Wienerberger senkt Prognose erneut: Baukrise und hohe Kosten belasten Konzern

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der österreichische Baustoffkonzern Wienerberger rechnet für das Geschäftsjahr 2026 mit deutlich weniger operativem Ergebnis als ursprünglich geplant. Die Wienerberger Prognose 2026 wurde am 6. Oktober erneut gesenkt. Statt der zuletzt erwarteten 700 Millionen Euro stellt das Unternehmen nur noch 640 bis 650 Millionen Euro operatives EBITDA in Aussicht. Ausschlaggebend sind eine schwache Nachfrage im Wohnungsneubau und gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe und Logistik. An der Börse geriet die Aktie nach der Mitteilung unter Druck.

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Wienerberger reduziert Ergebnisziel um bis zu 170 Millionen Euro

Die erneute Prognosekorrektur verdeutlicht, wie stark sich die Erwartungen des Konzerns innerhalb weniger Monate verändert haben. Anfang des Jahres hatte Wienerberger für 2026 noch ein operatives EBITDA von rund 810 Millionen Euro angekündigt. Im Juli reduzierte das Management die Zielgröße auf ungefähr 700 Millionen Euro. Mit der Mitteilung vom 6. Oktober folgte eine weitere Absenkung auf 640 bis 650 Millionen Euro.

Gegenüber der ursprünglichen Planung liegt das erwartete operative Ergebnis damit um 160 bis 170 Millionen Euro niedriger. Das entspricht einer Reduzierung um rund 20 Prozent. Auch das Ergebnis des Vorjahres könnte deutlich unterschritten werden. 2025 hatte Wienerberger ein operatives EBITDA von rund 754 Millionen Euro erwirtschaftet. Das EBITDA bezeichnet das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und ist nicht mit dem Nettogewinn gleichzusetzen.

Für das dritte Quartal 2026 erwartet das Unternehmen Umsatzerlöse zwischen 1,2 und 1,3 Milliarden Euro. Das operative EBITDA soll zwischen 170 und 180 Millionen Euro liegen. Diese Werte sind vorläufige Erwartungen und noch keine endgültigen Quartalsergebnisse.

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Wohnungsneubau in wichtigen Märkten bleibt schwach

Besonders problematisch entwickelt sich das Geschäft mit Neubauten in Großbritannien, den USA und Kanada. Nach Angaben des Unternehmens blieb die saisonale Belebung der Bauaktivität im September hinter den Erwartungen zurück. Dadurch waren Produktionsanlagen in verschiedenen Geschäftsbereichen weiterhin schwächer ausgelastet.

Gleichzeitig verteuerten sich seit Ende August Energie, Rohstoffe und Transportleistungen erheblich. Wienerberger reagierte mit zusätzlichen Vertriebsmaßnahmen, Preisanpassungen und einem verschärften Sparkurs. Die Belastungen ließen sich damit im dritten Quartal jedoch nicht vollständig ausgleichen.

Bereits im August hatte der Konzern auf hohe Finanzierungskosten und Probleme bei der Bezahlbarkeit von Wohnraum hingewiesen. Diese Faktoren erschweren Investitionen sowohl für private Bauherren als auch für größere Immobilienentwickler. Die erhoffte Erholung des Wohnungsneubaus blieb insbesondere in Nordamerika und Großbritannien aus.

Umsatzwachstum reicht nicht aus, um Ergebnisrückgang zu verhindern

Die Schwierigkeiten hatten sich schon in den Zahlen für das zweite Quartal abgezeichnet. Zwar steigerte Wienerberger seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Das operative EBITDA sank allerdings von 253 auf 230 Millionen Euro.

Damit verringerte sich auch die operative EBITDA-Marge von 20,3 auf 16,3 Prozent. Der Gewinn nach Steuern ging von 103 auf 31 Millionen Euro zurück. Das Unternehmen erzielte somit höhere Erlöse, konnte daraus aber deutlich weniger Gewinn erwirtschaften.

Ein Teil des Umsatzwachstums entstand durch Übernahmen. Nach Unternehmensangaben stammten sieben Prozentpunkte des Wachstums aus dem bestehenden Geschäft und sechs Prozentpunkte aus Akquisitionen. Mehr als 60 Prozent der Konzernerlöse entfielen inzwischen auf die vergleichsweise stabileren Bereiche Sanierung und Infrastruktur.

Auch die Finanzlage spielt bei den eingeleiteten Maßnahmen eine Rolle. Ende Juni 2026 beliefen sich die Nettoschulden auf rund 2,4 Milliarden Euro, verglichen mit 2,0 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Wienerberger will seine Kostenoptimierung deshalb beschleunigen und die Verschuldung reduzieren.

