KI-Boom an der Börse: Experten warnen vor gefährlichen Übertreibungen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Sorge vor einer KI-Blase an der Börse beschäftigt zunehmend führende Investoren. Hedgefonds-Milliardär Ken Griffin hält spekulative Übertreibungen im Geschäft mit künstlicher Intelligenz für nahezu sicher. Gleichzeitig kommt das Analysehaus Yardeni Research zu dem Ergebnis, dass eine Blase zwar bereits entstanden sein könnte, ein unmittelbarer Zusammenbruch aber nicht zu erwarten sei. Nach deutlichen Verlusten bei Technologieaktien in der vergangenen Woche bleibt die Lage an den Finanzmärkten wechselhaft.

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Ken Griffin warnt vor Übertreibungen bei KI-Investitionen

Ken Griffin, Gründer des Hedgefonds Citadel, äußerte sich am Dienstag, 20. Oktober 2026, auf der Future of Global Markets Conference in New York. Im Gespräch mit Bloomberg-Journalistin Dani Burger erklärte er, dass es innerhalb des gegenwärtigen KI-Booms mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits spekulative Blasen gebe.

Seine Warnung richtet sich besonders gegen die Erwartung, dass die hohen Investitionen in Rechenzentren, leistungsfähige Chips und KI-Modelle automatisch entsprechende Gewinne ermöglichen. Viele Unternehmen hätten bislang sehr unterschiedliche Erfahrungen damit gemacht, aus dem Einsatz künstlicher Intelligenz wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen.

Griffin sieht außerdem das Risiko eines Überangebots an Rechenleistung. Sollten künftig mehr Grafikprozessoren verfügbar sein, als tatsächlich benötigt werden, könnten die Preise für deren Nutzung deutlich sinken. Das würde die bisherigen Renditeerwartungen vieler Investoren infrage stellen.

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Trotz dieser Bedenken hält Griffin künstliche Intelligenz für eine wirtschaftlich tiefgreifende Technologie. Er verwies auf die Internetentwicklung um die Jahrtausendwende. Damals gingen zahlreiche hoch bewertete Unternehmen unter, während sich andere langfristig als Marktführer etablierten.

Yardeni Research sieht eine Blase, aber keinen unmittelbaren Crash

Eine ähnliche Einschätzung veröffentlichte Yardeni Research am Mittwoch, 21. Oktober. Das amerikanische Analysehaus stellte einen neuen Indikator vor, der typische Merkmale spekulativer Übertreibungen und mögliche Auslöser größerer Kursverluste getrennt bewertet.

Das sogenannte AI Bubble Meter wurde mithilfe eines KI-Modells von Anthropic entwickelt. Die aktuelle Bewertung fällt deutlich auseinander:

  • 83 von 100 Punkten erreicht der Indikator für die Voraussetzungen einer spekulativen Blase.
  • 34 von 100 Punkten zeigt die Messgröße für mögliche Auslöser eines starken Markteinbruchs.

Nach Einschätzung von Yardeni Research sind damit wesentliche Voraussetzungen einer KI-Blase erfüllt. Die Faktoren, die frühere große Börsenaufschwünge beendet haben, seien jedoch bislang nur teilweise erkennbar.

In einer historischen Rückrechnung des Analysehauses folgte auf vergleichbare Konstellationen innerhalb von zwei Jahren lediglich in neun Prozent der untersuchten Fälle ein Rückgang des S&P 500 um mindestens 20 Prozent. Die Berechnung ist allerdings Teil eines noch in der Entwicklung befindlichen Analysemodells und keine sichere Prognose für die weitere Kursentwicklung.

Technologieaktien nach deutlichen Verlusten wieder im Plus

Die Unsicherheit über die wirtschaftliche Tragfähigkeit des KI-Booms hatte bereits in der vergangenen Woche zu erheblichen Kursverlusten geführt. Am Freitag, 16. Oktober, verlor der technologielastige Nasdaq Composite nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press 2,1 Prozent. Über die gesamte Handelswoche summierte sich der Rückgang auf 4,5 Prozent.

Besonders deutlich gerieten Halbleiterhersteller unter Druck. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press verloren die Aktien von Micron Technology zum US-Handelsschluss am Freitag, 16. Oktober, 5,6 Prozent, Intel gab 5,8 Prozent nach. Neben Sorgen über die Rentabilität der KI-Investitionen belasteten höhere Anleiherenditen die Branche.

Ein durchgehender Ausverkauf entwickelte sich daraus zunächst nicht. Am Mittwoch, 21. Oktober, gewann der Nasdaq Composite zum US-Handelsschluss nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press 1,1 Prozent und erreichte 26.702,86 Punkte. Der breiter aufgestellte S&P 500 stieg laut denselben Schlusskursdaten um 0,6 Prozent auf 7.757,17 Punkte. Positive Unternehmensergebnisse unterstützten die Erholung, von der auch mehrere KI-nahe Aktien profitierten.

Deutsche-Bank-Chef widerspricht der Blasenwarnung

Nicht alle führenden Finanzmanager teilen die Befürchtungen über eine KI-Blase. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing widersprach am Mittwoch in einem Interview mit Bloomberg TV der Einschätzung, dass die Finanzmärkte vor einem unmittelbar bevorstehenden Platzen einer solchen Blase stünden.

Sewing räumte ein, dass einzelne Unternehmen Rückschläge erleben könnten. Zugleich bezeichnete er die industrielle Nutzung künstlicher Intelligenz als große wirtschaftliche Chance für Deutschland. Auch BlackRock-Chef Larry Fink sprach sich für den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur aus und verwies auf die hohe Nachfrage nach Rechenkapazitäten.

Für die Entwicklung der Aktienmärkte wird damit zunehmend entscheidend, welche Unternehmen aus ihren hohen KI-Ausgaben dauerhaft Gewinne erzielen können. Steigende Finanzierungskosten, mögliche Überkapazitäten und die tatsächliche Nachfrage nach KI-Dienstleistungen dürften die Bewertungen besonders beeinflussen. Eine hohe technologische Bedeutung schützt einzelne Unternehmen nicht automatisch vor Kursverlusten.

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