
Die OHB-Aktie hat am Freitag, 16. Oktober 2026, einen deutlichen Kurssprung verzeichnet. Der Bremer Raumfahrtkonzern profitierte an der Börse von einem freundlichen Umfeld für Verteidigungswerte. Gleichzeitig rückten neue Analysteneinschätzungen und das wachsende Geschäft mit europäischen Satellitenprogrammen in den Fokus. Auf Wochensicht summierte sich der Kursgewinn auf mehr als 21 Prozent.
Die OHB-Aktie beendete den Xetra-Handel am Freitag bei 191,60 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag bei 169,60 Euro entspricht dies einem Anstieg von 12,97 Prozent. Im Tagesverlauf erreichte das Papier zeitweise 199 Euro. Die Schlussnotierung stammt vom 16. Oktober 2026, 17.35 Uhr, Handelsplatz Xetra.
Besonders deutlich fällt die Entwicklung auf Wochensicht aus. Am Freitag der Vorwoche, dem 9. Oktober, hatte die Aktie noch bei 157,80 Euro geschlossen. Damit ergibt sich innerhalb einer Handelswoche ein Kursgewinn von rund 21,4 Prozent. Die Aufwärtsbewegung beschleunigte sich insbesondere am Mittwoch und Freitag.
Die Kursgewinne bei OHB fielen in eine Erholungsphase europäischer Verteidigungsaktien. Auch Rheinmetall, Hensoldt und Renk verzeichneten am Freitag deutliche Aufschläge. Bereits zu Wochenbeginn hatten Einschätzungen der US-Investmentbank Morgan Stanley die Erwartungen an die Branche gestützt.
Die Analysten rechnen damit, dass bis zum Jahresende zusätzliche Verteidigungsaufträge aus dem deutschen Bundeshaushalt vergeben werden könnten. Diese Einschätzung bezieht sich auf den gesamten Sektor und nicht auf einen bereits zugesagten Auftrag an OHB. Der Raumfahrtkonzern gehörte am Freitag zu den stärksten Werten im SDAX.
Am Freitag veröffentlichte die Hamburger NuWays AG eine aktualisierte Bewertung von OHB. Analyst Simon Keller bestätigte seine Kaufempfehlung und setzte das Kursziel für einen Zeitraum von zwölf Monaten auf 340 Euro.
Die Einschätzung stützt sich auf erwartete zusätzliche Aufträge für europäische Raumfahrtprojekte. Besonders große Chancen sieht NuWays beim Satellitenkommunikationsprogramm SATCOMBw 4 der Bundeswehr. Die Analysten halten Aufträge an OHB im Umfang von fünf bis sieben Milliarden Euro für möglich. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Schätzung und nicht um bereits abgeschlossene Verträge.
Auch die Privatbank Berenberg hatte zu Wochenbeginn ihre Kaufempfehlung bestätigt. Ihr Kursziel liegt bei 358 Euro. Grundlage sind ebenfalls Erwartungen steigender öffentlicher Investitionen in Raumfahrt und Verteidigung. Beide Bewertungen sind Analystenprognosen, deren Eintreffen nicht gesichert ist.
Eine gesicherte Grundlage für die geschäftlichen Perspektiven von OHB bildet der Ende August bekannt gegebene Auftrag für das europäische Satellitenprogramm IRIS². Der Konzern vereinbarte mit dem Satellitenbetreiber SES die Entwicklung und Herstellung von 18 Satellitenplattformen. Das Vertragsvolumen beträgt knapp eine Milliarde Euro.
Das Satellitenprogramm IRIS² soll die europäische Satellitenkommunikation unabhängiger und widerstandsfähiger machen. Die EU plant ein Netzwerk aus 348 Satelliten in unterschiedlichen Erdumlaufbahnen. Es soll insbesondere sichere Kommunikationsverbindungen für staatliche Stellen und weitere Nutzer ermöglichen.
OHB übernimmt einen Teil der technischen Infrastruktur in mittleren Erdumlaufbahnen. Die ersten Satellitenstarts sind für 2029 vorgesehen, erste Dienste sollen ab 2030 angeboten werden. Der Auftrag wurde bereits am 31. August bekannt gegeben und ist daher keine neue Unternehmensmeldung vom Freitag.
Auch die bisherigen Geschäftszahlen zeigen eine positive Entwicklung wichtiger operativer Kennzahlen. Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte OHB seine Gesamtleistung um elf Prozent auf 627,9 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro.
Allerdings entwickelte sich nicht jede Kennzahl positiv. Das Periodenergebnis verringerte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 11,5 Millionen auf 4,8 Millionen Euro.
Der Auftragsbestand belief sich Ende Juni auf rund 3,3 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand eine Gesamtleistung von etwa 1,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11 Prozent. Diese Prognose hatte OHB im August bestätigt.
Nach der kräftigen Erholung richtet sich der Blick auf die nächsten Geschäftszahlen. OHB hat die Veröffentlichung des Finanzberichts für das dritte Quartal 2026 für den 12. November angekündigt. Dann werden weitere Angaben zur Geschäftsentwicklung und zum Auftragsbestand erwartet.
Die jüngsten Kursgewinne zeigen das gestiegene Interesse an Unternehmen, die vom Ausbau europäischer Raumfahrt- und Verteidigungsprogramme profitieren könnten. Ob aus den von Analysten erwarteten zusätzlichen Milliardenaufträgen tatsächlich verbindliche Verträge werden, ist dagegen noch offen.
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