
Der saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco hat seine Beschäftigten angewiesen, die Unternehmenszentrale in Dhahran zu verlassen und von zu Hause aus zu arbeiten. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und AFP am Donnerstag, 22. Oktober 2026, unter Berufung auf mehrere mit der Entscheidung vertraute Personen. Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Angriffe der Huthi-Miliz auf Ziele in Saudi-Arabien. Zugleich arbeitet das Königreich daran, seine Öltransporte unabhängiger von der Straße von Hormus zu machen.
Die Aramco-Zentrale in Dhahran gehört zu den wichtigsten Standorten des staatlich kontrollierten Energiekonzerns. Dort befindet sich unter anderem ein Kontrollzentrum, von dem aus Förderanlagen, Raffinerien, Exportterminals und Pipelines überwacht werden.
Nach Informationen von AFP arbeitete ein Teil der Beschäftigten bereits seit einem Angriff auf den Gebäudekomplex Mitte Oktober im Homeoffice. Nun sollen auch die zuletzt verbliebenen Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlassen haben. Die Wohnbereiche des weitläufigen Firmengeländes seien von der Evakuierung nicht betroffen.
Saudi Aramco äußerte sich zunächst nicht offiziell zu der Anweisung. Auch die konkreten Gründe für die neuerliche Räumung blieben offen. Eine unmittelbare Verbindung zu einem bestimmten Angriff war zunächst nicht bestätigt.
Die Sicherheitslage im Osten Saudi-Arabiens hatte sich zuvor weiter verschärft. Am Mittwochabend wurde der internationale König-Fahd-Flughafen in Dammam angegriffen. Nach Angaben der saudischen Luftfahrtbehörde kamen zwei Menschen ums Leben, acht weitere wurden verletzt. Der Flughafen liegt rund 15 Kilometer von Dhahran entfernt. Der Flugbetrieb wurde nach Behördenangaben inzwischen wieder aufgenommen.
Bei einem weiteren Vorfall am Mittwoch starben nach Angaben des saudischen Energieministeriums zwei Menschen, als die Luftabwehr eine Drohne abfing, die auf eine Anlage am Ölfeld Shaybah gerichtet gewesen sein soll.
Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen haben ihre Angriffe auf saudische Ziele in den vergangenen Wochen ausgeweitet. Die Gruppe erklärte zudem, Anlagen von Saudi Aramco in der Hafenstadt Yanbu sowie das Verteidigungsministerium in Riad angegriffen zu haben. Eine Bestätigung dieser beiden Angriffe durch saudische Behörden lag zunächst nicht vor.
Parallel zur angespannten Sicherheitslage treibt Saudi-Arabien den Ausbau seiner Öltransportwege voran. Energieminister Abdulaziz bin Salman kündigte bereits am 12. Oktober beim Weltenergiekongress in Riad an, die Kapazitäten für Öltransporte über Land deutlich erhöhen zu wollen.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte East-West-Pipeline. Sie verbindet die Förderregionen im Osten Saudi-Arabiens mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer. Dadurch kann Rohöl exportiert werden, ohne die Straße von Hormus zwischen dem Iran und Oman passieren zu müssen.
Die bestehende Pipeline ist auf eine maximale Transportkapazität von rund sieben Millionen Barrel täglich ausgelegt. Durch technische Erweiterungen und zusätzliche Infrastruktur könnte die Kapazität nach Angaben des Energieministers innerhalb von zwei bis drei Jahren auf bis zu zehn Millionen Barrel pro Tag steigen.
Kurzfristig prüft Saudi-Arabien zudem die vorübergehende Umrüstung einer Gasleitung für den Rohöltransport. Damit könnten nach Angaben des Ministers weitere 1,2 Millionen Barrel täglicher Transportkapazität geschaffen werden. Die angekündigten Erweiterungen sind allerdings noch nicht vollständig umgesetzt.
Mit der Erweiterung will Saudi-Arabien die Abhängigkeit von der Straße von Hormus reduzieren. Die Meerenge ist eine der wichtigsten Transportrouten für Öl aus der Golfregion. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 ist der Schiffsverkehr dort wiederholt erheblich beeinträchtigt worden.
Allerdings birgt auch die alternative Route über das Rote Meer Risiken. Im Süden liegt die Meerenge Bab al-Mandab, die das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet. Dort haben die Huthi-Rebellen ihren Einfluss ausgeweitet und den Schiffsverkehr bedroht.
Saudi Aramco prüft deshalb nach Angaben von Konzernchef Amin Nasser auch zusätzliche Exportverbindungen und eine Ausweitung seiner Öllagerkapazitäten im Ausland. Nasser hatte diese Vorhaben bereits am 12. Oktober öffentlich erläutert.
Die Entwicklungen in Saudi-Arabien spiegeln sich auch am internationalen Ölmarkt wider. Am Donnerstag stieg der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent zeitweise auf den höchsten Stand seit Mai.
Nach Reuters-Daten kostete ein Barrel Brent am 22. Oktober um 16.45 Uhr deutscher Zeit 111,24 US-Dollar. Das entsprach einem Anstieg von 2,2 Prozent. Die US-Ölsorte West Texas Intermediate lag zum selben Zeitpunkt bei 98,29 US-Dollar je Barrel und damit 1,2 Prozent im Plus.
Für die internationale Wirtschaft sind vor allem die Zuverlässigkeit der Öllieferungen und die verfügbaren Transportwege entscheidend. Länger anhaltende Störungen können Raffinerien, Transportunternehmen und energieintensive Industriebetriebe belasten. Auch die Entwicklung der Kraftstoffpreise hängt unter anderem von den internationalen Rohölnotierungen ab.
Die angekündigten Pipeline-Erweiterungen könnten Saudi-Arabien langfristig zusätzliche Ausweichmöglichkeiten bieten. Kurzfristig bleibt der Ölhandel jedoch sowohl von der Sicherheitslage am Persischen Golf als auch von den Entwicklungen im Roten Meer abhängig.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu