
Münster. Nur noch wenige Tage bleibt Zeit für einen der kulturellen Höhepunkte des Jahres. Die Ausstellung „Kirchner. Picasso“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur geht an diesem Sonntag, 18. Januar, zu Ende. Wer die Gegenüberstellung zweier Giganten der klassischen Moderne noch sehen möchte, hat in Münster letztmals Gelegenheit dazu – ab der kommenden Woche wird die Schau abgebaut und später in Davos gezeigt.
Seit dem 26. September 2025 präsentiert das Museum rund 100 Werke von Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso. Die Ausstellung gehört zu den meistbeachteten Projekten des Hauses.
Die Kirchner. Picasso Ausstellung in Münster ist eine Kooperation zwischen dem LWL-Museum für Kunst und Kultur und dem Kirchner Museum Davos. Nach Münster wird die Schau ab dem 15. Februar 2026 in Davos zu sehen sein. Unterstützt wird das Projekt von der LWL-Kulturstiftung, der Stiftung Kunst³, der Sparkasse Münsterland Ost und der Ernst von Siemens Kunststiftung.
Neben den regulären Öffnungszeiten bietet das Museum ab dem 16. Oktober verlängerte Abendstunden an – donnerstags und freitags bis 20 Uhr. Regelmäßige Rundgänge, Führungen und Veranstaltungen begleiten die Ausstellung und machen sie auch für ein breites Publikum zugänglich.
Kirchner und Picasso wurden im Abstand von nur einem Jahr geboren – Kirchner 1880 in Aschaffenburg, Picasso 1881 in Málaga. Beide Künstler veränderten die Kunst des 20. Jahrhunderts grundlegend, wählten jedoch sehr unterschiedliche Wege. Die Ausstellung eröffnet mit biografischen Stationen, die den Werdegang der beiden Künstler mit historischen Umbrüchen und Netzwerken der Avantgarde verbinden. Dabei werden auch die kulturellen Spannungsfelder zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien sichtbar, in denen beide ihre künstlerische Sprache entwickelten.
Gemeinsam halten wir unabhängige Nachrichten frei zugänglich. Was es dir wert ist, entscheidest du.
Kirchner, Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“, steht für den deutschen Expressionismus. Picasso, Mitinitiator des Kubismus, schuf mit seinem Werk eine neue Sicht auf Form und Raum. Trotz aller Unterschiede verband sie die Suche nach künstlerischer Freiheit und der Mut zur ständigen Erneuerung.
Im Mittelpunkt der Kirchner. Picasso Ausstellung in Münster stehen zentrale Themen, die beide Künstler über Jahrzehnte beschäftigten. Eines davon ist das Leben in der Großstadt – Sinnbild für Bewegung, Ekstase, aber auch Einsamkeit. Kirchner und Picasso zeigen das Nachtleben in ihren Bildern, mit Tänzern, Musikern und Varieté-Szenen. Doch sie zeigen auch die Schattenseiten: die Isolation und das harte Leben hinter den Kulissen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Porträts und Aktdarstellungen. Besonders die Darstellungen ihrer Lebenspartnerinnen verdeutlichen, wie stark persönliche Beziehungen das Werk der beiden prägten. Beide nutzten das Porträt als Experimentierfeld – Kirchner durch expressive Farbigkeit, Picasso durch radikale Formauflösung.
Auch das Atelier als Ort des künstlerischen Schaffens spielt eine zentrale Rolle. Es wird als privater und kreativer Raum inszeniert, in dem Denken, Arbeiten und Leben ineinandergreifen.
Sowohl Kirchner als auch Picasso setzten sich intensiv mit der eigenen Künstlerrolle auseinander. Kirchner schuf zahlreiche Selbstporträts, in denen er seine Identität als Künstler, aber auch seine seelische Fragilität reflektierte. Picasso hingegen griff auf mythologische Motive wie den Minotaurus zurück, um Macht, Kreativität und Sexualität zu symbolisieren. Beide verstanden die Selbstinszenierung als Teil ihres künstlerischen Ausdrucks.
Kirchners Jahre in Davos prägen bis heute das Bild des Künstlers. Das Kirchner Museum Davos, das die Ausstellung in der Schweiz übernimmt, bewahrt einen umfangreichen Bestand an Gemälden, Skizzenbüchern und Fotografien. Zu den bekanntesten Werken zählt „Die Brücke bei Wiesen“ (1926), das den Viadukt bei Davos zeigt. Weitere bedeutende Werke wie „Tinzenhorn – Zügenschlucht bei Monstein“ (1919/20) spiegeln seine tiefe Verbundenheit mit der Alpenlandschaft.
Die Ausstellung erfüllt zugleich einen lang gehegten Wunsch Kirchners, seine Werke einmal gemeinsam mit denen Picassos zu zeigen. Sie lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, die Moderne neu zu sehen – als Spannungsfeld zwischen Emotionalität und Konstruktion, zwischen individueller Erfahrung und gesellschaftlicher Veränderung.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu