaufgaben entwickelt. Die Technik ermöglicht verschlüsselte Satellitenkommunikation und unterstützt militärische Anwendungen, bei denen große Datenmengen zuverlässig übertragen werden müssen. SpaceX äußerte sich auf eine separate Anfrage von Reuters zu den konkreten Einschränkungen zunächst nicht.
Die vorübergehenden Kommunikationsprobleme fallen in eine Phase erheblicher politischer Differenzen zwischen den USA und der Ukraine. Präsident Trump hatte die ukrainische Führung zuletzt aufgefordert, Angriffe auf russische Ölraffinerien einzustellen. Washington begründete diese Forderung unter anderem mit Auswirkungen auf die Energiepreise.
Die ukrainische Regierung hatte ihrerseits wiederholt auf die Bedeutung amerikanischer Unterstützung für die Verteidigung gegen russische Angriffe hingewiesen. Neben Satellitenkommunikation betrifft dies insbesondere militärische Aufklärungsdaten und Frühwarninformationen.
Ob die Einschränkungen bei Starshield unmittelbar mit diesen politischen Auseinandersetzungen zusammenhängen, ist nicht bestätigt.
Für die ukrainischen Streitkräfte hat der Vorfall dennoch eine konkrete Bedeutung. Satellitengestützte Kommunikation ermöglicht es, Drohnen auch über größere Entfernungen zu steuern und während eines Einsatzes Informationen zu übertragen. Die zeitweisen Ausfälle verdeutlichen, wie stark bestimmte militärische Fähigkeiten von der Verfügbarkeit amerikanischer Satellitentechnik abhängen.
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