
Essen. Nach der nächtlichen Entgleisung eines Güterzuges in Essen prüfen Sicherheitsbehörden einen möglichen gezielten Eingriff in den Bahnverkehr. Brisant ist dabei vor allem der zeitliche Zusammenhang mit einem geplanten Transport militärischer Güter der US-Armee. Offiziell bestätigt ist ein solcher Zusammenhang bislang nicht – er ist jedoch Teil der laufenden Ermittlungen.
Am Montagabend gegen 22.30 Uhr kam es im Essener Norden zu einer Teilentgleisung eines Güterzuges. Nach bisherigen Erkenntnissen sprang eine Achse des Triebfahrzeugs aus dem Gleis. Der Zug, der mehrere Kesselwagen zog, kam kontrolliert zum Stehen. Verletzt wurde niemand, es trat kein Gefahrgut aus.
Die Strecke war vorübergehend gesperrt, der Bahnverkehr wurde eingeschränkt.
Bei der Untersuchung der Unfallstelle stellten Einsatzkräfte der Bundespolizei Gegenstände im Gleisbereich fest, die dort nach Einschätzung der Ermittler nicht hingehörten. Diese wurden sichergestellt und kriminaltechnisch untersucht.
Nach übereinstimmenden Medienberichten soll es sich dabei um metallische Bauteile gehandelt haben, die den Schienenverkehr gezielt beeinträchtigen können. Eine offizielle Bestätigung zur genauen Beschaffenheit dieser Gegenstände liegt bislang nicht vor.
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Die Bundespolizei ermittelt wegen des Verdachts auf einen gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr.
Nach bisherigem Ermittlungsstand war die betroffene Strecke wenige Stunden zuvor noch ohne Auffälligkeiten befahren worden. Erst später kam es zur Entgleisung. Auch dieser Umstand fließt in die Bewertung der Ermittler ein.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall durch Berichte, wonach die Strecke ursprünglich für einen Transport der US-Armee vorgesehen gewesen sein soll. Demnach habe ein Militärzug mit Munition und Ausrüstung diese Verbindung nutzen sollen, sei jedoch aufgrund von Verzögerungen kurzfristig umgeleitet worden. Bestätigt ist bislang lediglich, dass diese Informationen überprüft werden.
Aufgrund der möglichen sicherheitsrelevanten Dimension ist auch der Staatsschutz in die Ermittlungen eingebunden. Ob es sich um eine gezielte Sabotage, um zurückgelassenes Material aus früheren Bauarbeiten oder um eine andere Form der Fremdeinwirkung handelt, ist derzeit offen.
Die Ermittlungsbehörden betonen, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine gesicherten Erkenntnisse zu Tätern oder Motiven gibt. Auch ein Zusammenhang mit militärischen Transporten ist bislang nicht bestätigt.
Die Bundespolizei setzt ihre Untersuchungen fort. Ergebnisse kriminaltechnischer Analysen stehen noch aus. Erst danach dürfte klarer werden, ob der Vorfall als Unfall oder als gezielter Eingriff in den Bahnverkehr einzustufen ist.