Vom Ferkelriesen zum Insolvenzfall: LFD Holding in Eigenverwaltung

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Einer der einst größten Ferkelerzeuger Deutschlands ist insolvent. Die LFD Holding GmbH, die früher jährlich rund 1,5 Millionen Ferkel produzierte, befindet sich in einem Insolvenzverfahren. Das Unternehmen hatte über Jahre zahlreiche Schweinezuchtanlagen in mehreren Bundesländern betrieben. Nun geht es um die wirtschaftliche Zukunft der Gesellschaft und die möglichen Folgen für ihre verbliebenen Beteiligungen.

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Amtsgericht Leipzig eröffnet Insolvenzverfahren

Das Amtsgericht Leipzig hat das Insolvenzverfahren über das Vermögen der LFD Holding GmbH am 15. Oktober 2026 eröffnet. Die gerichtliche Entscheidung wurde am folgenden Tag veröffentlicht. Die Insolvenz der LFD Holding wird in Eigenverwaltung abgewickelt. Damit bleibt die Geschäftsführung für die Leitung der Gesellschaft verantwortlich.

Zum Sachwalter bestellte das Gericht den Leipziger Rechtsanwalt Rainer M. Bähr. Er überwacht die Eigenverwaltung und die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Vorgaben. Gläubiger können ihre Forderungen bis zum 9. November anmelden. Für den 17. November ist eine Gläubigerversammlung angesetzt, bei der unter anderem über den weiteren Verlauf des Verfahrens beraten werden soll.

LFD Holding verzeichnet Millionenfehlbetrag

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten spiegeln sich in den veröffentlichten Bilanzzahlen wider. Zum Jahresende 2025 wies die LFD Holding einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 2,4 Millionen Euro aus. Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf etwa 3,86 Millionen Euro, hinzu kamen Rückstellungen von rund 3,78 Millionen Euro.

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Die Bilanzsumme lag bei etwa 7,84 Millionen Euro. Damit war die Gesellschaft bereits vor der Insolvenzeröffnung finanziell erheblich belastet. Welche konkreten Umstände letztlich zur Insolvenz führten, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Einst 400 Beschäftigte und Anlagen in sechs Bundesländern

Die LFD Holding entstand aus der früheren Straathof-Unternehmensgruppe und zählte lange zu den größten Schweinezuchtunternehmen Deutschlands. Im Jahr 2020 wurde die Gruppe nach einer mehrjährigen Restrukturierung an die Schweizer Investmentgesellschaft Terra Grundwerte AG verkauft.

Damals umfasste das Unternehmen 14 Tochtergesellschaften mit etwa 55.000 Sauenplätzen und zehn Biogasanlagen. Rund 400 Menschen arbeiteten für die Gruppe. Die Schweinezuchtanlagen befanden sich in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Bayern. Nach Angaben der seinerzeit am Verkauf beteiligten Unternehmensberatung Centuros wurden jährlich etwa 1,5 Millionen Ferkel produziert.

In den folgenden Jahren veränderte sich die Unternehmensstruktur. Mehrere Betriebe wurden verkauft oder verpachtet. Auch die Zerstörung der großen Schweinezuchtanlage in Alt Tellin in Mecklenburg-Vorpommern durch einen Brand im Jahr 2021 bedeutete einen erheblichen Einschnitt.

Zu den historisch wichtigen Standorten gehört Gladau bei Genthin in Sachsen-Anhalt. Dort hatte der frühere Konzern umfangreiche Schweinezuchtkapazitäten aufgebaut. Bereits 2018 wurde eine Reduzierung der Sauenplätze vereinbart.

Wie viele Standorte heute noch zur insolventen Gesellschaft gehören und welche operativen Betriebe unmittelbar betroffen sind, war zunächst nicht abschließend bekannt. Die veröffentlichte Unternehmensauswertung für 2025 nennt 21 Beschäftigte bei der Holding selbst. Daraus lässt sich jedoch keine aktuelle Beschäftigtenzahl für die gesamte Unternehmensgruppe ableiten.

Schweinehaltung in Deutschland unter wirtschaftlichem Druck

Die Insolvenz fällt in eine schwierige Phase für die Schweinehaltung. Nach Angaben der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch lag der Richtpreis für ein Ferkel mit 25 Kilogramm in der Woche vom 19. bis 25. Oktober bei 28 Euro. In der Vorwoche waren es noch 30 Euro gewesen. Niedrige Erlöse erschweren die wirtschaftliche Situation vieler Erzeuger.

Hinzu kommt ein seit Jahren anhaltender Strukturwandel. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes gab es im Mai 2026 deutschlandweit rund 14.700 schweinehaltende Betriebe. Das waren 40 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Der Schweinebestand lag bei rund 21 Millionen Tieren und damit 22,5 Prozent unter dem Niveau von 2016.

Bereits Ende Juli geriet mit der Geestferkel GmbH aus Niedersachsen ein weiterer großer Ferkelerzeuger in die Insolvenz. Das Unternehmen hatte zuvor mehr als 23 Standorte betrieben und über 180 Menschen beschäftigt.

Entscheidung über weitere Schritte im November

Für die LFD Holding steht nun die weitere wirtschaftliche Entwicklung im Mittelpunkt. Die Eigenverwaltung ermöglicht es, eine Neuordnung der Gesellschaft unter gerichtlicher Aufsicht voranzutreiben. Ob ein Insolvenzplan erstellt wird, ist noch offen.

Auch zu möglichen Standortschließungen, Veränderungen bei Tochtergesellschaften oder einem Abbau von Arbeitsplätzen gibt es bislang keine gesicherten Angaben. Der weitere Verlauf dürfte sich insbesondere nach den Entscheidungen im Insolvenzverfahren und den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Gesellschaft richten.

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