
Der österreichische Faserhersteller Lenzing hat seine Kapitalerhöhung abgeschlossen und damit rund 301,2 Millionen Euro eingesammelt. Die bisherigen Aktionäre beteiligten sich in großem Umfang an der Finanzierung. Das Unternehmen will mit dem zusätzlichen Kapital seine Finanzstruktur verbessern, Verbindlichkeiten bedienen und den laufenden Konzernumbau vorantreiben.
Die Kapitalerhöhung bei Lenzing umfasst insgesamt 34.756.362 neue Aktien. Der Bezugspreis lag bei 8,65 Euro je Anteilsschein. Wie das Unternehmen am Mittwoch, 21. Oktober 2026, mitteilte, wurden 34.411.626 Aktien durch die Ausübung von Bezugsrechten übernommen. Das entspricht rund 99 Prozent des Angebots.
Die verbleibenden rund 345.000 Aktien wurden von den beteiligten Konsortialbanken am Markt verkauft. Insgesamt erzielte das Unternehmen einen Bruttoerlös von etwa 301,2 Millionen Euro.
Für bestehende Anteilseigner war die Kapitalerhöhung mit einem umfangreichen Bezugsangebot verbunden. Je zehn bisherige Aktien konnten neun neue Papiere erworben werden. Dadurch erhöht sich die Gesamtzahl der Aktien nach Durchführung der Maßnahme von rund 38,6 Millionen auf etwa 73,4 Millionen. Aktionäre, die sich nicht beteiligten, müssen entsprechend eine Verringerung ihres prozentualen Unternehmensanteils hinnehmen.
Das zusätzliche Geld soll die finanzielle Grundlage für die strategische Neuausrichtung schaffen. Finanzvorstand Mathias Breuer verwies darauf, dass die Kapitalerhöhung zusammen mit weiteren Finanzierungsmaßnahmen dazu beitragen soll, den Verschuldungsgrad zu reduzieren, anstehende finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen und Investitionen in die künftige Unternehmensentwicklung zu ermöglichen.
Unter der Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ will Lenzing insbesondere sein Geschäft mit Vliesstoffen ausbauen. Solche Materialien werden unter anderem in Hygieneprodukten und medizinischen Anwendungen eingesetzt.
Gleichzeitig soll sich das Textilgeschäft stärker auf hochwertige Spezialfasern und ausgewählte Marktsegmente konzentrieren. Auch das Zellstoff- und Bioraffineriegeschäft gehört zu den Bereichen, die das Management weiter stärken will.
Mittelfristig strebt Lenzing eine Verbesserung des operativen Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 150 Millionen Euro an. Die angestrebte EBITDA-Marge liegt bei 20 bis 25 Prozent. Zudem soll die Nettoverschuldung auf weniger als das 2,5-Fache des EBITDA sinken. Dabei handelt es sich um Unternehmensziele, nicht um bereits erreichte Ergebnisse.
Die Kapitalerhöhung wurde maßgeblich von den bisherigen Großaktionären unterstützt. Das Syndikat aus der österreichischen B&C-Gruppe und dem brasilianischen Zellstoffunternehmen Suzano übernahm rund 18,16 Millionen neue Aktien. Dies entspricht etwa 52,25 Prozent des gesamten Bezugsangebots.
Auch die österreichische Oberbank beteiligte sich und zeichnete rund 1,34 Millionen neue Aktien. Ihr Anteil am Bezugsangebot lag bei etwa 3,87 Prozent.
An der grundlegenden Eigentümerstruktur ändert sich damit wenig. Nach den zuvor veröffentlichten Unternehmensangaben soll die B&C-Gruppe nach Abschluss der Transaktion indirekt etwa 39,64 Prozent an Lenzing halten. Auf Suzano entfallen demnach rund 12,60 Prozent. Beide Partner bleiben damit gemeinsam die bestimmenden Aktionäre des Unternehmens.
An der Wiener Börse reagierte die Lenzing-Aktie am Mittwoch mit Kursgewinnen. Gegen 15.43 Uhr notierte das Papier bei 10,78 Euro und damit rund 2,67 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages von 10,50 Euro. Die Kursangaben stammen von der Wiener Börse vom 21. Oktober 2026.
Die Kapitalerhöhung hatte bereits Anfang Oktober deutliche Bewegungen im Aktienkurs ausgelöst. Seit dem 2. Oktober werden die bisherigen Aktien ohne Bezugsrecht gehandelt. Frühere Kursstände sind deshalb nicht ohne Berücksichtigung dieser Kapitalmaßnahme vergleichbar.
Die Abwicklung der Transaktion und die Aufnahme des Handels der neuen Aktien im Prime Market der Wiener Börse sind für Freitag, den 23. Oktober 2026, vorgesehen. Voraussetzung ist die Eintragung der Kapitalerhöhung in das österreichische Firmenbuch.
Für Lenzing beginnt damit die nächste Phase seiner strategischen Neuausrichtung. Die zusätzliche Eigenkapitalbasis schafft finanziellen Spielraum. Ob die geplanten Veränderungen auch zu den angestrebten Ergebnisverbesserungen führen, hängt von ihrer weiteren Umsetzung und der Geschäftsentwicklung ab.
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