
Die Tarifbeschäftigten von Mercedes-Benz in Deutschland erhalten auch 2026 Weihnachtsgeld. Trotz des verschärften Sparkurses hält der Stuttgarter Automobilhersteller an der tariflich vereinbarten Sonderzahlung fest. Sie beträgt je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit zwischen 25 und 55 Prozent eines Monatsentgelts und wird mit dem Novembergehalt ausgezahlt. Das bestätigte eine Konzernsprecherin am Montag, 19. Oktober 2026. Erst im Juni hatte Mercedes-Benz eine andere tarifliche Sonderzahlung für rund 90.000 Beschäftigte auf das kommende Jahr verschoben.
Das Weihnachtsgeld bei Mercedes-Benz richtet sich nach den tariflichen Bestimmungen der Metall- und Elektroindustrie. Die Höhe hängt vom individuellen Monatsentgelt und von der Dauer der Betriebszugehörigkeit ab. Beschäftigte mit einer längeren Unternehmenszugehörigkeit erhalten entsprechend einen höheren Prozentsatz ihres Monatsverdienstes. Die Konzernsprecherin bestätigte gegenüber IPPEN.MEDIA ausdrücklich, dass diese Regelung auch 2026 bei Mercedes-Benz gilt. Ein genereller Wegfall der Weihnachtsgeldzahlung ist damit für die tariflich Beschäftigten nicht vorgesehen.
Die tarifliche Staffelung sieht nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit 25 Prozent eines Monatsentgelts vor. Nach zwölf Monaten steigt der Anteil auf 35 Prozent, nach 24 Monaten auf 45 Prozent und nach 36 Monaten auf 55 Prozent. Die Beträge verstehen sich brutto. Bei einem maßgeblichen Monatsentgelt von beispielsweise 4.000 Euro entspricht das je nach Anspruchsstufe einer Sonderzahlung zwischen 1.000 und 2.200 Euro brutto. Die tatsächliche Auszahlung hängt von den individuellen Beschäftigungsbedingungen ab. Teilzeitbeschäftigte erhalten die Leistung entsprechend den tariflichen Regelungen anteilig.
Die Auszahlung erfolgt zusammen mit dem Novemberentgelt 2026. Ein davon abweichender konkreter Überweisungstag wurde in der aktuellen Unternehmensauskunft nicht genannt. Das Weihnachtsgeld gehört zu den tariflich geregelten Leistungen und ist von freiwilligen Erfolgsprämien des Unternehmens zu unterscheiden.
Die Bestätigung des Weihnachtsgeldes steht im Gegensatz zu einer anderen Sparmaßnahme, die Mercedes-Benz im Juni 2026 angekündigt hatte. Damals entschied der Konzern, den ursprünglich für Juli vorgesehenen Transformationsbaustein erst 2027 auszuzahlen. Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 90.000 der insgesamt etwa 108.000 Beschäftigten in Deutschland. Die tarifliche Sonderzahlung entspricht 18,4 Prozent des regelmäßigen individuellen Monatsentgelts. Mercedes-Benz begründete die Verschiebung mit den im internationalen Vergleich hohen Produktions- und Arbeitskosten an deutschen Standorten.
Das Transformationsgeld und das Weihnachtsgeld sind zwei unterschiedliche tarifliche Leistungen. Während Mercedes-Benz die Auszahlung des Transformationsbausteins verschoben hat, bleibt die Weihnachtsgeldzahlung für 2026 bestehen. Allerdings waren im September im Zusammenhang mit weiteren Sparverhandlungen auch mögliche Änderungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld genannt worden. Reuters berichtete damals unter Berufung auf die WirtschaftsWoche über Überlegungen, die deutschen Arbeitskosten um bis zu 800 Millionen Euro zu reduzieren. Zu den genannten Möglichkeiten gehörten längere Arbeitszeiten ohne zusätzlichen Lohnausgleich und Veränderungen bei Sonderzahlungen. Mercedes-Benz kommentierte die Spekulationen über die laufenden Gespräche nicht.
Der Sparkurs bei Mercedes-Benz ist Teil einer umfassenden Neuaufstellung des Unternehmens. Der Konzern reagiert damit unter anderem auf den intensiven Wettbewerb auf dem chinesischen Automarkt, internationale Handelsbeschränkungen und den Kostendruck in der Fahrzeugproduktion. Auch die Geschäftszahlen zeigen die Herausforderungen. Im zweiten Quartal 2026 erreichte Mercedes-Benz einen Konzernumsatz von 32,1 Milliarden Euro, nach 33,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das operative Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern stieg dagegen von 1,3 auf 1,5 Milliarden Euro.
Im wichtigen Geschäft mit Pkw sank das bereinigte operative Ergebnis im zweiten Quartal von 1,23 Milliarden auf 909 Millionen Euro. Die bereinigte Umsatzrendite ging von 5,1 auf 4,0 Prozent zurück. Besonders auf dem chinesischen Markt stand Mercedes-Benz unter Druck. Dort verringerte sich der Pkw-Absatz im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 30 Prozent. Zugleich setzt der Konzern auf neue Modelle und eine höhere Produktivität, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Für die Tarifbeschäftigten bedeutet die aktuelle Unternehmensbestätigung, dass sie für November 2026 weiterhin mit der vereinbarten zusätzlichen Zahlung rechnen können. Die konkrete Höhe richtet sich nach ihrem jeweiligen Entgelt und der Dauer ihrer Beschäftigung. Von der Ergebnisbeteiligung, die Mercedes-Benz zusätzlich auf Grundlage des Unternehmenserfolgs gewährt, ist das Weihnachtsgeld unabhängig. Ob sich aus den laufenden Sparverhandlungen Änderungen für spätere Jahre ergeben, war am 19. Oktober noch nicht abschließend geklärt.
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