Deutz vor Milliardenübernahme: Rüstungsgeschäft wächst, Motorenwerk unter Druck

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Kölner Motorenbauer Deutz treibt seinen Umbau zum breit aufgestellten Industriekonzern voran. Mit der geplanten Übernahme des Militärfahrzeugherstellers FFG für 1,6 Milliarden Euro soll das Verteidigungsgeschäft erheblich wachsen. Gleichzeitig stehen im klassischen Motorenbau weitere Stellenstreichungen im Raum. Neue Aktienkäufe aus dem Umfeld des Aufsichtsrats sorgen zudem für Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt.

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FFG-Übernahme durch Deutz steht vor dem Abschluss

Die Übernahme von FFG ist der bislang größte Zukauf in der Unternehmensgeschichte von Deutz. Bereits am 9. Juli 2026 hatte der Konzern eine Vereinbarung zum Erwerb sämtlicher Anteile an der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft geschlossen.

Eine wichtige Voraussetzung ist inzwischen erfüllt. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 24. August stimmten 99,7 Prozent der abgegebenen Stimmen der erforderlichen Kapitalerhöhung gegen Sacheinlage zu. Auch das Bundeskartellamt hat die Transaktion bereits freigegeben.

Vollzogen ist die Übernahme dennoch nicht. Weitere behördliche Genehmigungen stehen aus. Deutz erwartet den Abschluss weiterhin für Ende 2026 oder das erste Quartal 2027.

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FFG beschäftigt mehr als 1.100 Menschen und entwickelt, produziert, modernisiert und wartet militärische Radfahrzeuge und Kettenfahrzeuge. Dazu gehören gepanzerte Transportfahrzeuge, Bergepanzer und Spezialfahrzeuge. Zu den Kunden zählen die Bundeswehr sowie Streitkräfte weiterer NATO-Staaten.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielte FFG einen Umsatz von rund 760 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben liegt der Auftragsbestand bei mehr als 1,9 Milliarden Euro. Deutz erwartet für 2027 einen FFG-Umsatz von deutlich mehr als einer Milliarde Euro bei einer operativen Marge von über 20 Prozent. Diese Werte sind Unternehmensprognosen.

Deutz finanziert Milliardenkauf mit Krediten und Aktien

Der vereinbarte Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro setzt sich aus zwei wesentlichen Bestandteilen zusammen. Rund eine Milliarde Euro sollen in bar gezahlt werden. Für diesen Teil hat sich Deutz nach eigenen Angaben eine Fremdfinanzierung durch ein Konsortium internationaler Banken gesichert.

Weitere derzeit rund 600 Millionen Euro entfallen auf neu auszugebende Deutz-Aktien. Diese sollen an die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG gehen. Nach Abschluss könnten sie zusammen bis zu 29,9 Prozent des erhöhten Aktienkapitals halten und damit zu bedeutenden Großaktionären werden.

Zusätzlich vereinbarte Deutz weitere, teilweise variable Vergütungsbestandteile.

Im September stärkte Deutz außerdem seine Kapitalbasis. Durch die Platzierung von 15.263.810 neuen Aktien zu jeweils 11,70 Euro erzielte das Unternehmen einen Bruttoerlös von rund 179 Millionen Euro. Das Grundkapital erhöhte sich dadurch um zehn Prozent.

Deutz erklärte, die Einnahmen sollten die Kapitalstruktur verbessern und zusätzliche finanzielle Spielräume schaffen. Die Kapitalerhöhung war damit nicht ausdrücklich als unmittelbare Finanzierung des FFG-Kaufpreises ausgewiesen.

Die Verschuldung war bereits vor dieser Kapitalmaßnahme gestiegen. Zum 30. Juni 2026 wies Deutz eine negative Nettofinanzposition von 520,5 Millionen Euro aus, nach 269,4 Millionen Euro zum Jahresende 2025.

Aufsichtsräte kaufen Deutz-Aktien

Während der Übernahmeprozess läuft, wurden mehrere Wertpapiergeschäfte von Aufsichtsräten und ihnen nahestehenden Personen gemeldet.

