
Frankreichs Konjunktur hat im Oktober einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach einer kurzen Erholung im September melden Unternehmen wieder eine sinkende Geschäftstätigkeit. Der am Freitag, 23. Oktober 2026, veröffentlichte Einkaufsmanagerindex fiel überraschend unter die Wachstumsschwelle. Gleichzeitig belasten politische Unsicherheit, hohe Staatsschulden und steigende Finanzierungskosten die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone.
Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von S&P Global sank im Oktober auf 48,4 Punkte, nachdem er im September noch 51,1 Punkte erreicht hatte. Volkswirte hatten nach einer Reuters-Umfrage mit 50,5 Punkten gerechnet.
Die Marke von 50 Punkten trennt bei diesem Frühindikator Wachstum und Rückgang der Geschäftstätigkeit. Der aktuelle Wert signalisiert damit eine erneute Abschwächung der französischen Privatwirtschaft. Besonders auffällig ist der schnelle Richtungswechsel: Noch im September hatte der Index erstmals seit längerer Zeit wieder eine Expansion angezeigt.
Auch die einzelnen Wirtschaftsbereiche entwickelten sich schwächer als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen fiel von 51,2 auf 48,4 Punkte. In der Industrie sank der entsprechende Wert von 50,6 auf 49,3 Punkte. Beide Ergebnisse lagen unter den Prognosen.
Die Schwäche betrifft nicht nur die laufende Produktion und Dienstleistungen. Auch die Nachfrage nach französischen Waren und Dienstleistungen ging zurück. Laut der Unternehmensbefragung war der Rückgang der Neuaufträge so deutlich wie seit Mai nicht mehr.
Besonders kritisch entwickelte sich die Stimmung der Unternehmen. Der Indikator für die Geschäftserwartungen der kommenden zwölf Monate fiel auf den niedrigsten Stand seit rund sechseinhalb Jahren.
Joe Hayes, leitender Ökonom bei S&P Global Market Intelligence, verwies bei der Veröffentlichung auf die verschärften Finanzierungsbedingungen und den zunehmenden politischen Druck. Die Erholung im September habe sich als kurzlebig erwiesen. Besonders die Unsicherheit über die Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2027 und die Staatsfinanzen beeinflusse die Erwartungen der Unternehmen.
Die französische Wirtschaft befindet sich in einem schwierigen politischen Umfeld. Im Oktober kam es landesweit zu Demonstrationen gegen steigende Lebenshaltungskosten und soziale Missstände. Teilweise wurden die Proteste von gewaltsamen Ausschreitungen begleitet.
Gleichzeitig wächst an den Finanzmärkten die Sorge über die Entwicklung der französischen Staatsfinanzen. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg im Oktober zeitweise über fünf Prozent. Damit verteuert sich die Aufnahme neuer Staatsschulden.
Die bereits hohe Verschuldung begrenzt die finanziellen Handlungsmöglichkeiten der Regierung. Nach Angaben des französischen Statistikamtes Insee erreichte die öffentliche Verschuldung zum Ende des zweiten Quartals 2026 rund 3,596 Billionen Euro. Das entsprach 119 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Ein Quartal zuvor hatte die Schuldenquote noch bei 117,5 Prozent gelegen.
Die Konjunkturschwäche in Frankreich steht im Gegensatz zur Entwicklung der Eurozone insgesamt. Dort verzeichneten die Unternehmen im Oktober weiterhin steigende Geschäftstätigkeit, allerdings mit geringerem Tempo.
Der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone sank von 53,1 Punkten im September auf 51,9 Punkte im Oktober. Damit erreichte er den niedrigsten Stand seit Juni.
Auch Deutschland verlor an Dynamik, blieb jedoch oberhalb der Wachstumsschwelle. Der deutsche Gesamtindex ging von 53,8 auf 52,8 Punkte zurück. Frankreich bildet damit unter den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone das deutlich schwächere Bild ab.
Für die gesamte Eurozone kommen höhere Energie- und Transportkosten sowie steigende Zinsen als Belastungsfaktoren hinzu.
Die jüngsten Unternehmensdaten treffen auf eine Wirtschaft, die bereits zuvor kaum gewachsen war. Nach den bislang veröffentlichten Zahlen des Statistikamtes Insee stagnierte das französische Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026. Im ersten Quartal war es um 0,2 Prozent gesunken.
Zudem verringerte sich die Kaufkraft der privaten Haushalte pro Verbrauchseinheit im zweiten Quartal um 0,6 Prozent. Die Konsumausgaben für Waren gingen im August um weitere 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück.
Ob die erneute Verschlechterung der Unternehmensaktivität im Oktober auch zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal führt, lässt sich aus dem Einkaufsmanagerindex allein nicht ableiten. Die nächste vorläufige Veröffentlichung des französischen Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal ist für den 30. Oktober 2026 vorgesehen.
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