Novartis erzielt Studienerfolg mit neuem MS-Wirkstoff

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Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat neue Ergebnisse zu seinem Wirkstoff Remibrutinib bei Multipler Sklerose veröffentlicht. In zwei großen klinischen Studien konnte das Medikament die Häufigkeit von Krankheitsschüben deutlich reduzieren. Auch bei Entzündungsherden im Gehirn zeigten sich Vorteile. Die Ergebnisse könnten den Weg für eine weitere Behandlungsoption ebnen. Allerdings fiel die Wirkung geringer aus, als Analysten zuvor erwartet hatten.

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Remibrutinib reduziert MS-Schübe um rund ein Drittel

Die am Freitag, 23. Oktober 2026, vorgestellten Ergebnisse stammen aus den Phase-III-Studien REMODEL-1 und REMODEL-2. Insgesamt nahmen 2.007 Menschen mit schubförmiger Multipler Sklerose daran teil. Die Forschenden verglichen Remibrutinib mit dem bereits zugelassenen Wirkstoff Teriflunomid, der unter anderem unter dem Handelsnamen Aubagio bekannt ist.

In der ersten Studie verringerte Remibrutinib die jährliche Schubrate gegenüber der Vergleichsbehandlung um 35,2 Prozent. In der zweiten Untersuchung lag die relative Reduktion bei 31,2 Prozent. Beide Studien erreichten damit ihren primären Wirksamkeitsendpunkt. Die Resultate wurden auf dem internationalen MS-Fachkongress in Toronto vorgestellt und gleichzeitig in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht.

Auch Hinweise auf verlangsamte Krankheitsprogression

Neben der geringeren Schubhäufigkeit zeigten sich weitere positive Effekte. Untersuchungen mittels Magnetresonanztomografie ergaben, dass unter Remibrutinib weniger neue oder vergrößerte entzündliche Veränderungen im Gehirn auftraten.

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Eine gemeinsame Auswertung beider Studien deutet außerdem darauf hin, dass der Wirkstoff das Fortschreiten körperlicher Einschränkungen verzögern könnte. Das Risiko einer über sechs Monate bestätigten Verschlechterung der Behinderung lag nach Unternehmensangaben um 29,2 Prozent niedriger als unter Teriflunomid. Dieses Ergebnis erreichte allerdings nur nominelle statistische Signifikanz.

Nach 24 Monaten waren mehr als 92 Prozent der mit Remibrutinib behandelten Teilnehmer ohne eine solche bestätigte Verschlechterung geblieben. Daraus lässt sich jedoch weder eine Heilung noch eine Garantie für einen dauerhaft stabilen Krankheitsverlauf ableiten.

Sicherheitsprofil könnte für Patienten wichtig werden

Remibrutinib gehört zur Gruppe der sogenannten BTK-Hemmer. Diese Wirkstoffe beeinflussen bestimmte Signalwege des Immunsystems, die an entzündlichen Prozessen beteiligt sind. Das Medikament wird als Tablette eingenommen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt möglichen Auswirkungen auf die Leber. Bei anderen Wirkstoffen dieser Medikamentengruppe waren entsprechende Sicherheitsprobleme aufgetreten. In den beiden REMODEL-Studien ergaben sich laut Novartis keine vergleichbaren Hinweise auf schwerwiegende Leberschäden. Erhöhte Werte eines bestimmten Leberenzyms traten unter Remibrutinib seltener auf als unter der Vergleichsbehandlung.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie bewertet die Studienergebnisse positiv. Sie verweist allerdings darauf, dass Teriflunomid zu den moderat wirksamen MS-Therapien gehört. Ein direkter Vergleich von Remibrutinib mit bereits verfügbaren hochwirksamen Behandlungen fehlt bislang. Damit ist noch nicht geklärt, welchen Stellenwert der Wirkstoff künftig innerhalb der verschiedenen MS-Therapien einnehmen könnte.

Für Novartis bleiben die Erwartungen hoch

Aus wirtschaftlicher Sicht haben die Ergebnisse große Bedeutung. Novartis verfügt mit Kesimpta bereits über ein etabliertes Medikament gegen schubförmige Multiple Sklerose. Remibrutinib könnte das Angebot des Unternehmens erweitern und eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit schaffen.

Allerdings fiel die Verringerung der Schubhäufigkeit geringer aus, als Finanzanalysten erwartet hatten. Diese waren nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters von einer Reduktion um 45 bis 60 Prozent ausgegangen. Der ebenfalls in der Schweiz ansässige Pharmakonzern Roche hatte wenige Tage zuvor für seinen experimentellen MS-Wirkstoff Fenebrutinib eine Reduktion um rund 55 Prozent gemeldet. Ein direkter Wirksamkeitsvergleich beider Medikamente ist aufgrund der unterschiedlichen Studien nicht möglich.

Analysten halten für Remibrutinib bei einer erfolgreichen Zulassung gegen Multiple Sklerose langfristige jährliche Spitzenumsätze von mehr als vier Milliarden US-Dollar für möglich. Diese Schätzungen hängen jedoch unter anderem vom Zulassungsverfahren, der tatsächlichen Nachfrage und der Konkurrenz ab.

Zulassung gegen Multiple Sklerose steht noch aus

Novartis plant, Remibrutinib zur Behandlung schubförmiger Multipler Sklerose bei den zuständigen Arzneimittelbehörden weltweit zur Zulassung einzureichen. Ein konkreter Termin für eine mögliche Markteinführung in dieser Indikation wurde zunächst nicht genannt.

Der Wirkstoff ist in den USA und der Europäischen Union bereits für die Behandlung einer bestimmten Form chronischer Nesselsucht zugelassen. Die Anwendung bei Multipler Sklerose wäre eine zusätzliche Indikation.

Für Menschen mit schubförmiger MS eröffnen die neuen Studiendaten damit eine mögliche weitere Behandlungsperspektive. Ob Remibrutinib langfristig eine vergleichbare oder bessere Wirksamkeit als bisherige hochaktive Therapien bietet, ist noch nicht ausreichend untersucht.

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