Nach 115 Jahren: Villiger gibt Zigarrenfertigung am Hochrhein auf

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der Schweizer Zigarrenhersteller Villiger beendet eine mehr als hundertjährige Produktionstradition in Baden-Württemberg. Die Zigarrenproduktion in Waldshut-Tiengen soll bis Ende 2027 vollständig eingestellt und ins Ausland verlagert werden. Damit fallen rund 40 der derzeit 190 Arbeitsplätze am Standort weg. Das Unternehmen will sich allerdings nicht vollständig aus der Stadt zurückziehen. Logistik, Verpackung und Vertrieb sollen erhalten bleiben.

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Villiger verlagert Produktion in die Schweiz und nach Indonesien

Die Herstellung von Zigarren und Zigarillos soll schrittweise auf zwei bestehende Produktionsstätten verteilt werden. Ein Teil der Fertigung wandert an den Schweizer Unternehmenssitz in Pfeffikon im Kanton Luzern. Weitere Produktionskapazitäten werden im indonesischen Jember auf der Insel Java gebündelt. Spätestens Ende 2027 soll die Herstellung am deutschen Standort auslaufen. Ein genauer Zeitplan für die einzelnen Verlagerungsschritte wurde zunächst nicht genannt.

Villiger begründet die Entscheidung mit Überschneidungen im Produktsortiment und bei den Fertigungsabläufen. Hinzu komme ein verändertes Marktumfeld. Konzernchef Christoph Schüpbach, der seit Juni 2026 an der Spitze des Unternehmens steht, erklärte: „Die Konsolidierung der Produktion ist ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen für die Zukunft besser aufzustellen.“ Damit setzt der traditionsreiche Hersteller auf eine stärkere Bündelung seiner internationalen Fertigung.

Rund 40 Arbeitsplätze fallen in Waldshut-Tiengen weg

Für die Beschäftigten hat die Entscheidung erhebliche Konsequenzen. Von den derzeit etwa 190 Stellen in Waldshut-Tiengen sollen rund 40 entfallen. Villiger will den Personalabbau nach eigenen Angaben möglichst über reguläre Personalabgänge, Pensionierungen und Versetzungen innerhalb des Unternehmens abwickeln. Betriebsbedingte Kündigungen sind jedoch nicht ausgeschlossen. Wie viele Beschäftigte tatsächlich ihren Arbeitsplatz verlieren oder eine andere Tätigkeit übernehmen können, stand zunächst nicht fest.

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Der Standort selbst bleibt bestehen, erhält aber eine veränderte Funktion. Künftig sollen dort Zigarren und Zigarillos für den europäischen Markt verpackt, etikettiert und für den Versand vorbereitet werden. Auch die Logistik und der Vertrieb sollen weiterhin in Waldshut-Tiengen angesiedelt sein. Damit endet die industrielle Herstellung vor Ort, während andere Geschäftsbereiche fortgeführt werden. Von einer vollständigen Werksschließung oder einem kompletten Rückzug Villigers aus Deutschland kann deshalb keine Rede sein.

Traditionsunternehmen produziert seit 1911 in Deutschland

Die Wurzeln des Schweizer Familienunternehmens reichen bis ins Jahr 1888 zurück. Damals gründete Jean Villiger im schweizerischen Pfeffikon eine Zigarrenfabrik. Nach seinem Tod übernahm seine Ehefrau Louise die Geschäftsführung und trieb die Expansion nach Deutschland voran. Seit 1911 ist Villiger mit seiner Zigarrenproduktion in Tiengen vertreten. Mit der geplanten Verlagerung endet dort eine Fertigungstradition von 115 Jahren zum Zeitpunkt der Ankündigung und mehr als 116 Jahren bis zur vorgesehenen Einstellung Ende 2027.

Villiger gehört zu den international tätigen europäischen Zigarrenherstellern. Nach Unternehmensangaben aus dem Jahr 2025 produziert die Gruppe jährlich rund eine Milliarde Zigarren und Zigarillos, beschäftigt weltweit mehr als 1.200 Menschen und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 140 Millionen Schweizer Franken. Die Produkte werden in rund 80 Länder exportiert. Neben dem Schweizer Stammwerk und den Produktionsstätten in Indonesien und Nicaragua verfügt Villiger auch über einen weiteren deutschen Fertigungsstandort in Bünde in Nordrhein-Westfalen.

Die Entscheidung in Waldshut-Tiengen bedeutet somit nicht das Ende sämtlicher deutscher Produktionsaktivitäten des Konzerns. Sie verändert jedoch die Rolle des traditionsreichen Standorts am Hochrhein grundlegend. Während die Herstellung künftig stärker auf andere Werke konzentriert wird, soll Waldshut-Tiengen eine wichtige Funktion bei der Vorbereitung und Auslieferung der Produkte für den europäischen Markt behalten.

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