
Der Kaffee- und Haushaltswarenhersteller Melitta will nach zwei wirtschaftlich schwierigen Jahren wieder deutlich profitabler werden. In den Geschäftsjahren 2024 und 2025 summierten sich die Verluste auf nahezu 100 Millionen Euro. Für 2026 erwartet die Unternehmensführung dagegen einen Gewinn von mehr als 50 Millionen Euro. Gleichzeitig setzt das traditionsreiche Familienunternehmen auf weitere Einsparungen und den Ausbau seines internationalen Kaffeegeschäfts.
Melitta plant die Gewinnwende nach einer Phase umfangreicher Veränderungen. Jero Bentz, Mitglied der Unternehmensleitung und Urenkel der Firmengründerin, bezifferte die Gewinnerwartung für 2026 gegenüber der Welt am Sonntag auf mehr als 50 Millionen Euro. Auch die Liquidität und die finanziellen Reserven hätten sich verbessert.
Die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahr stützt diese Einschätzung. Nach Unternehmensangaben vom 12. Oktober erreichte das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, das sogenannte EBITDA, in den ersten sechs Monaten knapp 90 Millionen Euro. Damit lag dieser Wert bereits ungefähr auf dem Niveau des gesamten Geschäftsjahres 2025.
Ein abgeschlossenes Jahresergebnis für 2026 liegt allerdings noch nicht vor. Die erwarteten mehr als 50 Millionen Euro Gewinn bleiben damit eine Prognose der Unternehmensführung.
Die Verluste der beiden Vorjahre führten zu umfangreichen Veränderungen innerhalb der Unternehmensgruppe. Am Stammsitz in Minden wurden nach Angaben der Welt am Sonntag rund 150 Arbeitsplätze abgebaut.
Darüber hinaus schloss Melitta ein Werk für Kaffeemaschinen in China und gab die Papierproduktion am Standort Neu Kaliß in Mecklenburg-Vorpommern auf. Auch ein Geschäftsbereich in Italien wurde verkauft.
Die Einschnitte sollten die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Unternehmens verbessern. Nach Darstellung der Geschäftsführung war die Liquidität während der schwierigen Geschäftsjahre jederzeit ausreichend. Auch eine anstehende Refinanzierung konnte abgeschlossen werden, allerdings zu ungünstigeren Bedingungen.
Beim Umsatz zeigt sich zunächst eine gegenläufige Entwicklung. Während Melitta im Geschäftsjahr 2025 Erlöse von 2,53 Milliarden Euro erzielte, lagen die Einnahmen im ersten Halbjahr 2026 bei rund 1,2 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 1,3 Milliarden Euro gewesen.
Das Unternehmen führt den Rückgang unter anderem auf niedrigere Rohkaffeepreise zurück, die an Kunden weitergegeben worden seien. Hinzu kamen die Auswirkungen aufgegebener und verkaufter Geschäftsbereiche.
Bereinigt um diese Faktoren errechnet Melitta für das erste Halbjahr ein Umsatzwachstum von etwa sieben Prozent. Auch die verkauften Mengen seien insgesamt leicht gestiegen.
Besonders positiv entwickelte sich nach Unternehmensangaben das Geschäft in Südamerika. In Deutschland blieb das Kaffeegeschäft stabil. Schwächer verlief dagegen der Absatz von Elektrokleingeräten für Privathaushalte in Europa.
Neben den Kostensenkungen setzt Melitta auf neue Produktionskapazitäten. In den kommenden fünf bis sechs Jahren sollen rund 100 Millionen Euro in den Standort Bremen fließen.
Dort will das Unternehmen seine bestehende Kaffeerösterei erheblich erweitern. Die geplante Verarbeitungskapazität soll nach Angaben der Unternehmensleitung auf rund 130.000 Tonnen steigen. Melitta geht davon aus, damit die voraussichtlich größte Kaffeerösterei Europas zu betreiben.
Auch in Brasilien sind zusätzliche Produktionskapazitäten vorgesehen. Damit soll insbesondere das internationale Geschäft mit Röstkaffee weiter gestärkt werden.
Die Unternehmensleitung verfolgt über die kurzfristige Erholung hinaus ehrgeizige Wachstumsziele. Bis 2033 soll der Gruppenumsatz von derzeit etwa 2,5 Milliarden Euro auf vier bis 4,5 Milliarden Euro steigen.
Im Mittelpunkt steht die internationale Vermarktung von Kaffee. Das Unternehmen möchte seine durch die bekannten Filtertüten etablierte Markenbekanntheit künftig stärker für den Verkauf von Kaffeebohnen, gemahlenem Kaffee und weiteren Kaffeeprodukten nutzen.
Die Unternehmensgruppe wurde 1908 gegründet und beschäftigt heute rund 5.500 Menschen. Neben Kaffee und Produkten zur Kaffeezubereitung gehören auch Haushaltsmarken wie Toppits und Swirl zum Geschäft.
Mit der stärkeren Konzentration auf Kaffee, höheren Produktionskapazitäten und einer strafferen Kostenstruktur will Melitta seine Ertragskraft dauerhaft verbessern. Ob die für 2026 erwartete Gewinnhöhe tatsächlich erreicht wird, steht erst mit dem Abschluss des Geschäftsjahres fest.
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