
Münster. Die SPD Münster steht nur wenige Tage nach ihrem vielbeschworenen Neustart vor einem politischen Erdbeben: Beide frisch gewählten Co-Vorsitzenden, Ayşegül Paran und Prof. Dr. Peter Wagner, haben am Donnerstagabend mit sofortiger Wirkung ihre Ämter niedergelegt. Parans schriftliche Erklärung, in der sie von einem fehlenden „unbelasteten Neustart“ spricht, und Wagners Hinweis auf wiederholte Indiskretionen aus dem Inneren der Partei markieren einen dramatischen Wendepunkt für die Sozialdemokraten in Münster. Was als Aufbruch gedacht war, entwickelt sich nun zu einem offenen Krisensignal – und der Schaden für die Partei ist bereits jetzt erheblich.
Schon die Wahl der neuen Doppelspitze am 8. November im MCC Halle Münsterland verlief nicht reibungslos. Paran erhielt erst im zweiten Wahlgang eine knappe Mehrheit. Rund 45 Prozent der Delegierten stimmten gegen sie oder enthielten sich. Für eine Führung, die Geschlossenheit symbolisieren sollte, war das ein ungewöhnlich schwaches Mandat. Weder Paran noch Wagner kommentierten das Ergebnis im Nachgang, auch andere führende Mitglieder der SPD hielten sich auffallend zurück. Das Schweigen verstärkte die Irritationen innerhalb der Partei, statt sie zu beruhigen.
In den Tagen nach dem Parteitag verdichteten sich Hinweise auf interne Konflikte. Fragen nach dem Zustand des Unterbezirks wurden abgeblockt, und vage Verweise auf „private Angelegenheiten“ bestimmten plötzlich die interne Diskussion. Parallel kursierte erneut ein Video, in dem Paran über Beharrungskräfte in der SPD spricht – ein Clip, der bereits vor ihrer Wahl für Diskussionen gesorgt hatte. Unklar bleibt, ob dieser Beitrag eine unmittelbare Rolle spielte. Sicher ist aber: Die Zurückhaltung der Verantwortlichen führte nicht zu Klarheit, sondern zu weiterer Unruhe.
Mit Parans Rückzug erreichte die Situation am Donnerstagabend eine neue Eskalationsstufe. Dass eine Unterbezirksvorsitzende nach nur zwei Wochen ihr Amt niederlegt, ist selten – doch der darauffolgende Schritt von Peter Wagner machte das Ausmaß erst vollständig sichtbar. In seinem Schreiben an den geschäftsführenden Vorstand sprach er von wiederholten Indiskretionen, die auch private Lebensbereiche von Parteimitgliedern berührt hätten. Eine vertrauensvolle Grundlage für die gemeinsame Arbeit sei nicht mehr vorhanden. Wagner vollzieht zudem einen vollständigen politischen Rückzug: Er gibt auch sein Ratsmandat und sämtliche weiteren Ämter ab.
Für die SPD Münster bedeutet das innerhalb weniger Stunden den kompletten Verlust ihrer Führungsspitze – mitten in einer Phase, in der sie sich eigentlich neu sortieren und zugleich Verantwortung in der möglichen Rathauskoalition übernehmen wollte.
Warum die Spannungen so schnell eskalierten, bleibt unklar. Aus der Partei ist lediglich zu hören, dass Teile der Auseinandersetzung privater Natur seien. Auffällig bleibt jedoch die Kombination aus einem schwachen Wahlergebnis, internen Irritationen und dem ungewöhnlich schnellen Rücktritt beider Vorsitzenden. Der geplante Neustart der SPD Münster ist damit ins Wanken geraten.
Wie der Unterbezirk die entstandene Führungs- und Vertrauenslücke schließen will, ist aktuell offen. Klar ist nur: Der Konflikt, der bisher unter der Oberfläche schlummerte, ist nun unübersehbar. Die SPD Münster steht vor einer ihrer größten Herausforderungen der vergangenen Jahre.
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