Wienerberger Aktie verliert nach Prognosesenkung deutlich

Die Wienerberger Aktie reagierte am 6. Oktober mit einem deutlichen Kursverlust. Nach den offiziellen historischen Kursdaten der Wiener Börse schloss das Papier an diesem Tag bei 16,06 Euro. Gegenüber dem vorherigen Schlusskurs von 16,69 Euro entsprach das einem Rückgang um 3,77 Prozent.

Am folgenden Handelstag setzte sich die Abwärtsbewegung fort. Am 7. Oktober sank der Schlusskurs um weitere 3,49 Prozent auf 15,50 Euro. Am 8. Oktober erreichte die Aktie zwischenzeitlich 15,04 Euro.

Am Freitag, 16. Oktober, zeigte sich dagegen eine Erholung. Die Aktie beendete den Handel an der Wiener Börse um 17:35 Uhr bei 16,04 Euro. Das bedeutete ein Tagesplus von 1,20 Prozent gegenüber dem vorherigen Schlusskurs von 15,85 Euro. Die Kursdaten stammen von der Wiener Börse, ISIN AT0000831706.

Ebenfalls am 16. Oktober reduzierte die Schweizer Großbank UBS ihr Kursziel für Wienerberger von 18,00 auf 14,50 Euro. Analyst Julian Radlinger bestätigte zugleich seine bisherige Verkaufseinstufung. Die Bank senkte ihre Gewinnerwartungen für die kommenden Geschäftsjahre. Dabei handelt es sich um Analystenschätzungen und nicht um vom Unternehmen bestätigte künftige Ergebnisse.

Bauwirtschaft in Europa weiter unter Druck

Die Entwicklung des Baustoffherstellers steht im Zusammenhang mit einer weiterhin angespannten Bauwirtschaft in Europa. Nach den am 18. September veröffentlichten Eurostat-Zahlen lag die Bauproduktion im Euroraum im Juli 2026 um 2,0 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Innerhalb der Europäischen Union lag der Rückgang bei 1,8 Prozent.

Besonders ausgeprägt war die Schwäche beim Hochbau. Die Produktion in diesem Bereich sank im Euroraum gegenüber Juli 2025 um 6,4 Prozent. Der Tiefbau entwickelte sich mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent dagegen etwas besser. Diese Unterschiede passen zu der von Wienerberger beschriebenen stabileren Nachfrage bei Infrastrukturprojekten gegenüber dem Wohnungsneubau.

Deutsche Baugenehmigungen zeigen erste positive Entwicklung

Für Deutschland ergibt sich ein differenzierteres Bild. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom 16. Oktober zeigen einen Anstieg der Baugenehmigungen. Im August 2026 wurden bundesweit 20.600 Wohnungen genehmigt. Das waren 6,8 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahresmonat.

Von Januar bis August wurden insgesamt 169.400 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt, ein Zuwachs von 12,1 Prozent. Bei neuen Wohngebäuden stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen um 12,7 Prozent auf 137.500. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit 14,5 Prozent aus.

Allerdings sind Baugenehmigungen nicht mit fertiggestellten Wohnungen oder einer unmittelbar höheren Baustoffnachfrage gleichzusetzen. Zwischen Genehmigung, Baubeginn und tatsächlicher Bauausführung können längere Zeiträume liegen. Wienerberger hatte für das erste Halbjahr zudem berichtet, dass der Wohnungsneubau in Deutschland und Frankreich hinter den Erwartungen geblieben sei.

Konzern überprüft Strategie und verschärft Sparkurs

Interimschef Gerhard Hanke hat neben zusätzlichen Kostensenkungen eine umfassende strategische Überprüfung der Geschäftsbereiche eingeleitet. Im Mittelpunkt stehen nach Unternehmensangaben eine höhere Rentabilität, eine geringere Verschuldung und eine bessere Kapitalrendite.

Wienerberger betreibt mehr als 200 Produktionsstandorte in 28 Ländern und beschäftigt weltweit über 20.000 Menschen. Neben Ziegeln und Dachbaustoffen produziert der Konzern unter anderem Rohrsysteme und Lösungen für die Wasser- und Energieinfrastruktur. Das Unternehmen hat seine Geschäftstätigkeit in den vergangenen Jahren durch Übernahmen stärker auf Renovierung und Infrastruktur ausgerichtet.

Der nächste wichtige Termin ist der 12. November 2026. Dann will Wienerberger die Ergebnisse für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres veröffentlichen. Zugleich soll es weitere Informationen zur strategischen Überprüfung und zu den verschärften Maßnahmen zur Kostenoptimierung geben.

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