
Europa investiert immer mehr Geld in seine Verteidigung. Doch führen höhere Ausgaben tatsächlich zu mehr Sicherheit? Die neue ARTE-Dokumentation Viel Geld, wenig Sicherheit? Europa rüstet auf untersucht am Dienstag, 3. November 2026, um 20:15 Uhr die europäische Rüstungspolitik. Im Mittelpunkt stehen milliardenschwere Beschaffungsprogramme, mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Staaten und die Abhängigkeit von amerikanischen Rüstungskonzernen. Der 89-minütige Dokumentarfilm von Árpád Bondy und Harald Schumann ist Teil eines Themenabends über Europas militärische Sicherheit.
Die Dokumentation Viel Geld, wenig Sicherheit? Europa rüstet auf ist eine Produktion aus Deutschland von 2026. Regie führten Árpád Bondy und Harald Schumann. An den Recherchen war das internationale Journalistennetzwerk Investigate Europe beteiligt. Produziert wurde der Film von RBB/ARTE und der Árpád Bondy Filmproduktion.
Die Fernsehausstrahlung am 3. November ist nach Angaben von ARTE eine Erstausstrahlung. Der Film war allerdings bereits vor dem Sendetermin über die Streamingplattform des Senders verfügbar.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie effizient die europäischen Staaten ihre zusätzlichen Verteidigungsmittel einsetzen. Während zahlreiche Regierungen ihre Militärhaushalte erhöhen, entscheiden sie weiterhin weitgehend eigenständig über die Beschaffung neuer Ausrüstung.
Die Dokumentation untersucht die Folgen dieser nationalen Entscheidungen für die gemeinsame Verteidigungsfähigkeit Europas. Dabei kommen unter anderem Vertreter der NATO, ukrainische Offiziere, europäische Parlamentarier, Rüstungsmanager und Sicherheitsexperten zu Wort.
Eine zentrale Zahl der Dokumentation liegt bei mehr als 1,2 Billionen Euro. Nach den Berechnungen, die ARTE für den Film anführt, wollen die europäischen NATO-Staaten bis 2030 entsprechende Summen für neue Waffen ausgeben.
Für Deutschland nennt die Dokumentation geplante Beschaffungen von 286 Milliarden Euro. In Frankreich liegt die genannte Summe bei 144 Milliarden Euro, in Polen bei 78 Milliarden Euro und in Italien bei 69 Milliarden Euro.
Diese Angaben beziehen sich auf die im Film untersuchten Rüstungsplanungen. Sie sind nicht mit den gesamten jährlichen Verteidigungshaushalten gleichzusetzen.
Die tatsächlichen Ausgaben steigen bereits deutlich. Nach Angaben der Europäischen Verteidigungsagentur EDA vom 16. Juli 2026 lagen die Verteidigungsausgaben der 27 EU-Mitgliedstaaten im Jahr 2025 bei insgesamt 418 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 20 Prozent.
Für 2026 prognostiziert die Behörde Ausgaben von 454 Milliarden Euro. Der Anteil am gemeinsamen Bruttoinlandsprodukt soll damit auf 2,4 Prozent steigen.
Ein wesentlicher Kritikpunkt der ARTE-Dokumentation betrifft die Vielzahl unterschiedlicher militärischer Systeme.
Nach der Darstellung des Rechercheteams setzen die europäischen Streitkräfte insgesamt 178 verschiedene Waffensysteme ein. Die USA werden im Film mit 30 Systemen gegenübergestellt.
Die Gegenüberstellung soll verdeutlichen, wie unterschiedlich die militärische Ausrüstung innerhalb des westlichen Verteidigungsbündnisses organisiert ist. Die Zahlen und ihre Vergleichbarkeit sind dabei Teil der Argumentation der Dokumentation.
Unterschiedliche technische Standards können gemeinsame Einsätze komplizierter machen. Das betrifft beispielsweise die Versorgung mit Ersatzteilen, die Wartung militärischer Fahrzeuge und die Abstimmung zwischen verschiedenen Streitkräften.
Die Europäische Verteidigungsagentur sieht deshalb eine engere Zusammenarbeit bei der Beschaffung als wichtigen Ansatz. Gemeinsame Bestellungen sollen Kosten senken, Doppelentwicklungen vermeiden und die Zusammenarbeit zwischen den Armeen erleichtern.
Nach den EDA-Daten lag der Anteil gemeinsamer Beschaffungen an den gesamten Ausgaben für militärische Ausrüstung im Jahr 2025 bei 24 Prozent.
Die Dokumentation geht auch der Frage nach, welchen Einfluss nationale Wirtschaftsinteressen auf militärische Beschaffungsentscheidungen haben.
