
Die Warnstreiks in der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben sich am Donnerstag, 5. November 2026, fortgesetzt. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich bis einschließlich Mittwoch bundesweit rund 191.000 Beschäftigte aus fast 1.000 Betrieben an den Arbeitsniederlegungen. Am Donnerstag liegt ein Schwerpunkt der Aktionen in Norddeutschland. Auch bei großen Automobilherstellern und Zulieferern laufen Proteste. Gleichzeitig beginnt in Baden-Württemberg die dritte Runde der Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld, während die Arbeitgeber bislang eine dauerhafte Entgelterhöhung von 1,3 Prozent ab Juli 2028 anbieten.
Seit dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober um Mitternacht darf die IG Metall zu Warnstreiks in der laufenden Tarifrunde aufrufen. Bereits in der Nacht zum 1. November gab es erste Arbeitsniederlegungen. In den folgenden Tagen wurden die Aktionen auf zahlreiche Industriestandorte ausgeweitet.
Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich allein am Mittwoch knapp 80.000 Beschäftigte aus rund 400 Betrieben an den Warnstreiks. Damit sei der 4. November der bislang beteiligungsstärkste Tag gewesen. Insgesamt meldete die Gewerkschaft für die ersten vier Tage rund 191.000 Beteiligte. Für die gesamte Woche sind nach ihren Planungen Aktionen in mehr als 2.000 Betrieben vorgesehen. Diese Zahl beschreibt geplante Warnstreiks und nicht bereits abgeschlossene Arbeitsniederlegungen.
Betroffen sind unterschiedliche Bereiche der deutschen Industrie. Dazu zählen Automobilhersteller, Zulieferer, Maschinenbauer sowie Unternehmen der Elektroindustrie. Zu den Betrieben mit Warnstreiks in dieser Woche gehören unter anderem BMW, Bosch, Mercedes-Benz, Porsche, Ford und Opel.
Am Donnerstag konzentrieren sich zahlreiche Arbeitsniederlegungen auf die norddeutschen Bundesländer. Nach Angaben der IG Metall Küste wurden Beschäftigte aus 96 Betrieben zu Warnstreiks aufgerufen. Darunter befinden sich die Airbus-Standorte Hamburg, Stade und Nordenham, die Meyer Werft in Papenburg, Siemens Gamesa in Cuxhaven und mehrere Werften.
Auch bei Liebherr in Rostock sowie bei Thyssenkrupp Marine Systems in Kiel und Wismar sind Aktionen angekündigt. Die Gewerkschaft will damit vor der für Freitag vorgesehenen nächsten Verhandlungsrunde im Norden zusätzlichen Druck ausüben.
In Baden-Württemberg beteiligten sich am Donnerstag nach Angaben der IG Metall rund 6.500 Menschen an einem Warnstreik bei Audi in Neckarsulm und umliegenden Betrieben. Zu den aufgerufenen Unternehmen gehörten auch mehrere Automobilzulieferer auf dem Kolbenschmidt-Areal. Eine eigene Teilnehmerzahl der Polizei lag zunächst nicht vor. Neben höheren Entgelten spielte bei den Protesten die Sorge um die Zukunft des Audi-Standorts eine wichtige Rolle.
In Bayern rief die IG Metall unter anderem Beschäftigte des BMW-Werks Landshut zu einer Arbeitsniederlegung auf. Für den Donnerstagvormittag war ein Warnstreik von 9 bis 11.30 Uhr mit einer Kundgebung vorgesehen. In Nordrhein-Westfalen hatten sich bereits in den Tagen zuvor Beschäftigte zahlreicher Metallbetriebe an den Aktionen beteiligt.
Im Zentrum der Tarifrunde steht die Forderung der IG Metall nach einer Entgelterhöhung um fünf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Gewerkschaft will damit die Kaufkraft der Beschäftigten stärken und auf gestiegene Lebenshaltungskosten reagieren.
Zusätzlich verlangt die IG Metall verbindlichere tarifliche Regelungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Industriestandorten. Beschäftigte in wirtschaftlich besonders erfolgreichen Unternehmen sollen über tarifliche Vereinbarungen stärker an den Gewinnen beteiligt werden. Außerdem strebt die Gewerkschaft Verbesserungen für untere Entgeltgruppen und Auszubildende an.
