
Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli stellt nach schwächeren Verkaufszahlen seine Führung neu auf. Konzernchef Adalbert Lechner verlässt das Unternehmen. Sein Vorgänger Dieter Weisskopf hat die Leitung vorübergehend übernommen. Gleichzeitig reagiert der Hersteller auf die zurückhaltende Nachfrage nach hochpreisiger Schokolade mit gezielten Preisanpassungen, verstärktem Marketing und Produktinnovationen. Besonders das Geschäft in Europa steht unter Druck.
Am 19. Oktober 2026 gab Lindt & Sprüngli bekannt, dass Adalbert Lechner das Unternehmen verlässt. Der Verwaltungsrat begründete die Entscheidung damit, dass eine veränderte operative Führung notwendig sei, um wieder dauerhaft stärker zu wachsen und die internationalen Marktchancen besser zu nutzen.
Lechner war insgesamt 33 Jahre für den Konzern tätig. Im Oktober 2022 hatte er die Führung von Dieter Weisskopf übernommen. Nun kehrt sein Vorgänger an die Unternehmensspitze zurück. Weisskopf ist Vizepräsident des Verwaltungsrats und soll den Konzern übergangsweise führen.
Ein dauerhafter Nachfolger soll im zweiten Quartal 2027 ernannt werden. Die genauen Umstände der Trennung erläuterte Lindt & Sprüngli nicht. Der Verwaltungsrat würdigte Lechners langjährige Leistungen für das Unternehmen.
Die personellen Veränderungen fallen in eine wirtschaftlich schwierige Phase. Lindt & Sprüngli hatte seine Verkaufspreise wegen erheblich gestiegener Rohstoffkosten mehrfach angehoben. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten die konzernweiten Preiserhöhungen durchschnittlich 11,8 Prozent.
Gleichzeitig sank die Kennzahl für Verkaufsvolumen und Produktmix um 7,5 Prozent. Sie berücksichtigt sowohl die verkauften Mengen als auch Veränderungen in der Zusammensetzung des Sortiments. Die Entwicklung verdeutlicht, dass höhere Preise die schwächere Nachfrage nicht vollständig ausgleichen konnten.
Der Konzern erzielte in den ersten sechs Monaten einen Umsatz von rund 2,33 Milliarden Schweizer Franken. Das entsprach einem Rückgang von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Währungseffekte und Veränderungen im Konsolidierungskreis wuchs der Umsatz dagegen um 4,3 Prozent.
Der operative Gewinn erreichte 260,2 Millionen Schweizer Franken. Damit blieb Lindt trotz rückläufiger Mengenentwicklung profitabel. Die operative Gewinnmarge verbesserte sich leicht auf 11,2 Prozent.
Besonders problematisch entwickelte sich das Geschäft in Europa. Dort verzeichnete Lindt & Sprüngli im ersten Halbjahr einen organischen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent. Deutschland, die Schweiz und Großbritannien gehörten zu den Märkten, in denen die gestiegene Preissensibilität der Kunden besonders spürbar wurde.
Ende September erklärte der Konzern außerdem, dass die Bestellungen für saisonale Schokoladenprodukte unter den Erwartungen geblieben seien. Besonders betroffen waren Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zusätzlich habe die außergewöhnliche Hitze im europäischen Sommer die Nachfrage belastet.
Am 29. September senkte Lindt & Sprüngli deshalb seine Prognose für das organische Umsatzwachstum 2026 von zuvor 4 bis 6 Prozent auf nur noch 0 bis 2 Prozent.
An der Erwartung einer Verbesserung der operativen Gewinnmarge um 20 bis 40 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr hielt das Unternehmen dagegen fest.
Um die Nachfrage wieder anzukurbeln, verändert Lindt & Sprüngli seine bisherige Strategie. Bereits im Sommer leitete der Hersteller gezielte Preisanpassungen in ausgewählten Märkten ein. Hinzu kommen zusätzliche Marketingmaßnahmen und stärkere Investitionen in die eigenen Marken.
Dabei soll die Positionierung als Anbieter hochwertiger Schokolade erhalten bleiben. Der Konzern setzt neben seiner veränderten Preisstrategie weiterhin auf neue Geschmacksrichtungen und Produktvarianten.
Zu den bereits eingeführten Innovationen gehören Lindt Dubai Style Chocolate, Lindor Golden Caramel und Lindt Tokyo Style Chocolate. Die Dubai-Style-Produkte trugen nach Unternehmensangaben insbesondere in Nordamerika zum Wachstum bei.
Auch die Entwicklung der Rohstoffpreise spielt für die künftige Preispolitik eine Rolle. Nachdem Kakao zuvor historische Höchstpreise erreicht hatte, gingen die Notierungen wieder zurück. Lindt erwartet deshalb, dass sich der Kostendruck schrittweise verringert. Eine allgemeine Preissenkung für das gesamte Sortiment hat der Konzern allerdings nicht angekündigt.
Der Führungswechsel beschränkt sich nicht auf die Konzernzentrale in der Schweiz. Auch in Deutschland und Österreich werden wichtige Managementpositionen neu besetzt.
Der bisherige Deutschlandchef Michal Spiller verlässt Lindt & Sprüngli nach 23 Jahren. Seine Position soll Ali Kulein übernehmen, der bislang das Österreichgeschäft leitete. Die Ernennung steht unter dem Vorbehalt der formellen Zustimmung des zuständigen Aufsichtsrats.
In Österreich folgt Fabian Reinhardt auf Kulein. Reinhardt war bisher für den weltweiten Vertrieb des Konzerns verantwortlich. Beide Veränderungen sind für den 26. Oktober 2026 vorgesehen.
Die schwächere Nachfrage ist nicht in allen Absatzregionen gleichermaßen zu beobachten. Während das Europageschäft im ersten Halbjahr rückläufig war, erzielte Lindt & Sprüngli in Nordamerika ein organisches Umsatzwachstum von 12,7 Prozent. In der Region Rest der Welt erreichte der Anstieg 10,2 Prozent.
Besonders in Australien, China und Japan entwickelte sich das Geschäft nach Unternehmensangaben positiv. An diesen Märkten will Interimschef Weisskopf anknüpfen und gleichzeitig das europäische Geschäft wieder stärken.
Für 2027 erwartet Lindt & Sprüngli eine Rückkehr zu steigenden Verkaufsvolumen. Ab 2028 soll das langfristig angestrebte organische Umsatzwachstum von jährlich 6 bis 8 Prozent wieder erreicht werden.
Der Konzern gehört mit rund 15.500 Beschäftigten, zwölf Produktionsstandorten in Europa und den USA sowie etwa 650 eigenen Geschäften zu den international bedeutenden Schokoladenherstellern. Im Geschäftsjahr 2025 erreichte der Umsatz rund 5,92 Milliarden Schweizer Franken.
Die nächsten offiziellen Umsatzzahlen für das Gesamtjahr 2026 will Lindt & Sprüngli am 19. Januar 2027 veröffentlichen.
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