
Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé hat im dritten Quartal 2026 sein Wachstum beschleunigt und die Erwartungen von Analysten übertroffen. Vor allem das gestiegene Absatzvolumen und ein veränderter Produktmix trugen zu den besseren Geschäftszahlen bei. Der Einfluss von Preiserhöhungen fiel dagegen geringer aus. An der Börse wurden die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen zunächst positiv aufgenommen.
Der Umsatz von Nestlé im dritten Quartal 2026 erreichte 22,76 Milliarden Schweizer Franken. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte der Konzern 21,64 Milliarden Franken umgesetzt. Das entspricht einem nominalen Anstieg von rund 5,2 Prozent.
Das organische Wachstum bei Nestlé lag bei 4,0 Prozent. Dabei werden Veränderungen durch Wechselkurse sowie Zu- und Verkäufe von Unternehmen herausgerechnet. Analysten hatten nach einer von Reuters veröffentlichten Konsensschätzung lediglich mit 3,4 Prozent gerechnet.
Besonders deutlich verbesserte sich das sogenannte interne Realwachstum. Diese Kennzahl berücksichtigt Veränderungen bei Absatzmengen und Produktmix. Sie erreichte 2,8 Prozent. Preissteigerungen steuerten dagegen nur 1,1 Prozentpunkte zum organischen Wachstum bei.
Damit wurde das Geschäft im dritten Quartal stärker von der Nachfrage nach Produkten getragen als von höheren Verkaufspreisen.
Unterschiedlich entwickelte sich das Geschäft in den einzelnen Produktkategorien. Besonders die Tiernahrung erwies sich als Wachstumstreiber. Dort legte der organische Umsatz um 5,3 Prozent zu. Das interne Realwachstum erreichte 4,3 Prozent. Besonders Katzenfutter entwickelte sich nach Konzernangaben positiv.
Im Bereich Lebensmittel und Snacks erreichte Nestlé ein organisches Wachstum von 5,0 Prozent. Dazu trugen unter anderem Produkte der Marken Maggi, Milo und KitKat bei. Auch saisonale Bestellungen beeinflussten das Ergebnis.
Das Kaffeegeschäft wuchs organisch um 3,4 Prozent. Hier waren Preiserhöhungen mit einem Beitrag von 2,0 Prozentpunkten weiterhin bedeutender als das interne Realwachstum von 1,3 Prozent.
Deutlich schwächer entwickelte sich die Ernährungssparte. Ihr organisches Wachstum lag bei lediglich 0,3 Prozent. Das interne Realwachstum war mit minus 1,1 Prozent rückläufig. Unter anderem belasteten die Folgen eines Rückrufs von Säuglingsnahrung das Geschäft.
Regional zeigten sich erhebliche Unterschiede. In der Region Asien, Ozeanien und Afrika erreichte das organische Wachstum 6,4 Prozent. Auf dem amerikanischen Kontinent waren es 3,3 Prozent.
Europa blieb mit einem Plus von 1,2 Prozent deutlich dahinter zurück. Das interne Realwachstum verbesserte sich dort auf 1,0 Prozent, während Preiserhöhungen lediglich 0,2 Prozentpunkte beitrugen.
Für Deutschland beschrieb Nestlé das Marktumfeld weiterhin als schwierig, verwies allerdings auf eine Verbesserung gegenüber dem vorherigen Quartal. Insgesamt wuchsen die Schwellenländer mit 6,8 Prozent organisch deutlich stärker als die entwickelten Märkte mit 2,2 Prozent.
Die Geschäftszahlen sorgten am Donnerstag, 22. Oktober, für Kursgewinne. Im frühen Handel stieg die Nestlé-Aktie an der Schweizer Börse zeitweise um mehr als zwei Prozent. Nach Angaben der Schweizer Finanznachrichtenagentur AWP notierte das Papier um 9.30 Uhr bei 85,22 Franken und lag damit 2,1 Prozent über dem Vortagesschluss.
Im weiteren Tagesverlauf schwächten sich die Gewinne ab. Zum Handelsschluss lag die Aktie nach Kursdaten der Luzerner Kantonalbank für die SIX Swiss Exchange mit Zeitstempel 17.37 Uhr bei 84,37 Franken. Das entsprach einem Tagesplus von 1,08 Prozent.
Am Freitagmorgen setzte sich der Kursanstieg zunächst nicht fort.
Analysten bewerteten insbesondere die Verbesserung des internen Realwachstums positiv. Die Schweizer Großbank UBS bestätigte ihre neutrale Einstufung und das Kursziel von 81 Franken. Das Analysehaus Jefferies hielt an seiner Kaufempfehlung fest.
Trotz der Beschleunigung im dritten Quartal zeigt der Blick auf die ersten neun Monate ein differenzierteres Bild. Von Januar bis September 2026 erzielte Nestlé einen Umsatz von 65,865 Milliarden Franken. Im Vorjahreszeitraum waren es 65,869 Milliarden Franken gewesen.
Während das organische Wachstum für diesen Zeitraum 3,7 Prozent erreichte, belasteten Wechselkurseffekte die ausgewiesenen Umsätze mit 3,7 Prozentpunkten. Dadurch blieb der nominale Umsatz nahezu unverändert.
Zusätzlich verändert Nestlé seine Konzernstruktur. Seit Ende September wird das Russlandgeschäft nicht mehr in den Konzernabschluss einbezogen. Hintergrund ist die Übernahme der vorübergehenden Verwaltung durch russische Stellen. Nestlé bleibt nach eigenen Angaben rechtlicher Eigentümer der Vermögenswerte, hat jedoch keine Kontrolle mehr über die operative Führung. Die Änderung hatte noch keine Auswirkungen auf die veröffentlichten Umsätze des dritten Quartals und der ersten neun Monate.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 hält Nestlé an seiner bisherigen Prognose fest. Der Konzern erwartet weiterhin ein organisches Umsatzwachstum zwischen 3 und 4 Prozent.
Auch die zugrunde liegende operative Gewinnmarge soll gegenüber dem Vorjahr steigen. Beim freien Cashflow rechnet Nestlé mit mehr als neun Milliarden Schweizer Franken.
Konzernchef Philipp Navratil setzt dabei auf eine stärkere Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens und eine Konzentration auf wachstumsstarke Geschäftsbereiche. Die aktuellen Quartalszahlen zeigen eine Verbesserung des Mengenwachstums, während die Preissteigerungen an Bedeutung verlieren.
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