EZB vergibt Zehnjahresauftrag für digitalen Euro an Telekom und Nexi

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Frankfurt. Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt den Aufbau der technischen Infrastruktur für den digitalen Euro voran. Eine Bietergemeinschaft aus der Deutschen Telekom und dem italienischen Zahlungsdienstleister Nexi hat einen Vertrag über zentrale Netzwerkdienste erhalten. Die Vereinbarung läuft über zehn Jahre und hat einen Höchstwert von 177,66 Millionen Euro. Zugleich hat die Notenbank ein zweites Konsortium beauftragt, um die geplante Zahlungsinfrastruktur auf mehrere Anbieter zu verteilen. Die Einführung der europäischen Digitalwährung ist allerdings weiterhin nicht beschlossen.

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Telekom und Nexi sollen Banken an den digitalen Euro anbinden

Wie die EZB am 30. Oktober 2026 offiziell bekannt gab, wurde der Auftrag nach einem europaweiten Vergabeverfahren erteilt. Beteiligt sind die Nexi Payments S.p.A. und die Deutsche Telekom Business Solutions GmbH. Der Vertrag trat bereits am 28. September 2026 in Kraft.

Im Mittelpunkt steht die technische Verbindung zwischen Banken, Zahlungsdienstleistern, nationalen Zentralbanken und der Plattform des digitalen Euro. Die Unternehmen sollen dafür sorgen, dass die beteiligten Systeme sicher und zuverlässig miteinander kommunizieren können.

Zum Leistungsumfang gehören sowohl die Anbindungen externer Teilnehmer als auch die Datenverbindungen zwischen verschiedenen Komponenten der zentralen Infrastruktur. Diese können in unterschiedlichen Rechenzentren betrieben werden.

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Damit übernehmen Telekom und Nexi eine wichtige technische Aufgabe beim Aufbau des europäischen Zahlungsprojekts. Die eigentliche Ausgabe und Verwaltung der Digitalwährung bleibt dagegen in der Verantwortung des Eurosystems.

Verträge mit einem Höchstwert von 355 Millionen Euro

Die Ausschreibung sieht für den Auftrag von Telekom und Nexi eine Obergrenze von 177,66 Millionen Euro vor. Derselbe Höchstbetrag gilt für den zweiten Netzwerkvertrag. Zusammengenommen können die Vereinbarungen damit ein Volumen von bis zu 355,32 Millionen Euro erreichen.

Bei diesen Summen handelt es sich um maximale Vertragswerte. Sie bedeuten nicht, dass die EZB den gesamten Betrag unmittelbar zahlt oder bereits entsprechende Leistungen abgerufen hat. Der tatsächliche Umfang hängt von den während der Projektlaufzeit benötigten Diensten ab.

Als zweiter Auftragnehmer wurde eine spanische Bietergemeinschaft aus Telefónica de España, Telefónica Global Solutions und Indra Soluciones Tecnologías de la Información ausgewählt. Deren Vertrag soll im Mai 2027 beginnen.

Die parallele Beauftragung zweier Anbieter soll die technische Widerstandsfähigkeit erhöhen. Zahlungsdienstleister sollen künftig zwischen den beiden Netzwerkanbindungen wählen können.

Pilotprojekt für den digitalen Euro beginnt 2027

Der digitale Euro befindet sich weiterhin in der technischen Vorbereitung. Die EZB plant, in der zweiten Jahreshälfte 2027 einen zwölfmonatigen Praxistest zu starten. Dabei soll eine vorläufige Version der Digitalwährung unter realen Bedingungen eingesetzt werden.

Für das Pilotprojekt wurden bereits 36 Zahlungsdienstleister aus dem Euroraum ausgewählt. Hinzu kommen Händler sowie Beschäftigte der EZB und nationaler Zentralbanken. Geplant sind beispielsweise Zahlungen in Geschäften und direkte Überweisungen zwischen Privatpersonen.

Die Netzwerkdienste von Telekom und Nexi sollen zunächst diese Testphase unterstützen. Beide beauftragten Konsortien sollen ab 2029 die technischen Voraussetzungen für einen möglichen regulären Betrieb erfüllen.

Einführung 2029 hängt von EU-Gesetzgebung ab

Ob ein digitaler Euro tatsächlich eingeführt wird, steht noch nicht endgültig fest. Voraussetzung ist zunächst eine entsprechende europäische Verordnung. Die Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament, EU-Kommission und Mitgliedstaaten laufen bereits.

Die EZB geht davon aus, dass bei einem rechtzeitigen Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens eine erste Ausgabe im Jahr 2029 möglich wäre. Erst nach Verabschiedung der gesetzlichen Grundlage will der EZB-Rat über die tatsächliche Einführung entscheiden.

Ein digitaler Euro wäre eine elektronische Form von Zentralbankgeld. Bürger könnten ihn nach den bisherigen Planungen unter anderem für Einkäufe im Handel, Onlinezahlungen und Geldtransfers nutzen. Anders als privat ausgegebene Kryptowährungen wäre er unmittelbar an den Euro gebunden und würde von den Zentralbanken des Euroraums bereitgestellt.

Bargeld soll durch die neue Zahlungsform nicht ersetzt, sondern ergänzt werden.

Europa will unabhängiger von internationalen Zahlungsdiensten werden

Mit dem digitalen Euro verfolgt die EZB auch das Ziel, die europäische Zahlungsinfrastruktur unabhängiger von außereuropäischen Unternehmen zu machen. Derzeit spielen internationale Anbieter wie Visa, Mastercard und PayPal im digitalen Zahlungsverkehr eine bedeutende Rolle.

Eine gemeinsame europäische Zahlungsform könnte den Wettbewerb stärken und grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb der Eurozone vereinfachen. Voraussetzung dafür sind einheitliche technische Standards und eine zuverlässige Infrastruktur.

Mit der Beauftragung von Telekom, Nexi, Telefónica und Indra ist ein weiterer technischer Vorbereitungsschritt abgeschlossen. Der konkrete Einführungstermin hängt jedoch weiterhin von den politischen Entscheidungen und dem Verlauf der praktischen Tests ab.

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