
US-Präsident Donald Trump will Gemeinden stärker am wirtschaftlichen Nutzen großer KI-Rechenzentren beteiligen. Betreiber sollen nach seinen Vorstellungen finanzielle Vereinbarungen mit den betroffenen Kommunen treffen und möglicherweise auch Einwohner direkt bezahlen. Mit dem Vorstoß vom Mittwoch, 21. Oktober 2026, reagiert Trump auf den zunehmenden Widerstand gegen neue Rechenzentren in den USA. Gleichzeitig fordert er, dass große Anlagen ihre Stromversorgung stärker selbst sicherstellen.
In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, Unternehmen sollten Gemeinden oder einzelnen Bewohnern eine Art Dividende zahlen, um die Akzeptanz neuer Rechenzentren zu erhöhen. Nach seiner Darstellung seien zuvor umstrittene Projekte an manchen Standorten auf größere Zustimmung gestoßen, nachdem finanzielle Vereinbarungen getroffen worden seien.
Wie eine solche Dividende für Gemeinden konkret aussehen könnte, führte Trump nicht aus. Offen blieb insbesondere, ob Betreiber regelmäßig Geld an Einwohner auszahlen, kommunale Einrichtungen finanzieren oder andere wirtschaftliche Vorteile gewähren sollen. Auch eine mögliche gesetzliche Verpflichtung zu solchen Zahlungen kündigte er nicht an.
Hinter der Diskussion steht der stark wachsende Energiebedarf der künstlichen Intelligenz. Große Rechenzentren benötigen erhebliche Strommengen für leistungsfähige Prozessoren, Server und Kühlung. Damit entstehen zusätzliche Anforderungen an Kraftwerke, Stromnetze und die Versorgung vor Ort.
Nach einer im Juni 2026 veröffentlichten Untersuchung des Lawrence Berkeley National Laboratory entfielen 2024 schätzungsweise 4,7 Prozent des gesamten amerikanischen Stromverbrauchs auf Rechenzentren. Für 2030 errechneten die Wissenschaftler in ihrem Referenzszenario einen Anteil von 11,8 Prozent. Je nach Entwicklung könnte dieser auch niedriger oder höher liegen.
Trump erklärte nun, große neue Rechenzentren seien von ihm dazu verpflichtet worden, eigenen Strom zu erzeugen und überschüssige Energie an die umliegenden Gemeinden oder das öffentliche Netz abzugeben beziehungsweise zu verkaufen. Dadurch könnten Strompreise seiner Einschätzung nach sogar sinken. Ob und wie diese Vorgabe bundesweit rechtlich durchgesetzt werden soll, blieb zunächst unklar.
Die Diskussion über KI-Rechenzentren in den USA betrifft längst nicht mehr ausschließlich die Technologiebranche. In zahlreichen Regionen wenden sich Einwohner gegen neue Standorte. Zu den häufigsten Bedenken gehören mögliche Strompreiserhöhungen, hoher Wasserverbrauch und Eingriffe in die örtliche Infrastruktur.
Eine Umfrage des Annenberg Public Policy Center der University of Pennsylvania vom August 2026 ergab, dass 61 Prozent der befragten US-Erwachsenen den Bau neuer Rechenzentren in ihrer Umgebung eher oder deutlich ablehnen. Bei einer früheren Befragung im Frühjahr waren es 49 Prozent gewesen.
Auch eine Untersuchung von AP-NORC und der University of Chicago vom September zeigte, dass sich viele Amerikaner Sorgen über mögliche Auswirkungen auf Strompreise, Stromausfälle und die Wasserversorgung machen.
Einzelne Technologieunternehmen haben auf die wachsende Kritik bereits mit eigenen Programmen reagiert. Amazon kündigte unter dem Namen „Built Together“ zusätzliche Investitionen von mehr als einer Milliarde Dollar über fünf Jahre an. Das Geld soll unter anderem in Bildung, Ausbildung, bezahlbare Energie und den Schutz der Wasserversorgung in Standortgemeinden fließen.
Meta hat ebenfalls einen Fonds über eine Milliarde Dollar für amerikanische Gemeinden mit eigenen Rechenzentren eingerichtet. Unterstützt werden sollen Schulen, gemeinnützige Einrichtungen, die lokale Wirtschaft und Umweltprojekte. Beide Programme wurden bereits vor Trumps neuer Äußerung vorgestellt und sind nicht mit einer allgemeinen direkten Gewinnausschüttung an Anwohner gleichzusetzen.
Zudem unterzeichneten Amazon, Google, Meta, Microsoft, OpenAI, Oracle und xAI bereits im März eine Selbstverpflichtung zum Schutz der Stromkunden. Damit sagten die Unternehmen zu, zusätzliche Stromerzeugung bereitzustellen oder zu beschaffen und die erforderlichen Netzausbauten zu finanzieren. Die Kosten sollen nicht auf private Verbraucher abgewälzt werden.
Trumps neuer Vorschlag geht über diese bisherigen Selbstverpflichtungen hinaus, weil er ausdrücklich finanzielle Vorteile für Standortgemeinden oder einzelne Bewohner anspricht. Konkrete zusätzliche Zusagen der großen Technologieunternehmen zu diesem Vorstoß waren zunächst nicht bekannt.
Für die amerikanische Regierung bleibt der Ausbau der KI-Infrastruktur ein wirtschafts- und technologiepolitisches Ziel. Zugleich zeigt die Debatte, dass sich neue Rechenzentren nicht allein durch Investitionszusagen durchsetzen lassen. Auch die Kosten der Energieversorgung und die wirtschaftlichen Vorteile für die Menschen vor Ort gewinnen zunehmend an Bedeutung.
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