
Mercedes-Benz bietet Beschäftigten in ausgewählten Produktionsbereichen offenbar Abfindungen von mehreren Hunderttausend Euro an. Nach Recherchen des Handelsblatts können erfahrene Mitarbeiter unter bestimmten Voraussetzungen auf rund 330.000 Euro kommen. Betroffen sind insbesondere die Komponentenwerke Stuttgart-Untertürkheim und Berlin. Der Autobauer bestätigte, dass es für einzelne Bereiche der Produktion entsprechende Programme gibt, widersprach aber der Darstellung eines konzernweiten Angebots.
Die aktuellen Freiwilligenprogramme in Untertürkheim und Berlin laufen nach Informationen des Handelsblatts seit Anfang September 2026 und sind zunächst bis November vorgesehen. Vergleichbare Angebote gibt es an beiden Standorten bereits seit mehreren Jahren. In Untertürkheim wurde ein solches Programm demnach 2019 eingeführt, in Berlin 2022.
Die Angebote richten sich vor allem an Beschäftigte aus der klassischen Antriebsfertigung. In diesen Bereichen stellt Mercedes-Benz unter anderem Motoren, Getriebe und weitere Komponenten her, die überwiegend für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor benötigt werden.
Das Unternehmen bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass bestimmte Produktionsbereiche vom Strukturwandel zur Elektromobilität betroffen seien. Ein allgemeines Abfindungsprogramm für sämtliche Produktionsbeschäftigte gebe es dagegen nicht. Zu den konkreten finanziellen Konditionen äußerte sich Mercedes-Benz auf Anfrage der Zeitung nicht.
Die Höhe der Abfindungen bei Mercedes richtet sich dem Handelsblatt zufolge nach mehreren Faktoren. Dazu gehören das Alter, das Einkommen, die Betriebszugehörigkeit und zusätzliche Prämien für einen schnellen freiwilligen Austritt.
Nach den ausgewerteten internen Unterlagen kann ein 50-jähriger Beschäftigter mit abgeschlossener Berufsausbildung im Werk Untertürkheim rechnerisch auf rund 224.000 Euro kommen. Für entsprechend qualifizierte Facharbeiter mit höherem Grundgehalt nennt die Zeitung etwa 248.000 Euro.
Bei einem 50-jährigen Meister, etwa einem Schichtleiter oder Fertigungsgruppenleiter, ergibt die Modellrechnung eine Bruttoabfindung von rund 330.000 Euro. Unter zusätzlichen Voraussetzungen könnte die Summe noch höher ausfallen.
Grundlage sind dem Bericht zufolge ein fester Sockelbetrag, zusätzliche Monatsgehälter und zeitlich begrenzte Prämien. Voraussetzung für die Teilnahme sei unter anderem eine Zugehörigkeit zur Stammbelegschaft von mindestens drei Jahren.
Für ältere Beschäftigte sind nach den internen Unterlagen auch besondere Regelungen zur Frühpensionierung vorgesehen. Eine unabhängige Bestätigung sämtlicher Berechnungsdetails durch Mercedes-Benz lag zunächst nicht vor.
Der Personalabbau erfolgt vor dem Hintergrund einer langfristigen Beschäftigungssicherung. Mercedes-Benz und der Gesamtbetriebsrat hatten sich im März 2025 darauf verständigt, betriebsbedingte Beendigungskündigungen grundsätzlich bis zum 31. Dezember 2034 auszuschließen.
Deshalb setzt der Konzern bei seinen Abfindungsprogrammen auf die doppelte Freiwilligkeit. Beschäftigte können ein Angebot ablehnen, zugleich muss auch das Unternehmen einer gewünschten Vertragsauflösung zustimmen.
Der Konzern will damit seine Personalkosten langfristig reduzieren und gleichzeitig die vereinbarten Beschäftigungsgarantien einhalten. Wie viele Produktionsmitarbeiter die aktuellen Angebote bereits angenommen haben, blieb zunächst offen.
Parallel zu den Angeboten in einzelnen Produktionsbereichen bereitet Mercedes-Benz eine neue Abfindungsrunde für Beschäftigte außerhalb der Fertigung vor. Das Unternehmen bestätigte am 28. Oktober 2026, dass das freiwillige Programm in den indirekten Bereichen ab Dezember erneut angeboten werden soll.
Dazu zählen unter anderem Verwaltung, Entwicklung und andere Funktionen außerhalb der unmittelbaren Fahrzeugproduktion. Das Programm soll sowohl Tarifbeschäftigten als auch Führungskräften offenstehen.
Ein vorheriges Freiwilligenprogramm lief von April 2025 bis Ende März 2026. Nach Informationen des Handelsblatts verließen darüber mehr als 5.500 Beschäftigte das Unternehmen.
Im aktuellen Zwischenbericht erklärt Mercedes-Benz zudem, dass bekannte Abfindungskonditionen 2026 in bestimmten Fällen auch außerhalb der indirekten Bereiche weiterhin gelten.
Die Personalmaßnahmen sind Bestandteil des konzernweiten Effizienzprogramms Next Level Performance. Mercedes-Benz reagiert damit unter anderem auf den intensiveren Wettbewerb in China, veränderte Marktbedingungen und den technologischen Umbau der Fahrzeugproduktion.
Die am 28. Oktober veröffentlichten Quartalszahlen verdeutlichen die wirtschaftliche Lage. Der Konzernumsatz lag im dritten Quartal 2026 bei 30,7 Milliarden Euro nach 32,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.
Das bereinigte operative Konzernergebnis ging um 15 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro zurück. Gleichzeitig stieg das ausgewiesene operative Ergebnis auf 1,77 Milliarden Euro, was Mercedes-Benz vor allem mit geringeren Bereinigungen als im Vorjahr begründete.
Besonders unter Druck steht das Pkw-Geschäft. Dort erreichte die bereinigte Umsatzrendite im dritten Quartal lediglich 2,5 Prozent. Der Konzern senkte deshalb seine entsprechende Jahresprognose für Mercedes-Benz Cars auf zwei bis drei Prozent.
Während der Absatz in Europa und den USA zulegte, belasteten das schwierigere Marktumfeld und der zunehmende Wettbewerb in China weiterhin das Geschäft.
Die freiwilligen Personalprogramme sollen dazu beitragen, die Kostenstruktur an diese veränderten Bedingungen anzupassen. Wie viele Arbeitsplätze in den Komponentenwerken Untertürkheim und Berlin durch die aktuellen Angebote insgesamt wegfallen sollen, hat Mercedes-Benz bislang nicht öffentlich beziffert.
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