Mehrkosten für viele Haushalte: Münster erhöht 2026 die Abfallgebühren deutlich

Münster erhöht 2026 die Abfallgebühren. Warum die Kosten steigen, was Haushalte erwartet und wie Politik und awm die Erhöhung begründen.
Foto: awm

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Münster. Die Stadt Münster steht vor einer deutlichen Anpassung der Gebühren für die Abfallentsorgung. Nach vier stabilen Jahren rechnen die Abfallwirtschaftsbetriebe (awm) damit, die Abfallgebühren in Münster 2026 um knapp sieben Prozent anheben zu müssen. Damit wird die Abfallentsorgung für Haushalte teurer, gleichzeitig betonen die awm, dass hohe Serviceleistungen und sinkende Kosten an anderer Stelle den Anstieg abmildern. Die Müllgebühren erden am 10. Dezember im Rat final beraten.

Warum die Abfallgebühren in Münster 2026 steigen sollen

Gestiegene Personal-, Material- und Betriebskosten machen eine Anpassung notwendig. In den Vorjahren konnten Mehrkosten noch ausgeglichen werden – etwa durch Überschüsse aus Gebühren oder Erlöse aus der Vermarktung von Papier, Metall und Altholz. Dieser Spielraum ist nun ausgeschöpft.

Ursprünglich hatten die awm sogar eine Erhöhung von rund elf Prozent erwartet. Dass es nun weniger wird, liegt an gesunkenen Kosten für die gesetzlich vorgeschriebenen Nachsorgemaßnahmen der Zentraldeponie Coerde. Vor allem Füll- und Abdeckmaterial für Deponiearbeiten ist überraschend günstiger geworden.

Was auf Haushalte zukommt

Für einen Vier-Personen-Haushalt ergeben sich ab 2026 monatliche Kosten von durchschnittlich 6,13 Euro pro Person – rund 40 Cent mehr als bisher. Nach aktueller Planung rechnet der Betrieb damit, dass auch 2027 und 2028 weitere Anstiege notwendig sein werden, jeweils um rund sieben Prozent.

Wichtig ist: Auf dem Gebührenbescheid stehen nur Rest- und Bioabfall. Tatsächlich werden über die Gebühren aber zahlreiche Leistungen finanziert, die in Münster seit Jahren zum Standard gehören. 

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Umfangreicher Service trotz steigender Kosten

Zum Service der awm gehören neben der regulären Müllabholung:

Das lesen andere gerade
  • Papier- und Wertstofftonne

  • monatliche Sperrgut- und Grünabfallabfuhr

  • Abholung großer Elektrogeräte

  • elf Recyclinghöfe im gesamten Stadtgebiet

Dort können Bürgerinnen und Bürger einen Großteil aller Wertstoffe kostenlos abgeben. Dies gilt bundesweit als überdurchschnittlicher Leistungsumfang. Laut awm ist das Angebot ein wichtiger Baustein für Klima- und Ressourcenschutz in Münster.

Politische Debatte: Ist Münster wirklich „zu teuer“?

Seit Jahren wird in Münster darüber gestritten, ob die Abfallgebühren im NRW-Vergleich tatsächlich hoch sind. Der Bund der Steuerzahler NRW (BdSt) bewertet Münster regelmäßig kritisch. Die Stadt und die awm widersprechen jedoch: Der Vergleich sei irreführend, weil er Leistungsumfang, Behältergrößen und örtliche Besonderheiten nicht korrekt abbilde.

Auch 2025 wurde diese Diskussion erneut politisch aufgegriffen. Mehrere Ratsfraktionen – vor allem die SPD – betonten, dass Gebühren zwar eine Belastung seien, aber lange Zeit stabil geblieben sind. Wer niedrigere Gebühren fordere, müsse offen benennen, welche Leistungen gestrichen werden sollen. Andernfalls blieben es „Luftversprechen“.

Blick zurück: Gebührenstreit hat Tradition in Münster

Die Stadt Münster hat bereits eine lange Geschichte kontroverser Auseinandersetzungen über die Höhe der Abfallgebühren. 2003 wurden die Gebühren um fast 60 Prozent erhöht – es folgte eine Welle von 1400 Klagen. Das Verwaltungsgericht Münster bestätigte die Erhöhung jedoch 2005 in einem Musterverfahren als rechtlich einwandfrei.

Dieser historische Hintergrund prägt auch heute noch die Debatte. Die Abfallgebühren werden deshalb nicht nur als finanzielle Frage betrachtet, sondern auch als politisches Signal, wie die Stadt Service, Kosten und Umweltziele austariert.

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