EU will mit künstlicher Intelligenz die Wirtschaft stärken

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Die Europäische Union will künstliche Intelligenz stärker in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen einsetzen und dadurch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Mit einem KI-Gipfel in Dublin hat am 14. Oktober 2026 der europäische KI-Innovationsmonat begonnen. Bis Mitte November stehen Anwendungen, Investitionen und die technologische Eigenständigkeit Europas im Mittelpunkt. Die EU will damit auch gegenüber den USA und China aufholen.

Anzeige

Wie groß das wirtschaftliche Potenzial ist, verdeutlicht eine neue Untersuchung der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission. Demnach nutzten 2025 rund 18 Prozent der Unternehmen in strategisch wichtigen europäischen Wirtschaftsbereichen künstliche Intelligenz. Im Jahr 2021 waren es lediglich sieben Prozent. Trotz des deutlichen Anstiegs ist die Technologie damit in vielen Branchen noch nicht flächendeckend angekommen.

Neue EU-Zahlen zeigen erhebliche Unterschiede zwischen Branchen

Besonders verbreitet ist künstliche Intelligenz nach der Untersuchung in der Kultur- und Medienwirtschaft. Dort setzen bereits 38 Prozent der Unternehmen entsprechende Technologien ein. Im Energiesektor liegt der Anteil bei 34 Prozent, in der elektronischen Kommunikation bei 30 Prozent. Deutlich geringer ist die Nutzung dagegen unter anderem in der Landwirtschaft, im Tourismus und im Verkehrsbereich. Über sämtliche untersuchten Wirtschaftsbereiche hinweg lag der Anteil der KI nutzenden Unternehmen 2025 bei rund 20 Prozent.

Die Untersuchung zeigt außerdem, dass viele Betriebe KI bislang vor allem für vergleichsweise einfache Aufgaben wie die Erstellung von Texten, Marketing oder Vertrieb verwenden. Eine tiefere Einbindung in industrielle Produktionsprozesse ist weniger verbreitet. Als wesentliche Hindernisse nennt die EU-Forschungsstelle fehlendes Fachwissen und rechtliche Unsicherheiten, insbesondere beim Datenschutz. Gerade bei komplexen industriellen Anwendungen sieht sie deshalb zusätzlichen Unterstützungsbedarf.

Anzeige

Milliardeninvestitionen sollen Europas KI-Infrastruktur ausbauen

Die KI-Pläne der EU setzen sowohl bei Unternehmen als auch beim Ausbau der technischen Infrastruktur an. Grundlage ist der im April 2025 vorgestellte Aktionsplan für einen europäischen KI-Kontinent. Über die Initiative InvestAI sollen insgesamt 200 Milliarden Euro an Investitionen mobilisiert werden. Davon sind 20 Milliarden Euro für besonders leistungsfähige KI-Rechenzentren vorgesehen. Diese Summen beschreiben angestrebte öffentliche und private Investitionen, nicht bereits vollständig ausgezahlte EU-Fördermittel.

Geplant sind außerdem mindestens 19 sogenannte KI-Fabriken, die Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups den Zugang zu leistungsfähigen Rechenkapazitäten erleichtern sollen. Bis zu fünf größere KI-Gigafabriken sollen darüber hinaus die Entwicklung besonders komplexer KI-Modelle unterstützen. Für diese Großprojekte wurde im Juli 2026 eine offizielle Ausschreibung veröffentlicht. Nach der vorläufigen Planung der EU-Kommission soll der Bau der ersten Gigafabrik 2027 beginnen.

Mit ihrer bereits im Oktober 2025 vorgestellten Strategie „Apply AI“ will die Kommission die Technologie gezielt in wichtigen Wirtschaftsbereichen verbreiten. Dazu zählen unter anderem die Automobilindustrie, das Gesundheitswesen, die Landwirtschaft, die Energieversorgung und die öffentliche Verwaltung. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen sollen Unterstützung erhalten. Die Strategie sieht außerdem vor, europäische und quelloffene KI-Lösungen stärker zu berücksichtigen.

Europa setzt auf eigene Technologie und klare Regeln

Neben Investitionen verfolgt Brüssel das Ziel, die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologieanbietern zu verringern. Ein Baustein ist der im Juni 2026 vorgelegte Vorschlag für ein europäisches Gesetz zur Entwicklung von Cloud- und KI-Infrastruktur. Damit sollen Investitionen in Rechenzentren erleichtert, europäische Kapazitäten ausgebaut und die technologische Eigenständigkeit gestärkt werden. Dabei handelt es sich bislang um einen Gesetzesvorschlag. Parallel soll der europäische AI Act einen rechtlichen Rahmen für den sicheren Einsatz künstlicher Intelligenz schaffen.

Wie die wirtschaftlichen Chancen besser genutzt werden können, steht auch im Mittelpunkt des europäischen KI-Innovationsmonats. Nach der Auftaktveranstaltung in Dublin folgen weitere Fachveranstaltungen zu Forschung, Wirtschaft und praktischen Anwendungen. Den Abschluss bildet am 17. November 2026 ein europäischer KI-Gipfel in Brüssel. Dort sollen unter anderem Einsatzmöglichkeiten für Industrie, Gesundheitsversorgung und Verwaltung vorgestellt und weitere Umsetzungsschritte diskutiert werden. Damit rückt für die EU zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie aus Forschungsergebnissen und Investitionsprogrammen konkrete wirtschaftliche Anwendungen entstehen können.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu