Aareal Bank erwägt Börsenrückkehr oder Verkauf nach schwächerem Ergebnis

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aareal Bank stellt ihre weitere Unternehmensentwicklung auf den Prüfstand. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer zieht einen erneuten Börsengang, einen Verkauf an Investoren oder eigene Übernahmen in Betracht. Vorstandschef Christian Ricken bestätigte die möglichen strategischen Wege am Donnerstag, 5. November 2026. Gleichzeitig veröffentlichte die Bank ihre Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des Jahres. Eine zusätzliche Risikovorsorge von 160 Millionen Euro belastet das Ergebnis erheblich. Die Bank sieht sich dennoch finanziell gut aufgestellt.

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Aareal Bank prüft Börsengang und weitere strategische Optionen

Die Aareal Bank prüft Börsengang, Verkauf und Wachstum durch mögliche Zukäufe als unterschiedliche Wege für ihre künftige Entwicklung. Vorstandschef Christian Ricken erklärte in der Unternehmensmitteilung zu den Neunmonatszahlen, dass die Bank durch den weiteren Abbau von Kreditrisiken zusätzliche Handlungsmöglichkeiten gewinnen wolle. Dazu gehöre neben einem Eigentümerwechsel auch die Möglichkeit, durch Übernahmen zu wachsen.

Nach Angaben von Bloomberg, über die das Handelsblatt am Donnerstag berichtete, hat die Bank bereits erste Vorbereitungen für eine mögliche Transaktion getroffen. Ricken beschrieb demnach auch einen sogenannten Dual-Track-Prozess als denkbaren Weg. Dabei werden ein Börsengang und ein Unternehmensverkauf parallel vorbereitet, ohne sich frühzeitig auf eine Variante festzulegen.

Der Vorstandschef verwies in diesem Zusammenhang auf Erfahrungen anderer Banken, bei denen ein solcher Prozess bis zu 18 Monate dauern könne. Einen verbindlichen Zeitplan für die Aareal Bank nannte er nicht. Ebenso wenig wurde eine Entscheidung über einen Börsengang oder einen Verkauf bekannt gegeben. Unklar blieb zunächst, welche der Möglichkeiten die Eigentümer bevorzugen und wann konkrete Schritte folgen könnten.

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Zusätzliche Risikovorsorge belastet das Ergebnis deutlich

Die strategischen Überlegungen fallen mit einer deutlichen Veränderung der Geschäftszahlen zusammen. In den ersten neun Monaten 2026 lag das bereinigte Betriebsergebnis der Aareal Bank bei 143 Millionen Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte es noch bei 306 Millionen Euro gelegen. Ausschlaggebend für den Rückgang war vor allem eine zusätzliche Risikovorsorge in Höhe von 160 Millionen Euro, die das Management im dritten Quartal bildete.

Ohne diese zusätzliche Maßnahme hätte das bereinigte Betriebsergebnis nach Berechnungen der Bank bei 303 Millionen Euro gelegen und damit nahezu das Vorjahresniveau erreicht. Die gesamte Risikovorsorge belief sich in den ersten neun Monaten auf 365 Millionen Euro, gegenüber 190 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Ohne die zusätzliche Vorsorge wären es 205 Millionen Euro gewesen.

Auch das Ergebnis nach Steuern fiel deutlich niedriger aus. Das den Stammaktionären zugeordnete Nettoergebnis sank von 173 Millionen Euro auf 34 Millionen Euro. Das nicht um Einmaleffekte bereinigte Betriebsergebnis lag bei 123 Millionen Euro nach 281 Millionen Euro im Vorjahr.

Bereits zur Jahresmitte hatte die Bank ein bereinigtes Betriebsergebnis von 208 Millionen Euro ausgewiesen. Aus den Halbjahreszahlen und dem aktuellen Neunmonatsergebnis ergibt sich damit rechnerisch für das dritte Quartal allein ein bereinigtes Betriebsergebnis von minus 65 Millionen Euro. Der zusätzliche Vorsorgeaufwand wirkte sich entsprechend stark auf die Geschäftsentwicklung zwischen Juli und September aus.

Immobilienkredite und Risiken bleiben im Mittelpunkt

Mit der zusätzlichen Vorsorge will die Aareal Bank ihr Kreditportfolio weiter gegen mögliche Belastungen absichern. Nach Darstellung des Unternehmens ist die Maßnahme nicht auf eine aktuelle Verschlechterung der Kreditqualität zurückzuführen. Vielmehr sollen Risiken frühzeitig reduziert und die Voraussetzungen für geringere Risikovorsorgekosten in den kommenden Quartalen verbessert werden.

Ende September belief sich das Volumen notleidender Kredite auf rund 1,2 Milliarden Euro. Darunter fallen Finanzierungen, bei denen Kreditnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vertragsgemäß nachkommen oder erhebliche Ausfallrisiken bestehen. Bis Ende 2026 will die Bank diesen Bestand auf weniger als eine Milliarde Euro reduzieren.

Eine wichtige Rolle spielt weiterhin das internationale Immobiliengeschäft. Das gesamte Immobilienfinanzierungsportfolio umfasste zum Ende des dritten Quartals 33,3 Milliarden Euro. Ende 2025 waren es noch 34,4 Milliarden Euro. Die Bank führte den Rückgang insbesondere auf höhere Kreditrückzahlungen zurück.