Aufsichtsratschef Dietmar Voggenreiter erwarb am 22. Oktober 2026 Aktien im Wert von 50.400 Euro. Eine ihm nahestehende Person kaufte am selben Tag in zwei Transaktionen Aktien für insgesamt 99.075 Euro.

Auch Aufsichtsratsmitglied Helmut Ernst stockte seinen Aktienbestand auf. Seine am 26. Oktober veröffentlichte Pflichtmitteilung weist Käufe vom 22. Oktober im Gesamtwert von 99.600 Euro aus.

Damit summieren sich diese vier gemeldeten Transaktionen auf 249.075 Euro. Die Geschäfte sind dokumentiert, lassen jedoch keine gesicherten Rückschlüsse auf die weitere Kursentwicklung oder den Erfolg der geplanten Übernahme zu.

Stellenabbau im klassischen Motorengeschäft geplant

Während Deutz durch Zukäufe in neue Geschäftsfelder expandiert, wächst im traditionellen Motorenbau der Kostendruck.

Am Kölner Standort könnten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen bis Ende 2028 weitere 130 bis 200 Stellen wegfallen. Im äußersten Fall sei von bis zu 300 Arbeitsplätzen die Rede gewesen. Bereits zuvor waren rund 100 Stellen abgebaut worden.

Betroffen wäre vor allem die Produktion kleinerer Motoren, die beispielsweise in landwirtschaftlichen Maschinen und Flurförderzeugen eingesetzt werden.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte dem WDR Anfang Oktober Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Eine verbindliche Entscheidung über den konkreten Umfang des Personalabbaus war damit nicht verbunden.

Die Entwicklung verdeutlicht die unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen innerhalb des Konzerns. Während neue Geschäftsfelder wachsen, steht die klassische Motorenfertigung unter stärkerem Wettbewerbsdruck.

Deutz steigert Umsatz und operatives Ergebnis

Die bisherigen Geschäftszahlen zeigen, dass der Konzernumbau bereits zu einer veränderten Umsatzstruktur beiträgt.

Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Deutz den Konzernumsatz um 10,7 Prozent auf rund 1,12 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern erhöhte sich um 43,1 Prozent auf 79,7 Millionen Euro. Die entsprechende Marge verbesserte sich von 5,5 auf 7,1 Prozent.

Auch der Auftragseingang entwickelte sich positiv und stieg um 28,7 Prozent auf rund 1,33 Milliarden Euro.

Wachstumsbeiträge kamen insbesondere aus den Bereichen Service und dezentrale Energieversorgung. Daneben baut Deutz sein Verteidigungsgeschäft aus, unter anderem durch Kooperationen im Bereich unbemannter militärischer Fahrzeuge.

Mit FFG würde dieser Bereich erheblich an Bedeutung gewinnen. Deutz verfolgt das strategische Ziel, bis 2030 einen Jahresumsatz von vier Milliarden Euro und eine bereinigte operative Marge von zehn Prozent zu erreichen. Nach Einschätzung des Managements könnte die Übernahme dazu beitragen, diese Ziele früher zu erfüllen.

Quartalszahlen im November als nächster Termin

Die nächste reguläre Finanzveröffentlichung ist für den 5. November 2026 vorgesehen. Dann will Deutz seine Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres vorlegen.

Für das Gesamtjahr 2026 hatte das Unternehmen zuletzt einen Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro sowie eine bereinigte operative Marge zwischen 6,5 und 8,0 Prozent prognostiziert.

Parallel läuft die Vorbereitung der FFG-Übernahme weiter. Mit ihrem Abschluss würden nicht nur das militärische Produktportfolio und die internationale Marktposition des Unternehmens erweitert. Auch die Eigentümerstruktur von Deutz würde sich erheblich verändern.

Der Konzern verfolgt damit eine umfassende Neuausrichtung. Aus dem traditionsreichen Motorenhersteller soll ein Industrieunternehmen werden, dessen Geschäft zunehmend von Energieversorgung, Serviceleistungen und Verteidigungstechnik geprägt ist.

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