
Trockenheit und hohe Temperaturen haben zahlreiche junge Weihnachtsbäume in Deutschland geschädigt. Besonders aus Hessen melden Erzeuger erhebliche Verluste. Für Verbraucher könnten die Folgen sowohl bei den Preisen in diesem Jahr als auch beim Angebot in den kommenden Jahren spürbar werden. Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger erwartet für die Saison 2026 höhere Preise, sieht die Versorgung zum diesjährigen Weihnachtsfest aber grundsätzlich gesichert.
In mehreren Regionen Hessens haben Hitze und ausbleibender Regen deutliche Spuren in Weihnachtsbaumkulturen hinterlassen. Besonders betroffen sind junge Tannen und Fichten, deren Wurzeln noch nicht tief genug reichen, um längere Trockenperioden zu überstehen.
Im südhessischen Odenwald berichtet ein Erzeuger aus Wald-Michelbach von erheblichen Schäden. Nach seinen Angaben sind rund 50 Prozent seiner nicht bewässerten Bäume abgestorben. Von anderen Betrieben nennt er sogar noch höhere Verluste. Dabei handelt es sich um Angaben zu einzelnen Beständen, nicht um eine bundesweite Schadensbilanz.
Auch im Kreis Groß-Gerau kämpfen Weihnachtsbaumproduzenten mit den Folgen des Sommers. Ein Betrieb in Ginsheim rechnet auf einer untersuchten Anbaufläche mit Ausfällen von 30 bis 40 Prozent. Andere Produzenten mussten bereits vertrocknete Jungpflanzen entfernen und durch neue Setzlinge ersetzen.
Unabhängig von den regionalen Trockenschäden zeichnet sich für die Weihnachtsbaumsaison 2026 ein höheres Preisniveau ab. Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger erwartet für die beliebte Nordmanntanne Endkundenpreise zwischen 25 und 33 Euro je Meter. Im vergangenen Jahr hatte die prognostizierte Spanne noch bei 23 bis 30 Euro gelegen.
Auch bei anderen Baumarten müssen Verbraucher mit höheren Preisen rechnen. Für Blaufichten nennt der Verband 17 bis 22 Euro je Meter, für Rotfichten 14 bis 19 Euro.
Verantwortlich dafür sind nach Angaben der Branche vor allem gestiegene Lohnkosten, höhere Ausgaben für Transport, Energie und Betriebsmittel sowie der zunehmende Aufwand bei der Pflege der Kulturen. Einzelne Erzeuger wollen zudem ihre Verluste durch beschädigte Bäume bei der Preisgestaltung berücksichtigen.
Wie viel ein Weihnachtsbaum tatsächlich kostet, hängt weiterhin von der Region, der Größe, der Baumart und der Qualität ab.
Trotz der Schäden erwartet der Bundesverband keine allgemeine Knappheit für das bevorstehende Weihnachtsfest. Die meisten Bäume, die im Dezember verkauft werden sollen, wachsen bereits seit mehreren Jahren und verfügen über ein besser entwickeltes Wurzelsystem als frisch gepflanzte Setzlinge.
Zwar wurden regional auch bei größeren Bäumen Schäden durch Sonne und Trockenheit festgestellt. Insgesamt beurteilt der Verband den Zustand der für 2026 vorgesehenen Weihnachtsbäume jedoch als vergleichsweise robust.
Gleichzeitig geht das Angebot an natürlichen Weihnachtsbäumen in Deutschland nach Einschätzung der Erzeugerverbände seit mehreren Jahren zurück. Einige Betriebe verkleinern ihre Anbauflächen, andere stellen die Produktion vollständig ein. Neben steigenden Kosten spielt dabei auch die fehlende Betriebsnachfolge eine Rolle.
Die größten langfristigen Risiken entstehen durch die Schäden an den jungen Pflanzen. Weihnachtsbäume benötigen mehrere Jahre, bis sie eine handelsübliche Größe erreichen. Nach Angaben des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen dauert es nach dem Auspflanzen durchschnittlich sechs bis acht Jahre, bis eine Nordmanntanne etwa zwei Meter hoch ist.
Der Bundesverband geht deshalb davon aus, dass sich die Folgen der diesjährigen Ausfälle vor allem in sieben bis acht Jahren zeigen könnten. Damit wären insbesondere die Weihnachtsbaumsaisons 2033 und 2034 betroffen.
Wie stark das spätere Angebot tatsächlich zurückgeht, lässt sich derzeit nicht beziffern. Entscheidend wird unter anderem sein, wie viele beschädigte Pflanzen ersetzt werden können und wie sich die Witterungsbedingungen in den kommenden Jahren entwickeln.
Auch außerhalb Deutschlands gibt es entsprechende Probleme. Der Bundesverband verweist auf Meldungen über Trockenschäden an jungen Weihnachtsbäumen in Österreich und Irland.
Die wiederkehrenden Trockenperioden erschweren zunehmend den Anbau. Bereits in den Jahren 2018 bis 2020 und danach wurden nach Angaben des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen bei Neuanpflanzungen teilweise Ausfälle von bis zu 80 Prozent festgestellt.
Eine zusätzliche Bewässerung kann helfen, ist für viele Betriebe allerdings wirtschaftlich oder technisch kaum umsetzbar. Wasserverfügbarkeit, Speicheranlagen und der Arbeitsaufwand setzen dem Schutz der Kulturen Grenzen.
Für Verbraucher bedeutet die Entwicklung zunächst vor allem steigende Preise, nicht aber einen generellen Mangel an Weihnachtsbäumen. Für die Erzeuger ist die Situation langfristig schwieriger: Wenn junge Bäume vertrocknen, fehlen sie möglicherweise erst viele Jahre später bei der Ernte.
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