
Die Eisengießerei Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern soll zum Jahresende schließen. Die Breyden-Gruppe hat ihre Entscheidung nach erneuten Gesprächen mit der Landesregierung bekräftigt. Rund 300 Beschäftigte müssen damit um ihre Arbeitsplätze fürchten. Wirtschaftsminister Wolfgang Blank kritisiert das Vorgehen des Unternehmens deutlich. Betriebsrat und IG Metall setzen sich weiterhin für den Erhalt des Standorts ein. Für Montag, 19. Oktober 2026, ist eine weitere Mahnwache angekündigt.
Bei einem Treffen in Berlin am Freitag, 16. Oktober, berieten Vertreter der Breyden-Gruppe mit Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank und Ueckermündes Bürgermeister Tino Spiegelberg über die Zukunft des Werks. Eine Einigung über dessen Fortführung kam nicht zustande. Die Geschäftsführung bestätigte anschließend ihre Absicht, die Produktion zum 31. Dezember 2026 einzustellen. Bereits am 2. Oktober waren die Beschäftigten über die Schließungsentscheidung informiert worden.
Breyden-Geschäftsführer Sebastian Simon begründet die Entscheidung mit der wirtschaftlichen Lage des Standorts. Nach seiner Darstellung reichen die Aufträge nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Besonders die Energie- und Personalkosten, der Wettbewerb mit Herstellern aus China sowie die hohen Transportkosten für benötigtes Altmetall belasteten den Betrieb. Die Gießerei stellt vor allem Gussteile für Fahrzeugbremsen her. Versuche, zusätzliche Kunden zu gewinnen und die Produktion zu modernisieren, hätten nicht zu einer ausreichenden Verbesserung geführt. Die Breyden-Gruppe will sich stattdessen auf andere Standorte konzentrieren, darunter das Werk in Neunkirchen im Saarland.
Wirtschaftsminister Wolfgang Blank hält die angekündigte Schließung für unverantwortlich. Er kritisierte insbesondere, dass der Standort aus seiner Sicht „Knall auf Fall“ aufgegeben werden solle. Dabei gehe es nicht allein um die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens, sondern auch um die Auswirkungen auf Beschäftigte und ihre Familien. „Dieser Verantwortung muss das Unternehmen gerecht werden“, erklärte Blank gegenüber dem NDR.
Die Entscheidung trifft eine Region, in der die Gießerei ein bedeutender industrieller Arbeitgeber ist. Erst 2025 war der Standort von Breyden übernommen worden. Noch Mitte September hatte Blank die Eisengießerei besucht, um über wirtschaftliche Herausforderungen und Zukunftsperspektiven zu sprechen. Nach Darstellung der IG Metall war bei diesem Besuch keine bevorstehende Schließung angekündigt worden. Betriebsrat und Gewerkschaft haben inzwischen externe Fachleute eingeschaltet, um die wirtschaftliche Situation zu bewerten und Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb zu entwickeln. Auch Bürgermeister Spiegelberg unterstützt diese Bemühungen.
Am Montag, 19. Oktober, soll eine Mahnwache vor der Gießerei stattfinden. Damit wollen Beschäftigte und Unterstützer erneut gegen die geplante Stilllegung protestieren. Bereits Anfang Oktober hatte es eine Protestaktion vor dem Betrieb gegeben. Für Mittwoch, 21. Oktober, ist der Beginn der Verhandlungen über einen Sozialplan vorgesehen. Dabei geht es um Regelungen für die Beschäftigten, die von der Schließung betroffen wären.
Wie viele Menschen ihren Arbeitsplatz tatsächlich verlieren würden, wird unterschiedlich beziffert. Die IG Metall nennt 283 Beschäftigte, während das Unternehmen bei der ursprünglichen Ankündigung von 320 Arbeitsplätzen gesprochen hatte. Eine Beschäftigungsperspektive könnte sich für einen Teil der Belegschaft in der nahe gelegenen Eisengießerei Torgelow ergeben. Die dortige Silbitz Group hat Interesse signalisiert, qualifizierte Arbeitskräfte aus Ueckermünde zu übernehmen. Nach Unternehmensangaben ist der Standort Torgelow bis 2030 mit Aufträgen ausgelastet. Wie viele Beschäftigte dort eine neue Stelle finden könnten, ist bislang offen.
Für die Gießerei in Ueckermünde bleibt die Lage damit angespannt. Während die Breyden-Gruppe ihre Schließungsentscheidung wirtschaftlich begründet und daran festhält, wollen Arbeitnehmervertreter und Kommunalpolitik mögliche Alternativen weiter prüfen. Zugleich beginnen die Vorbereitungen für die sozialen Folgen einer Stilllegung, die nach dem Willen des Unternehmens bereits in gut zwei Monaten erfolgen soll.
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