Konversion gestoppt: Bundeswehr beansprucht auch ehemalige Kasernen im Münsterland zurück

Der Bund stoppt Kasernenverkäufe in NRW: Wegen sicherheitspolitischer Neubewertung liegen geplante Wohnprojekte in Bielefeld, Gütersloh und Paderborn auf Eis.
Foto: holly2801

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Münsterland. Das Verteidigungsministerium hat die geplante zivile Nutzung von fast 200 ehemaligen Militärstandorten in Deutschland gestoppt. Darunter befinden sich auch sechs Liegenschaften im Münsterland, die ursprünglich in kommunale oder private Nutzung überführt werden sollten. Hintergrund ist die sicherheitspolitische Lage und der wachsende Bedarf der Bundeswehr an Unterbringungs- und Ausbildungsflächen.

Von der Maßnahme betroffen sind unter anderem die ehemalige Blücher-Kaserne in Münster, die Nike-Raketenstellung in Rheine, der frühere Heeresflugplatz Rheine-Bentlage, das Betriebsstofflager in Everswinkel, das Gerätehauptdepot in Selm-Bork sowie die ehemalige Standortniederlage Ahlen, ein früheres Munitionsdepot der Westfalen-Kaserne.

Bundeswehr legt strategische Liegenschaftsreserve an

Das Verteidigungsministerium plant, diese Standorte in eine sogenannte strategische Liegenschaftsreserve der Bundeswehr zu überführen. Das bedeutet: Die Flächen sollen erhalten bleiben, damit sie bei Bedarf kurzfristig reaktiviert werden können. Insgesamt umfasst die Maßnahme 187 ehemalige Liegenschaften der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) sowie 13 noch aktive Standorte.

Ziel ist es, schnell auf neue militärische Anforderungen reagieren zu können – etwa im Rahmen der NATO-Verpflichtungen oder zur Stärkung der nationalen Verteidigungsfähigkeit. Gleichzeitig räumt das Ministerium ein, dass diese Entscheidung bereits laufende kommunale Planungen beeinträchtigt.

Kommunen im Münsterland verlieren wichtige Entwicklungsflächen

Für die betroffenen Städte und Gemeinden im Münsterland bedeutet der Stopp der zivilen Nachnutzung erhebliche Unsicherheit. Viele Kommunen hatten auf den Flächen bereits konkrete Projekte vorgesehen – von neuen Wohnquartieren über Gewerbegebiete bis hin zu Freizeitflächen.

Die Rückführung der Liegenschaften in den militärischen Bestand der Bundeswehr wirft diese Planungen zurück. So gilt die Blücher-Kaserne in Münster etwa als potenzielles Areal für städtebauliche Entwicklung, das nun auf unbestimmte Zeit nicht verfügbar ist.

Hintergrund: Konversion als jahrzehntelanger Prozess

Nach dem Ende des Kalten Krieges begann in den 1990er-Jahren die sogenannte Konversion – die zivile Umnutzung ehemaliger Militärgelände. Viele Standorte in Nordrhein-Westfalen wurden damals in Wohn- und Gewerbegebiete umgewandelt. Mit der aktuellen Entscheidung der Bundesregierung wird dieser Prozess nun teilweise gestoppt oder ausgesetzt.

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Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bleibt Eigentümerin der betroffenen Liegenschaften und ist für deren Verwaltung verantwortlich. Das Verteidigungsministerium betont, man wolle bestehende zivile Planungen „wo immer möglich“ berücksichtigen – doch viele Kommunen befürchten erhebliche Verzögerungen.

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