Prozess in Münster: Männer sollen als falsche Polizisten Senioren betrogen haben

Vor dem Landgericht Münster stehen vier junge Männer wegen bandenmäßigen Betrugs als falsche Polizisten vor Gericht.
Symbolfoto, Foto: Ingo Kramarek

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Münster. Vor dem Landgericht Münster müssen sich vier junge Männer im Alter zwischen 22 und 25 Jahren verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, arbeitsteilig als Bande ältere Menschen mit der Masche der sogenannten „falschen Polizisten“ betrogen zu haben. Insgesamt soll ein Schaden von rund 300.000 Euro entstanden sein. Drei der Angeklagten lebten zuletzt in Münster, ein weiterer in Drensteinfurt. Der Prozess begann am Donnerstag, 15. Januar 2026, angesetzt sind zunächst mehrere Verhandlungstage bis Ende März.

Betrugsmasche mit gezielten Angstgeschichten

Nach Darstellung der Anklage kontaktierten die Täter ihre Opfer telefonisch und gaben sich als Polizeibeamte aus. In den Gesprächen warnten sie vor angeblichen Einbrechern oder Dieben in der Nachbarschaft und setzten die Angerufenen massiv unter Druck. Immer wieder hieß es, man stehe kurz davor, selbst Opfer einer Straftat zu werden. Um Wertgegenstände zu „sichern“, sollten Bargeld, Schmuck oder Gold entweder an angebliche Polizeibeamte übergeben oder an bestimmten Orten deponiert werden. Besonders ältere Menschen seien so gezielt verunsichert und zu schnellen Entscheidungen gedrängt worden.

Arbeitsteilung innerhalb der mutmaßlichen Bande

Innerhalb der Gruppe soll es laut Staatsanwaltschaft klare Rollen gegeben haben. Ein Angeklagter fungierte demnach als sogenannter „Keiler“, der die Telefonate führte. Zwei weitere Männer sollen als „Logistiker“ die Abläufe koordiniert und die Abholungen organisiert haben. Die eigentlichen Übergaben übernahmen wiederum andere Beteiligte, die das Geld und die Wertsachen bei den Opfern einsammelten. Die einzelnen Angeklagten sollen in unterschiedlichem Umfang an den Taten beteiligt gewesen sein.

Mehrere Fälle im Münsterland

Zu den angeklagten Fällen zählt unter anderem ein Vorfall Ende März in Coesfeld. Dort wurden eine 89-jährige und eine 60-jährige Person telefonisch angewiesen, Bargeld und Schmuck unauffällig in einem Kochtopf vor die Haustür zu stellen. Allein hier soll Bargeld in Höhe von 11.200 Euro erlangt worden sein.
Anfang April kam es in Heiden zu einer weiteren Tat. Ein 59-Jähriger übergab Bargeld, Schmuck sowie einen Tresor. Der Tresor wurde später leer in der Nähe der Werse aufgefunden.
Ein weiterer Fall betrifft Davensberg. Dort wurde eine 76-jährige Frau mit der Behauptung unter Druck gesetzt, ein angebliches SEK Düsseldorf sei im Einsatz. Sie übergab 20.000 Euro sowie Schmuck an einen Mann, der sich als Kriminalkommissar aus Münster ausgab.
Besonders hoch fiel der Schaden in Ascheberg aus. Dort hob eine ältere Frau mehr als 13.000 Euro ab, tauschte Teile des Geldes in Goldbarren und übergab alles an die Täter. Der Gesamtschaden dieses Falls soll über 200.000 Euro liegen.

Festnahmen und SEK-Zugriff in Drensteinfurt

Im Juli 2025 nahmen Ermittler zwei der Angeklagten bei einer geplanten Übergabe fest. Zwei weitere Männer konnten zunächst fliehen. Anfang September kam es dann zu einem Zugriff in einem Neubaugebiet am Mondscheinweg in Drensteinfurt. Gegen 6 Uhr morgens sprengte ein Spezialeinsatzkommando die Tür eines Einfamilienhauses auf und nahm einen 22-Jährigen fest. In dem Haus hielten sich zu diesem Zeitpunkt auch die Eltern des Beschuldigten auf.

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Umfangreicher Prozess mit mehreren Verhandlungstagen

Nach bisherigen Erkenntnissen geht die Staatsanwaltschaft von mindestens fünf Betrugsfällen aus. Die Beute soll sich auf knapp 300.000 Euro summieren. Das Verfahren vor dem Landgericht Münster ist auf mehrere Verhandlungstage angesetzt, weitere Zeugenvernehmungen sind angekündigt.

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