Zugleich setzt sie den Umbau ihres Geschäfts in den Vereinigten Staaten fort. Das amerikanische Büroimmobilienportfolio verringerte sich auf rund 2,3 Milliarden Euro. Insgesamt belief sich das US-Portfolio auf etwa 5,6 Milliarden Euro. Künftig soll die Finanzierung von Wohnimmobilien und Hotels innerhalb dieses Geschäfts einen größeren Stellenwert erhalten.

Finanzinvestoren übernahmen die Aareal Bank 2023

Ein möglicher Börsengang wäre für die Aareal Bank eine Rückkehr an den regulierten Aktienmarkt. Das Institut hatte sich erst vor drei Jahren von der Frankfurter Wertpapierbörse verabschiedet.

Im Juni 2023 wurde die Übernahme durch die Beteiligungsgesellschaft Atlantic BidCo vollzogen. Hinter ihr stehen unter anderem Fonds der internationalen Finanzinvestoren Advent International und Centerbridge Partners. Ebenfalls beteiligt sind der kanadische Pensionsfondsinvestor CPP Investments über eine Tochtergesellschaft sowie weitere Minderheitsinvestoren.

Die Übernahmegesellschaft hatte sich zunächst rund 90 Prozent der Anteile gesichert. Im September 2023 vereinbarte sie mit der Bank den Börsenrückzug. Die Aktien wurden mit Ablauf des 21. November 2023 aus dem regulierten Handel an der Frankfurter Wertpapierbörse genommen. Den verbliebenen Aktionären wurde im Zuge des Delisting-Angebots eine Barzahlung von 33,20 Euro je Aktie angeboten.

Nach dem erfolgreichen Erwerbsangebot kontrollierte Atlantic BidCo mehr als 95 Prozent der Aktien. Im Mai 2024 beschloss die Hauptversammlung die Übertragung der verbliebenen Minderheitsanteile auf die Hauptaktionärin. Dieser sogenannte Squeeze-out wurde am 25. Oktober 2024 wirksam. Seitdem ist Atlantic BidCo alleinige Aktionärin der Aareal Bank.

Ein erneuter Börsengang könnte die Eigentümerstruktur wieder verändern und die Bank erneut für Aktieninvestoren zugänglich machen. Ein Verkauf an einen strategischen oder finanziellen Investor wäre dagegen eine alternative Entwicklung. Eine verbindliche Entscheidung über den künftigen Eigentümerkreis gibt es bislang nicht.

Zinsüberschuss steigt trotz niedrigerem Gewinn

Die zusätzliche Risikovorsorge überlagert eine ansonsten stabile Entwicklung wichtiger Geschäftsfelder. Der Zinsüberschuss stieg in den ersten neun Monaten auf 722 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte er bei 691 Millionen Euro gelegen. Dazu trugen nach Angaben der Bank insbesondere höhere Einlagenbestände und ein im Vorjahresvergleich größeres durchschnittliches Kreditvolumen bei.

Im Geschäftsfeld Banking & Digital Solutions erreichten die Einlagen aus der Wohnungswirtschaft im September einen neuen Höchststand von 15,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis dieses Geschäftsbereichs verbesserte sich von 96 Millionen Euro auf 115 Millionen Euro.

Auch bei den Kapitalquoten sieht die Bank ihre Position weiterhin als solide an. Die harte Kernkapitalquote nach vollständiger Anwendung der Basel-IV-Regeln lag Ende September bei 15,4 Prozent und damit nahezu unverändert gegenüber Ende 2025. Die Bilanzsumme erreichte rund 47,5 Milliarden Euro.

Das Wiesbadener Institut ist international tätig und finanziert unter anderem Bürogebäude, Hotels, Logistikimmobilien und Wohnprojekte. Neben dem Immobilienkreditgeschäft bietet es Bankdienstleistungen und Zahlungsverkehrslösungen für Unternehmen der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft an.

Aareal Bank senkt Jahresprognose und bestätigt Ziele für 2027

Wegen der zusätzlichen Risikovorsorge hat die Aareal Bank ihre Ergebnisprognose für das laufende Jahr angepasst. Für 2026 erwartet das Unternehmen nun ein bereinigtes Betriebsergebnis von rund 240 Millionen Euro. Ohne den zusätzlichen Aufwand würde die bisherige Prognose von annähernd 400 Millionen Euro weiterhin gelten.

An den mittelfristigen Zielen hält die Bank dagegen fest. Für 2027 strebt sie unverändert eine bereinigte Eigenkapitalrendite von rund 13 Prozent an. Außerdem rechnet das Management damit, dass sich die Risikovorsorgekosten bereits ab dem vierten Quartal 2026 normalisieren können.

Die strategischen Möglichkeiten reichen damit von einer Rückkehr an die Börse über den Einstieg eines neuen Investors bis hin zu Wachstum durch Übernahmen. Welche Variante tatsächlich umgesetzt wird, ist noch offen. Fest steht zunächst, dass die Aareal Bank ihre Kreditrisiken stärker reduzieren und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine mögliche Veränderung ihrer Unternehmensstruktur schaffen will.

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