Harald Schumann und Investigate Europe kommen in ihren Recherchen zu dem Ergebnis, dass Regierungen bei der Vergabe großer Rüstungsaufträge häufig nationale Hersteller bevorzugten. Dadurch würden gemeinsame europäische Lösungen erschwert.
Das Rechercheteam kritisiert außerdem Beschaffungen bei amerikanischen Unternehmen. Diese könnten nach seiner Einschätzung bestehende Abhängigkeiten Europas von den Vereinigten Staaten verstärken.
Dabei geht es nicht ausschließlich um die Lieferung militärischer Ausrüstung. Auch Ersatzteile, technische Unterstützung und die langfristige Wartung spielen bei modernen Waffensystemen eine Rolle.
Die politische Bedeutung solcher Abhängigkeiten ist angesichts der veränderten internationalen Sicherheitslage gewachsen. Die europäischen NATO-Mitglieder stehen vor der Aufgabe, ihre eigenen Fähigkeiten auszubauen und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit den USA innerhalb des Bündnisses fortzusetzen.
Die europäische Rüstungspolitik steht seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 unter erheblichem Veränderungsdruck.
Auf ihrem Gipfeltreffen in Den Haag beschlossen die NATO-Staaten im Juni 2025, ihre sicherheitsbezogenen Ausgaben bis 2035 auf insgesamt fünf Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen.
Davon sollen mindestens 3,5 Prozent für klassische Verteidigungsanforderungen vorgesehen werden. Weitere bis zu 1,5 Prozent können unter anderem in militärisch relevante Infrastruktur, Cybersicherheit und gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit fließen.
Auch die Europäische Union hat neue Instrumente beschlossen. Mit dem Programm SAFE sollen Darlehen von bis zu 150 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Das Geld ist insbesondere für zusätzliche Verteidigungsinvestitionen und gemeinsame Beschaffungen vorgesehen.
Die entsprechende EU-Verordnung trat am 29. Mai 2025 in Kraft. Damit soll die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten bei der militärischen Ausrüstung gestärkt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Dokumentarfilms liegt auf der Frage, ob die geplanten Investitionen den militärischen Anforderungen der Gegenwart entsprechen.
Die Autoren beschäftigen sich mit der Entwicklung neuer Kampftechnologien und den Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine.
Dabei wird unter anderem untersucht, welche Rolle traditionelle militärische Großsysteme künftig spielen und wie sich der Einsatz moderner Drohnen auf militärische Planungen auswirkt.
Nach Darstellung des Rechercheteams warnen befragte Fachleute davor, große Summen in Systeme zu investieren, deren Einsatzmöglichkeiten angesichts neuer militärischer Entwicklungen eingeschränkt sein könnten.
Die Dokumentation verbindet damit Fragen der Beschaffungspolitik mit der grundsätzlichen Ausrichtung europäischer Streitkräfte. Entscheidend ist nicht allein die Höhe der verfügbaren Mittel, sondern auch, welche Fähigkeiten mit ihnen aufgebaut werden.
Der Film eröffnet am Dienstagabend den ARTE-Themenabend Europas neue Fronten.
Um 21:45 Uhr folgt die Dokumentation Russland-Finnland: Die neue Kriegsfront?. Sie beschäftigt sich mit der Sicherheitslage an der 1.343 Kilometer langen Grenze zwischen Finnland und Russland.
Finnland trat im April 2023 der NATO bei. Die Dokumentation untersucht, wie sich die Sicherheitslage und die Vorbereitungen des Landes auf mögliche militärische Krisen verändert haben.
Ab 22:40 Uhr zeigt ARTE den Film Putins Kriegsmaschinerie: Bedroht Russland Europas Sicherheit?. Die Produktion aus Dänemark, Norwegen und Schweden untersucht militärische Entwicklungen in Russland und mögliche Auswirkungen auf die Sicherheit europäischer Staaten.
Damit widmet sich der gesamte Themenabend sowohl der europäischen Verteidigungsfähigkeit als auch den sicherheitspolitischen Herausforderungen an den östlichen Grenzen des Kontinents.
Viel Geld, wenig Sicherheit? Europa rüstet auf läuft am Dienstag, 3. November 2026, von 20:15 bis 21:45 Uhr auf ARTE. Die eigentliche Filmlaufzeit liegt bei 89 Minuten.
Der Dokumentarfilm ist außerdem bereits in der ARTE-Mediathek abrufbar. Auf der offiziellen Programmseite ist die Verfügbarkeit bis zum 14. September 2043 angegeben. Die tatsächliche Abrufbarkeit kann von regionalen Nutzungsrechten abhängen.
Mit der Dokumentation rückt ARTE eine zentrale Frage der europäischen Sicherheitspolitik in den Mittelpunkt: Wie können die europäischen Staaten ihre steigenden Verteidigungsausgaben so einsetzen, dass daraus gemeinsame militärische Fähigkeiten entstehen?
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