Die IG Metall verweist darauf, dass die wirtschaftliche Lage innerhalb der Branche unterschiedlich ausfalle. Während insbesondere Teile der Automobilindustrie und des Maschinenbaus unter wirtschaftlichem Druck stünden, entwickelten sich andere Bereiche günstiger. Dazu zählt die Gewerkschaft beispielsweise die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Rüstungsproduktion und den Schiffbau.
Deutlich von den Gewerkschaftsforderungen entfernt liegt das bisherige Angebot der Arbeitgeber. Der Dachverband Gesamtmetall hatte am 27. Oktober ein bundesweit abgestimmtes Angebot vorgestellt, das zunächst in fünf Tarifgebieten gleichzeitig unterbreitet wurde.
Demnach soll im Juli 2027 eine Einmalzahlung in Höhe von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts erfolgen. Allerdings soll diese Zahlung von der wirtschaftlichen Situation des jeweiligen Unternehmens abhängig gemacht werden können. Unter bestimmten Voraussetzungen könnten Betriebe die Zahlung verschieben oder aussetzen.
Eine dauerhafte Erhöhung der tariflichen Monatsentgelte um 1,3 Prozent ist erst zum 1. Juli 2028 vorgesehen. Der angebotene Tarifvertrag hätte eine Laufzeit von insgesamt 26 Monaten bis Ende Dezember 2028.
Zusätzlich verlangen die Arbeitgeber mehr Möglichkeiten, tarifliche Regelungen an die wirtschaftliche Situation einzelner Betriebe anzupassen. Außerdem möchten sie ein betriebliches Instrument zur Sicherung von Investitionen und Standorten einführen sowie über hohe Krankenstände und den Einsatz künstlicher Intelligenz sprechen.
Gesamtmetall begründet das Angebot mit der schwierigen Situation der deutschen Industrie. Verbandspräsident Udo Dinglreiter verweist auf einen seit Jahren bestehenden strukturellen Abwärtstrend und auf Wettbewerbsnachteile des Produktionsstandorts Deutschland. Höhere Arbeitskosten könnten die wirtschaftliche Lage der Unternehmen weiter belasten. Aus Arbeitgebersicht müssen Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit stärker berücksichtigt werden, um Beschäftigung langfristig zu sichern.
Die IG Metall hält das bisherige Angebot dagegen für unzureichend. Nach ihrer Einschätzung würde die späte und vergleichsweise geringe dauerhafte Entgelterhöhung die Kaufkraft der Beschäftigten nicht ausreichend schützen. Gewerkschaftschefin Christiane Benner verlangte vor der dritten Verhandlungsrunde ein deutlich verbessertes Angebot und verbindlichere Zusagen zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten.
Die unterschiedlichen Positionen betreffen damit nicht nur die Höhe der Entgelte. Umstritten ist auch, wie Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten unterstützt werden sollen und welche tariflichen Sicherheiten die Beschäftigten im Gegenzug erhalten.
Am Donnerstag, 5. November, steht in Ludwigsburg die dritte Verhandlungsrunde für die baden-württembergische Metall- und Elektroindustrie auf dem Programm. Dort verhandelt die IG Metall mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall. Die Gespräche sollen gegen Mittag beginnen. Ein neues Verhandlungsergebnis lag zunächst nicht vor.
Weitere Termine sind bereits vorgesehen. Für Freitag, 6. November, sind Verhandlungen in Berlin, Frankfurt am Main und Hannover angesetzt. Im Tarifgebiet Küste ist eine weitere Runde in Bremen geplant. Nordrhein-Westfalen folgt am Montag, 9. November, mit Gesprächen in Düsseldorf. Für Bayern war in der zuletzt veröffentlichten bundesweiten Terminübersicht noch kein neuer Termin genannt.
Die Tarifrunde betrifft nach Angaben der IG Metall mehr als 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Die Gespräche werden in 15 regionalen Tarifgebieten geführt. Eine Einigung in einer Region könnte als Grundlage für Abschlüsse in weiteren Tarifgebieten dienen. Bislang liegen die Positionen von Gewerkschaft und Arbeitgebern bei Entgelthöhe, Laufzeit und Beschäftigungssicherung jedoch deutlich auseinander.
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