Bundesbank erwartet länger anhaltende Inflation in Deutschland

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Die Verbraucherpreise in Deutschland dürften auch im kommenden Jahr deutlich unter Druck bleiben. Das geht aus einer am Montag, 19. Oktober 2026, veröffentlichten Analyse der Deutschen Bundesbank hervor. Die Notenbank rechnet damit, dass die Inflation in Deutschland bis ins Jahr 2027 hinein merklich erhöht bleibt. Ausschlaggebend sind vor allem die gestiegenen Energiekosten, deren Auswirkungen sich bislang nur teilweise in den Preisen anderer Waren und Dienstleistungen niedergeschlagen haben.

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Im September erreichte die deutsche Inflationsrate nach endgültigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 3,3 Prozent. Im August hatte sie noch bei 2,9 Prozent gelegen. Der Septemberwert war der höchste seit Dezember 2023. Die Bundesbank sieht zwar gegenwärtig keine Anzeichen für eine Wiederholung des außergewöhnlich starken Inflationsschubs von 2022, erwartet aber eine längere Phase erhöhter Teuerung.

Energiepreise bleiben wichtigster Inflationstreiber

Vor allem der Krieg im Nahen Osten und die Einschränkungen des Öltransports durch die Straße von Hormus haben die Energiepreise erheblich steigen lassen. Nach Berechnungen der Bundesbank verteuerte sich Rohöl seit Beginn der Eskalation um rund 70 Prozent. Hinzu kommen Produktionsausfälle in Raffinerien und Engpässe bei Mineralölprodukten. Dadurch stiegen insbesondere die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl deutlich. Auch die zusätzlichen Kosten der Verarbeitung von Rohöl verstärken den Preisauftrieb.

Das Ausmaß zeigen die aktuellen Verbraucherpreisdaten von Destatis. Energieprodukte kosteten im September 2026 durchschnittlich 14,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Kraftstoffe verteuerten sich um 37,1 Prozent, leichtes Heizöl sogar um 74,9 Prozent. Gleichzeitig lagen die Verbraucherpreise für Strom um 5,5 Prozent und für Erdgas um 2,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der gegenwärtige Inflationsanstieg konzentriert sich damit wesentlich stärker auf Mineralölprodukte als auf sämtliche Energiearten.

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Die Bundesbank warnt allerdings vor verzögerten Auswirkungen. Höhere Großhandelspreise für Gas und Strom erreichen private Haushalte häufig erst nach einiger Zeit, beispielsweise durch neue Tarife oder auslaufende Preisbindungen. Auch steigende Produktions- und Transportkosten könnten sich schrittweise auf andere Bereiche übertragen. Die im Juni veröffentlichte Bundesbank-Prognose ging deshalb von einer durchschnittlichen harmonisierten Inflationsrate von 2,9 Prozent für 2026 und 2,7 Prozent für 2027 aus. Erst 2028 sollte die Rate demnach auf 1,9 Prozent sinken.

Lebensmittel und Dienstleistungen könnten später teurer werden

Die Auswirkungen der hohen Energiekosten sind bislang nicht im gesamten Warenkorb der Verbraucher angekommen. Nahrungsmittel verteuerten sich im September nach Destatis-Angaben gegenüber dem Vorjahresmonat lediglich um 0,4 Prozent. Die Kerninflation, bei der Energie und Nahrungsmittel nicht berücksichtigt werden, lag bei 2,4 Prozent. Die Bundesbank geht jedoch davon aus, dass höhere Kosten für Energie, Düngemittel, Produktion und Logistik mit zeitlicher Verzögerung auch die Lebensmittelpreise beeinflussen können.

Ähnliches gilt für andere Konsumgüter. Unternehmen können steigende Kosten zunächst durch bestehende Lieferverträge, Lagerbestände oder geringere Gewinnmargen abfedern. Mit der Zeit könnten zusätzliche Belastungen allerdings an die Kunden weitergegeben werden. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem von der Nachfrage, den internationalen Lieferbedingungen und der Entwicklung der Energiepreise ab. Im Dienstleistungssektor spielen außerdem die Lohnkosten eine wichtige Rolle. Dort lag die Teuerungsrate nach dem nationalen Verbraucherpreisindex im September bei 2,7 Prozent.

Ein wesentlicher Unterschied zur Hochinflationsphase 2021 und 2022 besteht in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Damals trafen Energiepreisschocks auf erhebliche Lieferengpässe, stark steigende Lebensmittelrohstoffpreise und eine zeitweise hohe Nachfrage. Gegenwärtig sind die Lieferketten weniger angespannt, während der Konsum schwächer ausfällt. Auch die bisherigen Preissteigerungen bei Erdgas und Strom erreichen nicht das damalige Ausmaß. Die Bundesbank hält einen vergleichbar starken Inflationsschub deshalb derzeit für unwahrscheinlich. Allerdings könnten eine weitere Eskalation im Nahen Osten oder zusätzliche Störungen der Energieversorgung die Aussichten verschlechtern.

Anhaltende Inflation erhöht den Druck auf die EZB

Die Entwicklung betrifft nicht nur Deutschland. Nach Angaben von Eurostat stieg die Inflationsrate im Euroraum im September auf 3,8 Prozent, nach 3,2 Prozent im August. Damit entfernt sich die Teuerung weiter vom mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent. Die EZB hatte ihre Leitzinsen zuletzt im September um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der für Banken maßgebliche Einlagenzins liegt seitdem bei 2,50 Prozent.

Auch die jüngsten Projektionen der EZB lassen eine längere Phase erhöhter Inflation erwarten. Für den gesamten Euroraum rechnet die Notenbank im Basisszenario mit durchschnittlich 3,0 Prozent im Jahr 2026, 2,5 Prozent im Jahr 2027 und 2,1 Prozent im Jahr 2028. Weitere Zinsentscheidungen will der EZB-Rat von der wirtschaftlichen Entwicklung und den Inflationsaussichten abhängig machen. Eine automatische Fortsetzung der Zinserhöhungen ergibt sich aus den aktuellen Prognosen nicht. Bleibt der Preisdruck jedoch länger bestehen, könnte das den Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik begrenzen.

Für Verbraucher bedeutet die Entwicklung vor allem, dass ihre Kaufkraft weiter belastet werden könnte. Steigen die Einkommen nicht im gleichen Umfang wie die Lebenshaltungskosten, sinkt die Menge der Waren und Dienstleistungen, die sich Haushalte leisten können. Eine niedrigere Inflationsrate bedeutet zudem nicht automatisch fallende Preise, sondern zunächst nur einen langsameren Anstieg. Die Bundesbank erwartet, dass die Folgen des aktuellen Energiepreisschocks noch längere Zeit in den Verbraucherpreisen sichtbar bleiben.

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